Wild-Wings-Legende Andreas Renz
: Vom Eishockey-Profi in Schwenningen zum Lebenscoach

Andreas Renz zählt bei den Schwenninger Wild Wings zu den großen Legenden. Sein Weg nach oben war steinig, er war nicht gleich das Super-Talent, doch sein Ehrgeiz brachte ihn weit. Und auch seine Karriere nach der Karriere ist spannend: Heute arbeitet er als Lebenscoach und berät Menschen in ihren Krisen.
Von
Michael Bundesmann
Oberndorf
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Musste als Auswechselspieler beim Jugendteam beginnen und sich alles hart erarbeiten: Andreas Renz.

Eibner-Pressefoto

Es ist verdammt schwer, exakt den großen Spieler aus vielen großen Spielern bei den Wild Wings in den vergangenen Jahren herauszufiltern. Wir haben uns für Andy Renz entschieden, weil sein beruflicher Weg nach der Karriere so spannend geworden ist.

Der gebürtige Doppelstädter hat sich im Eishockey-Business alles sehr hart erarbeitet. Seine Anfänge beim damaligen SERC waren schwer. Er war nicht gleich das Super-Talent, musste als Auswechselspieler – ja richtig gelesen – beim Jugendteam beginnen. Viele Extra-Traningseinheiten und sein großer Ehrgeiz brachten ihn weiter. „Ich liebte es, mich derart zu schinden“, berichtete er damals.

Außerdem absolvierte Andy Renz in Schwenningen eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

Seine Karriere: DEL-Debüt mit den Wild Wings

1994 feierte er bei den Wild Wings sein Debüt in der Deutschen Eishockey Liga. Im gleichen Jahr spielte er für die DEB-Auswahl bei der U18-Europameisterschaft erstmals für eine deutsche Auswahl bei einem großen Turnier.

In Schwenningen wurde der eisenharte Defensiv-Akteur zu einem Leistungsträger und wechselte 2001 zu den Kölner Haien. Nur ein Jahr später wurde sein Traum vom deutschen Titelgewinn wahr. Mit 181 Länderspielen, mit zwei Teilnahmen an Olympischen Spielen und zehn Teilnahmen bei einer WM zählt der Schwenninger zu den Rekordnationalspielern.

Ende Juli 2010 kehrte Andreas Renz zu den Schwenninger Wild Wings (damals DEL2) zurück. Zu diesem Zeitpunkt war Renz mit 892 Spielen in der obersten Liga DEL-Rekordspieler gewesen.

Er führte die Neckarstädter als Kapitän aufs Eis. Im Sommer 2012 beendete er – nach einer schweren Augenverletzung – seine Karriere und arbeitete bei seinem Heimatclub für eine Saison als Co-Trainer neben Stefan Mair weiter.

Die große Lebenskrise: toxische Beziehungsphase

Doch in dieser Phase tobte in seinem privaten Umfeld schon längst das Chaos. Innerlich zerrissen war er viele Jahre zwischen seiner Ehefrau und einer Affäre in einem toxischen Beziehungsdreieck gefangen. Der nach außen hin so souveräne Sport-Profi bewegte sich gefühlsmäßig in dieser Zeit auf sehr dünnem Eis.

„Meine innere Angst, im Sport zu versagen und das Gefühl, nicht gut genug zu sein, schlug sich nun auch für mich im privaten Umfeld gravierend nieder. Ich habe damals alles versucht, um aus dieser großen Krise herauszufinden.“

Kilimanjaro und Schweigekloster

Andreas Renz war unterwegs auf dem Kilimanjaro, im Dschungel und suchte den Weg zu sich auch in einem Schweigekloster bei einem Schamanen. „Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich zuerst meine Krise mit mir selbst lösen muss, bevor ich externe Probleme löse.“ Für den damaligen Vorzeigeprofi war dies bislang seine größte Herausforderung in seinem Leben.

In einem schmerzhaften Prozess stellte er sich seinen Ängsten und den emotionalen Wunden seiner Kindheit. Heute pflegt er zu beiden Frauen von damals eine freundschaftliche und respektvolle Beziehung. Die Bewältigung dieser Krise war für den früheren Eishockey-Profi die Grundlage für seine heutige Berufung. Der 47-Jährige arbeitet erfolgreich als Lebenscoach, berät Menschen in ihren Krisen. Er schrieb das Buch „Dein härtester Gegner bist du selbst“ , das in Deutschland vor knapp zwei Jahren heiß diskutiert wurde.

Heute lebt Andreas Renz mit seiner Partnerin Veronika Volke und den Kindern glücklich in Iznang am Bodensee. Den Weg der Wild Wings verfolgt er noch intensiv: „Eishockey wird immer ein sehr wichtiger Teil meines Lebens sein“, sagt er.

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