Spendenaktion für Hund aus VS
: Deshalb ist ein Besuch beim Tierarzt so teuer geworden

Ein Besuch beim Tierarzt ist oft teuer. Eine Hundehalterin aus VS bittet deshalb sogar mit einer Spendenaktion um Unterstützung. Warum die Kosten so hoch sind, erklären zwei Experten.
Von
Jennifer Merk
Oberndorf
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Die sechsjährige Hündin Luna musste an beiden Hinterbeinen operiert werden. Frauchen Annalena bittet dafür um Spenden.

Zugmantel

„Meine geliebte Luna ist nicht nur mein Hund – sie ist meine Familie, meine treue Begleiterin und mein größtes Glück auf vier Pfoten“, schreibt Annalena Zugmantel aus Villingen-Schwenningen in einem Spendenaufruf auf der Online-Plattform GoFundMe.

Ihre sechsjährige Hündin musste operiert werden: Luna hatte gleich zwei Kreuzbandrisse – an beiden Hinterbeinen. Bis zu dieser Diagnose mussten Hund und Halterin jedoch eine regelrechte Odyssee durch mehrere Tierarztpraxen überstehen.

Im Sommer 2025 stellte ein Tierarzt zunächst die Diagnose Schleimbeutelentzündung. Luna solle sich schonen, riet er. Doch der Zustand der Hündin besserte sich nicht. Ihre 20-jährige Halterin holte deshalb eine zweite Meinung ein.

Im Dezember 2025 stellte ein anderer Tierarzt schließlich einen Kreuzbandriss fest. Erst Wochen später, bei einem Termin in einer Tierklinik in Freiburg, sahen die Ärzte: Auch das zweite Kreuzband war gerissen.

Bitte um Spenden wegen hoher Rechnung

Knapp 7000 Euro kosteten die beiden Operationen die Hundehalterin. Viel Geld für die junge Frau, die im Einzelhandel arbeitet. Weil sie die Versicherung wechselte, lehnte diese die Übernahme der Kosten ab. Deshalb beschloss sie, mit einem Spendenaufruf um Hilfe zu bitten.

Ein Einzelfall ist sie nicht. Über hohe Tierarztkosten klagen viele Haustierbesitzer. Doch warum sind diese in den vergangenen Jahren so gestiegen?

Deshalb sind Tierarztkosten gestiegen

Grund ist die neue Gebührenordnung für Tierärzte (kurz GOT). Sie legt fest, wie viel Tierärzte für ihre Leistungen berechnen dürfen. So sollen Behandlungen einheitlich und transparent abgerechnet werden.

Im Jahr 2022 wurde eine neue GOT festgelegt, weil die alte Version teilweise über 20 Jahr alt war. Die älteren Preise waren Tierärzten zufolge oft nicht mehr kostendeckend, Personal- und Betriebskosten sind stark gestiegen, moderne Tiermedizin wurde aufwendiger.

„Die GOT wurde vom Bundesministerium neu aufgelegt. Die Tierärzte müssen ein vernünftiges Geld verdienen, um entsprechenden Service bieten und sich dem Stand der Wissenschaft angleichen zu können“, erklärt Kai Kreling, Vorsitzender des Gebührenausschusses der Bundestierärztekammer.

Bis 2022 seien die Tierarztkosten relativ unverändert gewesen, erklärt Kreling. Mit der neuen GOT hätte man diese anpassen müssen, „weil alles ja teurer geworden ist“. Das betreffe nicht nur die Betriebskosten. Vor allem die Personalkosten habe man angleichen müssen, sagt Kreling: „Denn wir lagen immer am untersten Rang der vergleichbaren Gehälter.“

Pauschaler Notdienstzuschlag soll Kosten decken

Das bestätigt auch Andreas Roeckl, Tierarzt im AniCura Kleintierzentrum Schabelhof in Bad Dürrheim. „Die Kostentreiber sind wirklich das Personal und die Technik.“ Natürlich wollen nicht nur die Ärzte, sondern auch die tierärztlichen Fachangestellten fair bezahlt werden. Außerdem gibt es immer neuere, bessere Geräte und als spezialisierte Praxis oder Klinik müsse man natürlich mithalten.

Mit der neuen GOT ist auch ein pauschaler Notdienstzuschlag eingeführt worden, um diese wieder attraktiver zu machen. Nur noch wenige Tierarztpraxen könnten einen 24/7-Notdienst anbieten, erklärt Roeckl. Die Kosten seien einfach zu hoch. Mit dieser Pauschale sollen die Praxen unterstützt werden, damit solche Einsätze zumindest kostendeckend sind.

Tierhalter verzichten auf bestimmte Behandlungen

Dass Tierhalter aufgrund der angestiegenen Kosten sogar auf bestimmte Behandlungen verzichten, käme hin und wieder vor: „Wenn beispielsweise klar ist, dass ein älterer Hund Arthrose hat, könnte man anhand eines Röntgenbildes feststellen, wie ausgeprägt diese bereits ist. Es würde an der Therapie in der Regel aber nichts ändern“, erklärt der Tierarzt. Deshalb entscheiden sich manche Tierhalter in so einem Fall dafür, auf ein Röntgenbild zu verzichten, um die Kosten dafür zu sparen.

Eine Operations- und in manchen Fällen auch eine Tierkrankenversicherung empfiehlt Roeckl auf jeden Fall: „Wenn man beispielsweise im Notdienst einen Hund nach einem Autounfall versorgt, kostet das schnell mal 4000 Euro.“ Auch ein Tier, das dauerhaft wegen einer Erkrankung behandelt werden muss, kostet den Halter im Laufe seines Lebens einiges. „Unseren Erfahrungen nach gibt es da schon bezahlbare Angebote. Ob es sich am Ende rechnet, weiß man natürlich nie.“

Das Tier soll die bestmögliche Versorgung haben – für wenig Geld

Was viele Halter bei der Diskussion um die hohen Tierarztkosten laut Roeckl oftmals vergessen, sind die eigenen Ansprüche. „Ein Tier ist heutzutage ein Familienmitglied. Und für dieses möchte man auch die bestmögliche Versorgung.“

Und diese wird gleichzeitig immer besser: „Wir führen heute routinemäßig Behandlungen durch, die noch vor fünf oder zehn Jahren den Uni-Kliniken vorbehalten waren. Beispielsweise minimalinvasive, endoskopische Oerationen und Gebisssanierungen mit Zahnröntgen und Bohrern, wie beim Zahnarzt. Das hat mit dem Zahnsteinabkratzen von früher nichts mehr zu tun. Dafür ist man dann auch schnell mal bei 1200 Euro.“ 

Das seien oft Behandlungen, die sich über mehrere Stunden hinziehen können, nicht nur, weil das Tier keine Zähne putzt, sondern auch weil viele Rassen wie Bulldoggen, Shitszu und Mops schon aufgrund ihrer kurzen Schnauze Zahnprobleme mitbringen. „Und das wird oft nicht bedacht, wenn es darum geht, warum die Tierarztkosten heutzutage so hoch sind.“

Wie sich diese langfristig entwickeln könnten, sei schwer einzuschätzen, sagt Kai Kreling von der Bundestierärztekammer. „Da wird es unterschiedliche Effekte geben. Aber ich denke, im Kleintiersektor werden sie sich maximal gemäß der Lebenshaltungskosten erhöhen und auf einem gewissen Level stabilisieren.“

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