Sonderausstellung kommt an: „Trossingen im Sturm“ ist ein Besuchermagnet

Salvatore Martinelli am Bildschirm, wo das schwerstbeschädigte Haus von Elias Messner nach der Sturmnacht vom 19. auf den 20. Juli 1926 zu sehen ist.
Ingrid Kohler- Sonderausstellung „Trossingen im Sturm“ im Deutschen Harmonikamuseum wird bis Ende September verlängert.
- Gezeigt werden Berichte, Dokumente und Fotos zum Unwetter vom 19. auf den 20. Juli 1926.
- Eine Animation verdeutlicht die Schäden – sie ist auch auf der Facebook-Seite abrufbar.
- Auswirkungen damals: Einsturz des Hohner-Kühlturms, 80 Prozent Dachschäden, eine Million Mark Verlust.
- Rückblick auf den Hagelschlag am 28. Juni 2006 rundet den Rundgang ab.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Deutsche Harmonikamuseum beleuchtet in einer Sonderausstellung seit dem 1. Juli die Auswirkungen des Sturms auf die Stadt, den Alltag und die Industrie. Zeitgenössische Berichte, Dokumente und Fotografien laden dazu ein, in die Geschichte Trossingens einzutauchen.
Salvatore Martinelli, Direktor des Deutschen Harmonikamuseums und Stadtarchivar, hat diese Nacht des Schreckens als ein Kapitel der Trossinger Stadtgeschichte unter das Motto „Trossingen im Sturm – Das Unwetter von 1926“ gestellt.
Nicht alleine in den Vitrinen wird das Ausmaß dieser Nacht noch einmal lebendig, auch ein Blick in den Bildschirm verdeutlicht die Auswirkungen in Trossingen, das damals noch ein Dorf war. „Die Animation kommt vor allem bei jungen Leuten sehr gut an“, weiß Salvatore Martinelli. „Sie ist aber auch auf unserer Facebook-Seite abrufbar.“ So sei diese Sonderausstellung ein Hybrid zwischen Museum und Medien. „Das werden wir auch in künftigen Ausstellungen so praktizieren.“ Insgesamt biete sich das Deutsche Harmonikamuseum an, auch eine andere Perspektive mit stadtgeschichtlichen Themen aufzuzeigen. Das Stadtarchiv liefert hierfür die wichtigen Quellen.
Schäden in Höhe von einer Million Mark
Wetterleuchten, Blitz, Hagel in der Größe von Taubeneiern, Regen, Windstöße, wie sie noch nie beobachtet worden waren, ließen in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 1926 den Hohner-Kühlturm einstürzen. 80 Prozent der Dächer waren beschädigt. Die Schäden der Sturmkatastrophe betrugen eine Million Mark. Auf einem original per Hand in Sütterlinschrift geschriebenen Brief ist zu lesen, dass das damalige Mitglied des Reichstags in Berlin, Theodor Heuss, „das Unglück aufs tiefste erschüttert hat“.
Das bisher schuldenfreie Haus des 57-jährigen Landwirts Christian Obergfell wird so beschädigt, dass er es abreißen muss und sich entsprechend hoch verschuldet. Als Beihilfen hatte Trossingen 69.455 Mark beim Innenministerium angefordert für insgesamt 455 „Gesuchsteller“. Doch lediglich 25.000 Mark wurden für den ganzen Oberamtsbezirk ausbezahlt. Auch 10.000 Festmeter Wald fielen dem Sturm zum Opfer. Doch für Hagelschäden im Wald gab es keinerlei Beihilfen. Ebenso wurden 3000 Obstbäume entwurzelt oder schwer beschädigt.
Und bereits vor 100 Jahren gab es Menschen, die aus der Katastrophe einen Profit machen wollten. Auf einer Visitenkarte ist zu sehen, dass ein geschäftstüchtiger Händler aus der Schweiz Altholz aufkaufen wollte.
Die Geschichte wiederholt sich
Am Ende des Rundgangs erwartet die Besucher die „Wiederkehr 80 Jahre später“, nämlich ein kleiner Rückblick auf den Hagelschlag am 28. Juni 2006. „Man sieht, die Geschichte wiederholt sich, es war das gleiche Chaos“, sagt Salvatore Martinelli, „und man hat aus Fehlern nicht gelernt“.
Eigentlich war die Sonderausstellung „Trossingen im Sturm“ nur für den Monat Juli geplant. „Aufgrund des sehr großen Interesses gehen wir aber in die Verlängerung bis Ende September“, betont Martinelli.
Was ihn besonders freut: „Es kommen sehr viele Trossinger.“ Es sei derzeit ein ganz anderes Publikum als sonst. „Die Ausstellung nimmt die Menschen mit, viele haben Vorfahren, die das Unwetter noch erlebt haben.“
Das Deutsche Harmonikamuseum ist von Dienstag bis Freitag sowie an Sonn- und Feiertagen von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet.
