Nach Fleisch-Skandal: Darum hat die Metzgerei im Taiba Markt in Schwenningen wieder auf

Inhaber Razak Issa ist froh, dass die Metzgerei in seinem Schwenninger Taiba Markt wieder offen ist.
Mareike KrattIm Taiba Markt an der Alten Herdstraße ist an diesem Morgen noch nicht viel los. Ein Mitarbeiter wischt fleißig den Boden, während Inhaber Razak Issa hinter der Theke der Metzgerei im hinteren Bereich des kleinen orientalischen Supermarkts steht und das frisch gelieferte Fleisch einsortiert. „Seit vergangenem Wochenende hat die Metzgerei wieder offen“, freut sich der gebürtige Syrer, der seit einem Jahr das Geschäft in Schwenningen betreibt.
An der Bedientheke gibt es Fleisch in verschiedenen Variationen: Hähnchenkeulen, Lamm- und Rindkugeln und Lamm. Lammfleisch war es auch, das die Lebensmittelkontrolleure im Zuge einer Kontrolle des Kreisamts für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung Ende April in der Theke gefunden hatten – verdorben, neun Tage über dem Haltbarkeitsdatum. Eine Untersuchung durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg hatte die Vor-Ort-Beurteilung bestätigt und Anfang Juni zur Veröffentlichung geführt.
Einfach vergessen
Diese Veröffentlichung habe dem Geschäft nicht gut getan, betont Razak Issa. Er bedauert, dass es zu diesem – einmaligen – Vorfall gekommen ist. Der Grund: Er habe schlichtweg vergessen, das Fleisch aus der Theke zu entfernen und zu entsorgen. Normalweise gehe es in seinem Supermarkt immer ordentlich und sauber zu.
„Ich habe nichts zu verbergen“, sagt der Syrer und führt im Laden umher. Er zeigt nicht nur auf die Haltbarkeitsdaten des aktuellen Fleischbestands, die auf die Schaufenster der Bedientheke geklebt sind, sondern auch das Kühllager inklusive Aufschnittmaschine und Spülbecken. „Ich bin ein guter Metzger“, betont er. Ein Abluftrohr führt aus der Metzgerei hinaus, zudem läuft ein Ventilator auf Hochtouren.
Und der Gestank?
Noch in der vergangenen Woche hatte der Geschäftsmann als Grund für die vorübergehende Schließung der Metzgerei die Müllsituation im Hinterhof des Mehrfamilienhauses, in dessen Erdgeschoss der Taiba Markt ist, genannt: Dort seien die Mülleimer mit Babywindeln überfüllt gewesen und hätten zu derart unangenehmem Geruch geführt, dass ein Öffnen der Fenster der Metzgerei beziehungsweise des Kühlraums nicht möglich sei.

Der Taiba Markt an der Schwenninger Alten Herdstraße ist im Visier der Lebensmittelkontrolleure gewesen.
Foto: Mareike KrattAm Samstag, bericht Razak Issa nun, habe er die Windeln eigenhändig in zusätzliche Müllbeutel verpackt, um den Geruch einzudämmen und die Metzgerei wieder öffnen zu können. Der zuständige Hausmeister habe sich inzwischen für die Vorkommnisse entschuldigt.
Neue Mülleimer?
Während des Besuchs unserer Redaktion kommen – wie es der Geschäftsmann in der vergangenen Woche vereinbart hatte – zwei Mitarbeiter des Kreisamts für Abfallwirtschaft, um sich die Müllsituation im Hinterhof anzuschauen. Razak Issa ist anschließend zuversichtlich, dass das Haus schnell zusätzliche Abfallbehälter bekommt.
Die Sache mit dem Preis
Sein Geschäft liegt dem fünffachen Familienvater am Herzen, auch wenn es nicht immer einfach zugehe. Zuvor hatte er einen ähnlichen Supermarkt in Schramberg und habe sich dann für einen Standortwechsel entschieden, weil er in der Doppelstadt größeres Potenzial gesehen hatte.
Doch dies führe immer wieder Probleme mit sich, erzählt der Inhaber und verweist ein weiteres Mal auf die Konkurrenzsituation der internationalen Supermärkte in Schwenningen untereinander – gerade in Sachen Preisgestaltung des Fleisches.
Großes Hoffen
So hofft Razak Issa, dass sich die Wogen rund um den Taiba Markt von nun an wieder glätten werden – und die Kunden, egal ob aus der Türkei, Syrien oder Deutschland, wieder vermehrt bei ihm einkaufen werden.