Nena beim "Sommersound VS": Abend voll Nostalgie und Lebensfreude

Nena begeisterte ihre Fans beim Sommersound.
Marc EichVoller Energie und Tempo legt sie los, kaum erklingen die ersten Zeilen, singt das Publikum mit und geht auf eine Zeitreise mit der Sängerin, die seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne steht: Nena gastierte bei ihrer „Wir gehören zusammen“-Tour beim Sommersound VS am Druckzentrum Südwest in Villingen-Schwenningen.
Sie setzte einen fulminanten Schlusspunkt unter das Festival, das an drei Abenden rund 9000 Besucher angezogen hatte. An die 3400 Fans strömten zum Konzert der Popsängerin, die 1982 mit dem Song „Nur geträumt“ ihren ersten Hit in den Charts landete und ein Jahr später mit „99 Luftballons“ ihre internationale Karriere startete. Seither ist sie nie wirklich aus dem Rampenlicht verschwunden und zählt bis heute zu einer festen Größe in der Musikszene.
Und sie kann auf ihre alten Fans ebenso bauen wie auf die junge Generation, das zeigte sich auch beim Open Air in VS. Zwei Stunden vor Einlass stehen einige Fans schon an und das hat einen guten Grund: „Nena war meine Jugend“, erzählt Stephanie Straub nostalgisch. Von der Musik der Künstlerin erhoffe sie sich, wieder in diese Zeit zurückversetzt zu werden.
Antje Maier ist ebenfalls ein großer Nena-Fan. Für sie ist es schon das vierte Konzert. „Die Stimmung ist immer mega“, erzählt sie von den anderen Konzerten. Die Show sei von vorne bis hinten wirklich beeindruckend. Daher komme sie immer wieder. Zum Sommersound sei sie extra zweieinhalb Stunden aus Öhringen angereist.
Wirbelwind auf der Bühne
Auch für die kulinarische Seite des Festivals sei Nena das Highlight des Sommersounds, berichtet Kasper Morawski der Cateringfirma Eicks-Gänswein bei Freiburg. „Wir genießen die Musik, während wir kochen“, sagt er. Und damit die Nena-Fans nicht hungern müssen, bieten sie nur ein kleines Angebot an – Pommes und Würstchen. Dann müsse keiner zwei Stunden anstehen und könne die Live-Musik genießen.
Das machen alle dann auch von Beginn an. Nena, die trotz ihrer 65 Jahre wie eine junge Frau über die Bühne wirbelt, ein ums andere Mal selbst zur Gitarre greift, sie tanzt und hüpft, verbreitet gute Laune. Diese Unbeschwertheit und Leichtigkeit prägt den ganzen Auftritt, bei dem die Zuschauer begeistert mitgehen und den Backgroundchor bilden, ob alte Glanznummern wie „Leuchtturm“ und „Nur geträumt“ oder neuere Songs wie „Karawane“ oder „Licht“.
Bogen von den alten Zeiten in die Gegenwart gespannt
Die Sängerin schlägt immer wieder den Bogen von den alten Zeiten in die Gegenwart, erzeugt einerseits das Lebensgefühl früherer Jahrzehnte, ist anderseits in neuen, elektronischen Richtungen unterwegs.
Das spiegelt sich in ihrer Band wider, bei der sie nicht nur auf langjährige Weggefährten bauen kann, sondern inzwischen auch einige ihrer Kinder mitspielen. Ihr Sohn Samuel Kerner stimmte mit dem Bandprojekt Maduh mit gefühlvollen deutschen Texten und melancholischen Klängen auf den Abend ein. Und sie überlässt für den Song „Wir kommen im Frieden“ ihrem Sohn Sakias Kerner die Bühne, bei dem Handys den Platz in ein Lichtermeer verwandeln.
Kontakt zu den Fans
Und auch Nena hat die Herzen auf ihrer Seite. Da kommt sie mitten in einem Song in den Bereich der Rollstuhlfahrer, freut sich über Geschenke und umarmt ihre Fans, tanzt schließlich durch die Menge. Und dann erkennt sie in den vorderen Reihen eine junge Frau, die seit Jahren ihre Konzerte besucht und holt Maja spontan auf die Bühne, um mit ihr zusammen „Wunder geschehen“ zu singen.
Natürlich brandet Jubel auf, als die ersten Takte von „99 Luftballons“ erklingen, ein Lied aus den Zeiten des Kalten Krieges, das aktueller nicht sein könnte und nichts von seiner Faszination verloren hat. Alle singen mit und zücken ihre Handys – passend zum Lichtblick, den Nena sieht: Heute singt sie nicht von einer Welt, die in Trümmern liegt, sie ist überzeugt: „Nein, die Welt liegt noch nicht in Trümmern.“
Künstlerin genießt die Nähe zum Publikum
So gelingt es der Künstlerin immer wieder, ganz dem Motto „Wir gehören zusammen“ entsprechend ein Gefühl der Verbundenheit zu schaffen und den Draht zum Publikum zu halten, sie genießt die Nähe und die Atmosphäre. Und sie zeigt, dass sie auch nach 40 Jahren die Zuhörer bewegt und verbindet. Beim Sommersound feiern Familien, jüngere und ältere Menschen gemeinsam mit Nena und ihren Musikern.
Lautstark fordern die Besucher denn auch eine Zugabe ein und jubeln, als das lang erwartete Stück „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ kommt – bevor sie sich nach Stunden voller Emotionen und Lebensfreude auf den Heimweg machen.