Nach tödlichem Unfall in Konstanz
: Wie sicher ist der Schwimmunterricht an den Grundschulen in VS?

Ein Schüler kommt beim Schwimmunterricht in Konstanz ums Leben. Wie reagieren die Grundschulen in VS bei ihrem Schwimmunterricht auf das Unglück und das Gerichtsurteil?
Von
Mareike Kratt
Oberndorf
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Nicht wenige Schüler können noch nicht schwimmen, wenn sie am Schwimmunterricht in der dritten und vierten Grundschulklasse teilnehmen.

© Monkey Business – stock.adobe.com

Im September 2023 ist das Szenario eingetreten, was Lehrer, Eltern und Schüler wohl am meisten fürchten: In einem Konstanzer Schwimmbad ist ein siebenjähriger Junge während des Schwimmunterrichts ertrunken. Die zuständigenden Lehrerinnen sind im Februar dieses Jahres wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden.

Tod und Gerichtsurteil haben im ganzen Land für Verunsicherung und Diskussion gesorgt – auch an den hiesigen Grundschulen, an denen der Schwimmunterricht in der dritten beziehungsweise vierten Klasse vorgesehen ist.

An der Südstadtschule findet der Schwimmunterricht immer donnerstags im Villinger Hallenbad für die jeweiligen Viertklässler statt, berichtet Schulleiter Elmar Dressel auf Anfrage unserer Redaktion. Dabei sind fünf Schwimmlehrkräfte zusammen mit einem FSJ-ler stets für rund 50 Kinder verantwortlich.

Immer noch gutes Gefühl

Bedenken vonseiten der Eltern seien infolge des Unfalls bisher nicht geäußert worden. „Es sind Jahr für Jahr dieselben (routinierten) Schwimmlehrkräfte, die den Schwimmunterricht absolvieren, die Abläufe sind ritualisiert und eingeschliffen, das verleiht den Lehrkräften, den Schülern und Schülerinnen und auch den Eltern das notwendige Sicherheitsgefühl“, sagt der Schulleiter.

So sei das Schwimmunglück in Konstanz zwar Thema, aber auch kein Grund, in Panik zu verfallen, findet Dressel. Dennoch: Es wurde an der Südstadtschule als Anlass genommen, nochmals in die Fort- und Weiterbildung der fünf Schwimmlehrkräfte zu investieren. Turnusmäßig finden jedes Jahr Fortbildungen im Hallenbad statt.

„Fähigkeit lässt nach“

Elmar Dressel findet es unerlässlich, Schwimmunterricht zu erteilen. Denn: „Wir bemerken an der Schule, dass die Schwimmfähigkeit der Kinder nachlässt“, sagt er. Man bedauere es, dass an vielen Schulen – aus durchaus nachvollziehbaren räumlichen und personellen Gründen – kein Schwimmunterricht mehr erteilt wird.

Invest in Fortbildung

Auch an der Villinger Goldenbühlschule hat man als den tödlichen Unfall als Anlass für die Schwimmlehrer genommen, geschlossen an einer Fortbildung zum Thema Sicherheit im Schwimmunterricht teilzunehmen, berichtet Rektorin Stephanie Schick.

Grundsätzlich begleiten immer zwei Lehrkräfte eine Schwimmgruppe, damit die Möglichkeit bestehe, dass sich ein Kollege um die Schwimmer, einer um die Nichtschwimmer kümmern kann.

Beide würden vor Beginn des Schwimmunterrichts stets bekannt geben, ob sie sich rettungsfähig fühlen. Sollte das nicht der Fall sein, finde der Schwimmunterricht nicht statt, sondern werde durch einen Theorieblock ersetzt, erklärt die Schulleiterin.

Bei großen Klassen würden die Schülerinnen und Schüler von ausreichend Personal begleitet, also pro Schwimmgruppe von zwei Personen. Sorgen und Bedenken von Elternseite sind dazu bislang nicht geäußert worden.

Auch Eltern verunsichert

Für Verunsicherung hat das Konstanzer Unglück vor allem bei den Schwimmlehrkräften an der Schwenninger Gartenschule gesorgt. „Sie baten um Unterstützung im Schwimmunterricht“, erzählt Schulleiterin Katya Cankovski. Und auch von Elternseite sei das Thema in einer Elternbeiratssitzung angesprochen worden, in der mit Unterstützung des Elternbeirats nach Lösungen gesucht worden ist.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass an der rund 500 Schüler zählenden Schule konkrete Maßnahmen ergriffen wurden – und zwar mit „Schwimm-Fidel“ – ein Förderprogramm des Kultusministeriums Baden-Württemberg, das die Schwimmfähigkeit von Kindern durch Kooperationen zwischen Schulen und Schwimmvereinen oder den DLRG verbessern soll.

Kooperation mit SSC

Für diese Kooperation konnte die Gartenschule den hiesigen Schwimm- und Skiclub (SSC) Schwenningen engagieren, wie Katya Cankovski berichtet. Schon immer sei der Schwimmunterricht so organisiert gewesen, dass eine studierte und ausgebildete Schwimmlehrkraft von einer Lehrkraft, die als Schwimmbegleitung fungiert, begleitet wird. Beide hätten die Rettungsfähigkeit und einen aktuellen Rettungsschwimmer.

Zusätzlich werde auch an der Gartenschule ein FSJ-ler den Schwimmunterricht begleiten und dann – ganz neu ab dem kommenden Schuljahr 2025/26 – in den meisten Schwimmstunden eine dritte Schwimmlehrkraft, die vom SSC Schwenningen gestellt wird.

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