Musikverein Brigachtal
: Skurriles Stück spielt in Beckhofen

Der legendäre Theaterabend des Musikvereins Brigachtal spielte am Sonntag im „berühmten Weiler Beckhofen“. Man wollte den „dreieinhalb Häusern plus Kapelle“ auch mal etwas gönnen.
Von
Hella Schimkat
Oberndorf
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Auf der Bühne an der Bushaltestelle stehen unter anderem (von links) Theaterautor Peter (Volker Hirt), Max (Tobias Roth), Lea (Kathrin Ehler) und Sophie (Nadine Götz).

Hella Schimkat

Das heißt, eigentlich handelte es sich ja um die Probe, sogar Vorprobe des Dreiakters „Unser bestes Stück“, denn die Rollen waren noch nicht vergeben. Dementsprechend turbulent ging der Kampf um die beste Rolle auf der Bühne zu.

Früher hatte Beckhofen den berühmten, berüchtigten Spiegelsaal mit lustvollen Besuchern, Hochwasser und einer Brücke.

Das Hochwasser und die Brücke gibt es immer noch. Statt des Spiegelsaals ist dort jedoch eine einsame Bushaltestelle, zudem viel Wald, Natur, Berge irgendwo in der Ferne und ein großer Schrank, der von der Bühne weg- und wieder auf die Bühne und wieder von der Bühne weggeschoben wurde, er war die einzige Konstante.

Theaterautor steigt in Beckhofen ab

Die Laientheatergruppe Beckhofen wollte mal ein Stück aufführen, das nicht wieder in der Wohnstube spielte. Glücksfall – oder auch nicht – war Theaterautor Peter O. Sinkewitz, der in Beckhofen abgestiegen war und sich bereit erklärt hatte, für die Truppe ein Stück zu schreiben.

Die Schauspieler wussten nicht, welche Rolle auf sie zukommen würde, Laienschauspielregisseur Volker hatte da schon so einige Ideen und verteilte mal flott die Rollen: Sophie, die Erfahrene, die pausenlos alle Rollen, die sie im sonnigen Brigachtal gespielt hatte, aufzählte, traf es hart: „Du wirst vom Bus überfahren“, verkündete der Regisseur.

„Was? Am Ende? Ächzte sie. „Nein, am Anfang“, nahm er ihr jede Illusion. Aus welcher Richtung der Bus kommen würde, sofern er überhaupt kommen würde, war ihm noch nicht klar.

Gemeindearbeiterin Lea schob den ungeliebten Schrank vor und zurück, die Bankangestellte Biggi verdrehte dem liebestollen Peter Sinkewitz den Kopf, der sie dauernd in eine Ecke oder in den Schrank zog.

Biggis Verlobter Max wetzte die Messer, vielmehr ölte er den Vorderlader, Laienschauspielerin Johanna gab die passenden Bemerkungen von sich.

Zuschauer müssen sich konzentrieren

Die Zuschauer in der Arenberghalle mussten sich schon konzentrieren, wenn sie mitkommen wollten, kamen doch noch nicht mal die Schauspieler mit.

Auch der Vorhang, der war männlich, machte quer und schloss oder öffnete sich in den unpassendsten Momenten.

Ein großer Gymnastikball mähte Sophie um, es war nicht der Bus und nicht der Gärtner, sondern der Ball des Schultes Schmitt, der sich aus dem Büro über Mikrofon entschuldigte.

Ein ungleiches Pärchen

Das ungleiche Pärchen wurde im, vor und hinter dem Schrank leicht bekleidet erwischt und irgendwann war der Regisseur fertig und verkündete: „Morgen beginnen die Proben“.

Es spielten mit viel Witz und Können: Biggi: Annika Vogel. Sophie: Nadine Götz. Max: Tobias Roth. Johanna: Helga Schuhmann. Regisseur Volker: Andreas Völker. Theaterautor Peter Sinkewitz: Volker Hirt. Gemeindearbeiterin Lea: Kathrin Ehlert. Souffleuse: Elisabeth Götz. Maske: Liane Meßmer. Technik: Christoph Obergfell. Regie: Volker Hirt. Organisation: Annika Vogel. Es bewirtete der Musikverein Brigachtal. Die Ansage hatte Anja Petzold übernommen.

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