Julia Ehrle aus Villingen im Portrait: So will die 17-jährige zum neunten mal deutsche Meisterin werden

Juli Ehrle aus Villingen liebt das Laufen.
Birgit HeinigUnd sie würde dort gerne zum neunten Mal deutsche Meisterin werden. So oft hat sie nämlich schon bei Berg-, Cross-, Bahn- und Straßenmeisterschaften in den Alterskategorien U18 oder U20 gewonnen.
Außerdem ist Julia Ehrle im vergangenen Jahr Europameisterin im Berglauf, Vize-Europameisterin über 3000 Meter auf der Bahn und Vierte bei den Cross-Europameisterschaften geworden. Nicht nur ihr unglaubliches Talent fällt auf, auch die Disziplin und Konsequenz, die sie für ihr Training aufbringt, vor allem aber die Freude und der Spaß, den sie dabei empfindet.
Julia Ehrle und ihr älterer Bruder Lukas (20), ebenfalls ein begnadeter Läufer, der momentan in den USA studiert – und läuft –, wuchsen in einem sportbegeisterten Elternhaus auf. „Wir haben uns immer viel an der frischen Luft bewegt, sind bis heute oft gemeinsam zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs“, erzählt Julia, die noch zu Hause wohnt. Sie besucht die zwölfte Klasse des Sozialpädagogischen Gymnasiums an der Albert-Schweitzer-Schule in Villingen und macht dort 2026 mit den Leistungsfächern Deutsch und Biologie ihr Abitur. Was danach kommt, das sei noch alles offen, sagt sie.
Schon mit sechs Jahren eiferte Julia ihren joggenden Eltern nach, fand Spaß daran und nahm sogar an ersten kleinen Wettkämpfen teil. Die Denzer-Cup-Serie bot für Kinder 800-Meter-Läufe an, später wurden daraus auch schon mal drei Kilometer. „Ich habe fast alles gewonnen und wollte immer mehr“, erinnert sich die Gymnasiastin lachend. Ihre Eltern ließen sie stets machen und unterstützten, drängten aber nie.
Laufen ist ihre Leidenschaft
Daraus entwickelte sich bei Julia wie bei ihrem Bruder nahezu automatisch eine Leidenschaft, der sie beim Turnverein Villingen nachging, am Training auf dem Hubenloch teilnahm und erste Bahnläufe absolvierte. Auch Weitsprung und Speerwerfen und alle anderen leichtathletischen Disziplinen lernte sie kennen.
Ihre Liebe gehörte aber dem Laufen, und so drehte sie auch außerhalb des offiziellen Trainings die eine und andere Extrarunde. Vor zwei Jahren wechselte Julia Ehrle vom Turnverein zur Laufgruppe „farbtex Nordschwarzwald“, weil sie dort auf gleichgesinnte Läuferinnen und Läufer zum gemeinsamen Langstreckentraining traf. Da das in Schramberg stattfindet, ist sie aus Zeitgründen nicht jedes Mal dabei, erfüllt ihr Pensum von ihrem Zuhause in der Alban-Dold-Straße in Villingen aus aber trotzdem – manchmal auch mit Mama Doris, die sie dann ins Grüne Richtung Volkerstweiler, auf der Straße oder über Stock und Stein begleitet.
Mit Intervalltraining unterstütze sie ihre Spritzigkeit, die sie insbesondere bei Berg- und Crossläufen brauche, plaudert Julia Ehrle aus ihrem Trainingsalltag und begründet so die Tatsache, dass Marathon-Läufe für sie momentan (noch) nicht in Frage kommen. „Kürzer macht mehr Spaß“, grinst sie.
Sie höre immer wieder, dass ihre schlanke, hochgewachsene Figur und ihre langen Beine die optimale Voraussetzung für ihren Sport seien. Sie selbst glaubt aber, dass es vielmehr der Spaß ist, der sie beflügelt und den sie nicht nur beim Laufen, sondern auch beim Workout, Stretching oder Radfahren verspürt. Bis vergangenes Jahr habe sie mit der gleichen Freude auch noch Ballett getanzt, was unter anderem ihrer Fußmuskulatur zuträglich gewesen sei, habe das zu Gunsten der Schule und des Lauftrainings schweren Herzens aber aufgegeben.
Training bei jedem Wetter
Julia Ehrle trainiert bei jedem Wetter. Wenn sie – außen nass und kalt, aber innerlich warm und zufrieden – vom Training ab der eigenen Haustür nach Hause kommt, genießt sie eine heiße Dusche und sei „hinterher stolz, dass ich es geschafft habe“. Dieses gute Gefühl wünscht sie auch anderen jungen Menschen und glaubt, „jeder kann seinen Sport finden“.
Sie selbst träumt natürlich – „wie jeder Leistungssportler“ – von einer Teilnahme an Olympischen Spielen. Für 2025 hat sich Julia Ehrle vorgenommen, ihre persönlichen Zeiten zu verbessern und die Normen für internationale Meisterschaften zu schaffen.
In Hamburg will sie „eine gute Leistung abrufen“ und, obwohl Jüngste in der U20, „mit den Besten mithalten“. Sie weiß, dass sie bei den Deutschen Meisterschaften auf eine starke Konkurrenz trifft. Auf der 5000-Meter-Distanz gehe es nicht nur um Kraft und Ausdauer, sondern auch um Taktik, erklärt sie. „Das Rennen kann sich auf den letzten 400 Metern entscheiden“. Wird sie als deutsche Meisterin heimkehren?