Rhoff zwischen Liebe und Verbot: Wenn Hunde in Villingen-Schwenningen zum Test müssen

Da durfte American Bully Rhoff noch bei seiner Familie leben. Weil er beim Verhaltenstest durchfiel, ist jetzt alles anders – und kämpft seine Familie für seine Rückkehr.
Maria Kilian- In Villingen-Schwenningen scheiterte American Bully Rhoff am Wesenstest – die Stadt beschlagnahmte ihn.
- Die Familie sieht einen lieben Hund, das Ordnungsamt berichtet von extrem aggressivem Verhalten.
- Ein Wesenstest prüft Gehorsam, Reaktionen auf Lärm, Menschen, Hunde und die Ausrüstung.
- Teil des Ablaufs ist eine kurze tierärztliche Kontrolle – das Chip-Auslesen war hier problematisch.
- Prüfer sind ein Amtstierarzt und ein Polizeibeamter, Kosten im Schwarzwald-Baar-Kreis: 292 Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Maria Kilian und ihre Familie kämpfen um Rhoff. Rhoff ist ein Kampfhund, beschlagnahmt durch die Stadt Villingen-Schwenningen, nachdem Rhoff beim Verhaltenstest durchgefallen war. Über das Aggressionspotenzial des American Bullys streiten sich die Familie und das Ordnungsamt seither.
Maria Kilian sieht in ihm einen absolut lieben Familienhund, der nie aufgefallen sei. Stadt-Sprecher Patrick Ganter hingegen berichtet von einem „übersteigerten, äußerst aggressiven Verhalten, das vom Hundehalter nicht positiv beeinflusst werden konnte“.
Doch wie läuft ein solcher Wesenstest überhaupt ab? Wir haben nachgefragt.
Wer muss zum Verhaltenstest?
Vorgeschrieben ist ein solcher Test in der „Polizeiverordnung des Innenministeriums und des Ministeriums Ländlicher Raum über das Halten gefährlicher Hunde“, die so genannte „Kampfhundeverordnung“. Darin heißt es: Die Eigenschaft als Kampfhund wird aufgrund rassespezifischer Merkmale bei Hunden einiger Rassen und Gruppen sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden vermutet.
Und das gilt, solange nicht der zuständigen Behörde für den jeweiligen Hund nachgewiesen wird, dass dieser keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen und Tieren aufweist. Gestützt wird die Entscheidung darüber auf das Ergebnis einer solchen Verhaltensprüfung. Durchgeführt wird sie von einem Amtstierarzt, einem sachverständigen Beamten des Polizeivollzugsdienstes und gegebenenfalls von einer weiteren sachkundigen Person.
Zu den Rassen zählen auch American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier. Wer einen Kampfhund, der älter als ein halbes Jahr ist, halten möchte, benötigt die Erlaubnis der Ortspolizeibehörde. Und diese darf das nur erlauben, „wenn der Antragsteller ein berechtigtes Interesse an der Haltung nachweist, gegen seine Zuverlässigkeit und Sachkunde keine Bedenken bestehen und Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder Besitz nicht entgegenstehen“.
Warum ist eine solche Prüfung notwendig?
Im Endeffekt dient eine solche Prüfung der Gefahrenabwehr. Das Statistische Bundesamt geht von 35.000 Bissverletzungen durch Hunde pro Jahr aus. Eine Beißstatistik für Baden-Württemberg gibt es nicht. Patrick Ganter, Stadt-Sprecher in Villingen-Schwenningen, betont, eine Verhaltensprüfung für Kampfhunde, auch Wesenstest genannt, diene dazu, festzustellen, ob ein Hund trotz seiner Rassenzugehörigkeit nicht gesteigert aggressiv und gefährlich für Menschen oder Tiere sei.
Umstritten ist der Wesenstest für bestimmte Rassen oder Kreuzungen vor dem Hintergrund, dass einzelne Erhebungen immer wieder zu dem Schluss kamen, dass sich Beißvorfälle nicht auf Kampfhunde beschränken ließen. Andererseits wird gerade diesen eine hohe Beißkraft und aufgrund der auf hohe Kraft ausgelegten Zucht ein höheres Schadensrisiko nachgesagt.
Was wird geprüft?
Geprüft werden laut Stadt-Sprecher Patrick Ganter der Grundgehorsam, die Reaktion auf Reize wie Lärm und fremde Personen, Radfahrer und andere Hunde. Und auch die Ausrüstung wird in Augenschein genommen – Leine, Halsband und Maulkorb zählen beispielsweise dazu.
Wie läuft der Test ab?
Der Hund werde, so Stadt-Sprecher Patrick Ganter, an der Leine durch verschiedene Alltags- und Stresssituationen geführt und sein Verhalten dabei wird akribisch beobachtet. Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar, erläutert, dass es während des Tests zu verschiedenen Begegnungen mit Menschen, Hunden, Fahrzeugen und Gegenständen komme. „Außerdem wird eine kurze tierärztliche Untersuchung inklusive des Ablesens des Mikrochips durchgeführt.“ Der Hund muss sich also anfassen lassen.
Genau der letztgenannte Punkt wurde dem American Bully Rhoff in Villingen-Schwenningen zum Verhängnis. Beim Versuch, den Chip auszulesen, kam es, wie sowohl die Stadt als auch Maria Kilian schildern, zu Problemen.
Wo findet das statt?
Die Prüfungen für die Landkreise Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen finden, so Heike Frank, auf einem Hundeplatz im Schwarzwald-Baar-Kreis statt.
Wer bezahlt's?
Die Hundehalter. Die Kosten für die Prüfung richten sich nach den Gebührenordnungen der jeweiligen Landkreise, erläutert Pressesprecherin Heike Frank. Im Schwarzwald-Baar-Kreis kostet die Verhaltensprüfung aktuell 292 Euro.
Wie viele Prüfungen finden jährlich statt?
In einer Kooperation mit den beiden Nachbarlandkreisen werden vier Verhaltensprüfungen pro Jahr angesetzt. Daran nehmen jeweils etwa zehn Hunde teil, so Pressesprecherin Heike Frank seitens des Landratsamtes. Die Anzahl der Hunde, die diese Prüfung nicht bestehen, sei im Übrigen gering – Zahlen nennt das Landratsamt hierzu nicht.
Und wer entscheidet?
Heike Frank: „Die Entscheidung wird durch die Prüfer gemeinsam getroffen.“ Gemäß der Polizeiverordnung müsse die Prüfung von einem im öffentlichen Dienst beschäftigten Tierarzt und einem sachverständigen Beamten des Polizeivollzugsdienstes durchgeführt werden; eine weitere sachkundige Person könne hinzugezogen werden.
„Die Prüfung ist bestanden, wenn der Hund in allen Situationen kein gesteigertes Aggressionspotenzial beziehungsweise Verhalten zeigt.“ Erst infolgedessen werde der Hund als nicht gefährlich eingestuft und sei die Kampfhundeeigenschaft zu diesem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit widerlegt. Ein Freischein auf ewig ist das aber nicht: Zeigt der Hund später doch ein aggressives Verhalten, könne er trotzdem als Kampfhund eingestuft werden.

