Schwenninger Gymnasium
: Radikale Version eines antiken Dramas

Die Theater-AG des Gymnasiums am Deutenberg in Schwenningen zeigt Anfang Juni eine radikale Version des antiken Dramas „Medea“.
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(red/pm)
Oberndorf
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Das ist die Theater-AG des Schwenninger Gymnasiums am Deutenberg.

GaD/Dennis Scheu

Wenn Medea auf die Bühne tritt, bleibt kein Platz für Kompromisse: nicht im antiken Drama des Euripides und erst recht nicht in der neuen Inszenierung der Theater-AG des Gymnasiums am Deutenberg, heißt es in einer Mitteilung der Schule.

Die Schauspielgruppe habe ein ebenso mutiges wie verstörendes Konzept entwickelt: Medea wird von zwei Schauspielerinnen verkörpert, also von zwei Stimmen, zwei Körpern, aber einem inneren Riss.

Die Handlung des Dramas beginnt in der Stadt Korinth, wohin Medea mit ihrem Ehemann Jason geflüchtet ist. Sie hatte einst für ihn alles, ihre Heimat, ihre Familie und sogar ihre gesellschaftliche Stellung, aufgegeben. Doch Jason verlässt sie zugunsten einer neuen Verbindung mit der Tochter des korinthischen Königs. Medea wird so verstoßen, gedemütigt und soll die Stadt verlassen.

Der Verrat

Der Verrat trifft sie nicht nur emotional, sondern existenziell. In ihrer Ohnmacht entschließt sie sich zu einem Akt äußerster Konsequenz: Sie tötet nicht nur die Rivalin und deren Vater, sondern am Ende auch ihre eigenen Kinder – nicht aus Hass auf die Kinder, sondern als ultimative Strafe für Jason und als Weigerung, sich als Opfer darzustellen.

Die Theatergruppe beim Aufbau der Bühne in der Schulaula.

Foto: GaD/Dennis Scheu

Die Inszenierung am Deutenberg denkt diesen den feministischen Impuls des Dramas als Sinnbild weiblicher Selbstbehauptung in einer feindlichen Welt radikal zu Ende: Denn statt die Tat nur psychologisch zu erklären oder moralisch zu verurteilen, stellt die Theater-AG ihn auch als Ausdruck radikalen Widerstands dar, als letzte Handlungsmöglichkeit einer Frau, der jede Stimme und jede Zukunft genommen wurde.

Medea wird so also nicht als kaltblütige Mörderin, sondern als vielschichtige Figur gezeigt: zerrissen, verletzlich, wütend, aber auch mächtig und klarsichtig. Der Bruch durch Medea selbst werde zur zentralen Metapher der Inszenierung, so die Schule.

Doch die Inszenierung geht über das Nacherzählen hinaus: Sie kommentiert. In chorischen Passagen der korinthischen Frauen, in eingespielten Klangflächen und Live-Musik der JazzConnexion, in Monologen, in denen die Figuren das Geschehen aus ihrer Sicht brechen, entstehen neue Perspektiven. Das Publikum wird so Teil eines beinahe immersiven Theatererlebnisses, das nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinnen erfahrbar wird.

Die Aufführungen

Die Aufführungen finden am Dienstag, 3. Juni, und Mittwoch, 4. Juni, jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums am Deutenberg in Schwenningen statt. Der Eintritt ist frei.

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