Nächster Weggang aus Schwenningen
: Und wieder sucht die evangelische Kirche einen leitenden Pfarrer

Er kam als Unterstützung für die Geschäftsführung der evangelischen Kirchengemeinde Schwenningen. Jetzt zieht Pfarrer Jonas Keller weg. Und noch eine Pfarrstelle wird erst einmal unbesetzt sein.
Von
Mareike Kratt
Villingen-Schwenningen
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Die evangelische Kirchengemeinde Schwenningen hat ein weiteres Mal mit Vakanzen in Pfarrstellen zu kämpfen. Es fehlt an mehreren Stellen.

Die evangelische Kirchengemeinde Schwenningen hat ein weiteres Mal mit Vakanzen in Pfarrstellen zu kämpfen. Es fehlt an mehreren Stellen.

Mareike Kratt
  • Schwenningen verliert Leitung: Pfarrer Jonas Keller zieht in den Sommerferien nach Heilbronn.
  • Bis Ende Juli führt er noch Verwaltung; danach fehlt eine offizielle Leitung in Schwenningen.
  • Die Stelle wird neu ausgeschrieben, da Kitas ab Januar 2027 nach Trossingen wechseln.
  • Zusätzlich ist Pfarrerin Britta Mann-Hrováth seit Anfang Juli in Elternzeit.
  • Drei Pfarrer kompensieren vorerst, doch ab Ende kommenden Jahres geht Brigitte Güntter in Ruhestand.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wir ziehen in den Sommerferien um“, berichtet Jonas Keller, und in seiner Stimme schwingen Vorfreude und Bedauern gleichermaßen mit.

Denn der 43-jährige Pfarrer weiß, dass er nicht nur in der evangelischen Kirchengemeinde in Schwenningen eine Lücke hinterlassen wird. Seine hauptsächliche Pfarrtätigkeit nämlich lag in den vergangenen fünf Jahren in der Gemeinde Trossingen-Schura – dort, wo sich Keller auch mit seiner Familie niedergelassen hatte, dort, wo er parallel seine Pfarrausbildung absolviert hatte.

Dem Hilferuf aus Schwenningen gefolgt

Dem Hilferuf aus Schwenningen war Keller im vergangenen September gefolgt, wo er in der vakanten Geschäftsführung unterstützend tätig werden durfte, zusätzlich zu seiner eigentlichen Arbeit in Schura. Die Stelle war zunächst auf ein Jahr begrenzt.

Schon seit 2023 nämlich ist man in Schwenningen auf der Suche nach einem geschäftsführenden Pfarrer, nachdem Klaus Gölz auf eigenen Wunsch in den Gemeindebezirk Stadtkirche Nord gewechselt war. Bis zur Unterstützung durch Keller war Gölz dennoch weiterhin im Hintergrund geschäftsführend tätig.

Wechsel nach Heilbronn steht an

Noch bis Ende Juli wird Jonas Keller hier soviel wie möglich verwalten, organisieren und strukturieren, dann steht die Gemeinde wieder ohne offizielle Leitung da. „Wir gehen nach Frankenbach-Neckargartach, Heilbronn hat mich gewählt“, sagt der Pfarrer. Beides sind separate Stadtteile von Heilbronn, wachsen aber städtebaulich immer weiter zusammen.

Keller berichtet, dass er auf der Suche nach einer geschäftsführenden Stelle gewesen sei – die Stellenausschreibung aus Heilbronn sei da wie gerufen gekommen, denn mit Blick auf die Familie und das Alter der Kinder sei jetzt der richtige Zeitpunkt für eine grundlegende Veränderung.

Mit der neuen Heimat schließt sich zudem für die Familie ein Kreis: Hier war Jonas Keller einst als Jugendreferent tätig. „Gut, dass es sich gefügt hat“, findet er.

Jonas Keller, ev. Pfarrer TRO/Schura und geschäftsführender Pfarrer Schwenningen für ein Jahr.

Der evangelische Pfarrer Jonas Keller kehrt sowohl der Schwenninger als der Gemeinde Trossingen-Schura den Rücken und zieht mit seiner Familie Richtung Heilbronn.

Cornelia Hellweg

Wie es jedoch in Schwenningen weitergeht, das könne der scheidende Pfarrer derzeit noch nicht sagen und verweist dabei auf Pfarrer Ulrich Dewitz, der Dekan des neuen Kirchenbezirks Rottweil ist, zu dem seit Anfang 2025 sowohl die Schwenninger als auch die Trossinger Gemeinde gehören. Der Dekan wisse von der grundsätzlich angespannten Situation in der Raumschaft.

Viele Gemeinden sind im Umbruch

Denn nicht nur in Schwenningen beziehungsweise Trossingen fallen Stellen weg, auch etwa in der evangelischen Gemeinde in Aldingen oder Denkingen sind die Pfarrstellen unbesetzt. „Langsam wird es wirklich eng, da braucht es eine gute Lösung“, betont Keller.

Überhaupt befinden sich die evangelischen Gemeinden in Sachen Strukturreform in einer gewaltigen Umbruchsituation. Für Schwenningen etwa bedeutet dies auch, dass die Gemeinde ab Januar 2027 die Verwaltung der Kindergärten nach Trossingen abgibt.

Pfarrstelle wird neu ausgeschrieben

Durch den Wegfall der Kindergärten ändert sich aber auch die Ausschreibung für die geschäftsführende Pfarrstelle. Im Kirchengemeinderat habe man eine entsprechende Ausschreibung mit attraktiverem Profil auf den Weg gebracht. Was formuliert worden sei, mache wirklich Lust, findet der Pfarrer, schließlich steckten Ehrenamtliche dahinter, die etwas bewegen wollen. So hofft er, dass die Stelle im Herbst offiziell wieder ausgeschrieben werden könne.

Überhaupt habe er das Schwenninger Gremium als „sehr aktiv“ erlebt, das sich auch von derartigen Herausforderungen nicht habe lähmen lassen. „Ich bin von Anfang an begeistert gewesen und war sehr, sehr gerne in Schwenningen“, betont der Familienvater, dass ihm der Weggang schwerfällt.

Pfarrerin ist ab sofort in Elternzeit

Doch die Geschäftsführer-Stelle wird in Schwenningen nicht als einzige vakant sein: Bereits Anfang Juli ist Britta Mann-Horváth, Pfarrerin des Gemeindebezirks West, in Elternzeit gegangen. Voraussichtlich bis Sommer 2027 wird diese Stelle also unbesetzt sein und durch die drei verbleibenden Schwenninger Pfarrer, Klaus Gölz, Brigitte Güntter und Simon Ziegerer kompensiert werden.

Und auch die Zukunftsaussichten sind nicht unbedingt rosig. Ende kommenden Jahres wird etwa Pauluskirchen-Pfarrerin Brigitte Güntter in den Ruhestand gehen – unabhängig davon, ob die geschäftsführende Pfarrstelle bis dahin wiederbesetzt ist oder nicht.

Das Grundproblem der Wiederbesetzung

Derzeit sei es grundsätzlich schwierig, Pfarrstellen wiederzubesetzen, sagt Jonas Keller. „Viele Pfarrer gehen in den Ruhestand und es kommt nichts von unten nach“, beschreibt er das allgemeine  Phänomen. Und im Falle von Schwenningen komme noch ein Problem dazu: die Lage am Rande der Landeskirche, die die Stelle nicht unbedingt attraktiver mache.

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