Jubiläum in Trossingen: Friedensschule – eine Erfolgsgeschichte

Der Chor der Friedensschule begeistert bei der Begrüßung mit einem Lied.
Foto: Ingrid Kohler/„Gesund, fröhlich, fit, alle machen mit – wir sind die Friedensschüler“, erklang der Friedensschul-Song zum Auftakt des anderthalbstündigen Festaktes im Konzerthaus aus Dutzenden von kleinen Kehlen der Friedensschüler unter der Leitung von Musiklehrerin Ilona Braun.
Mit mystischen Klängen wurden die Gäste von Schülern verzaubert, die im Rahmen der vorangegangenen Projektwoche das Sportprojekt „Band und Seil“ eingeübt hatten. Goethes Zauberlehrling in Wort, Ton und szenischer Darstellung präsentierten die Klassen 2a, 3c und 4c.
„100 Jahre – was für ein Jubiläum“, betonte Schulleiterin Sandra Heizmann. Sie nahm die Gäste mit Bildern auf eine kurze Zeitreise der letzten hundert Jahres der Friedensschule Trossingen. „Es war ein herausragendes Ereignis und Projekt für das Dorf Trossingen in Zeiten der Wirtschaftskrise“, betonte Heizmann.
Rückblick auf 1924
Vier Schüler zeigten auf der Bühne die vier Seiten, die damals in der Tageszeitung darüber berichtet wurden. „Und als Besonderheit erhielt jedes Schulkind ein Geschenk passend zur Trossingen, nämlich eine Mundharmonika.“ Heute könne man sagen, dass sich die Anstrengungen der Leute damals gelohnt haben „wie viele persönliche Erinnerungen mit dem Gebäude verbunden sind, können wir nur erahnen“.
Damals Visionär
Schulrätin Annika Leitz vom Staatlichen Schulamt Konstanz sagte, die damaligen Visionäre hätten den Grundstein für eine Institution gelegt, die bis heute für die Stadt Trossingen stehe. Mit der Digitalisierung und der Künstliche Intelligenz werden weitere neue Chancen und Herausforderungen auf uns zukommen. Sicher sei auch „die Schule muss sich der Herausforderung stellen“. Das Wissen und die Werte werden bei der Friedensschule weiterhin im Fokus stehen „die Schüler sind das Herzstück der Friedensschule“.

Rektorin Sandra Heizmann freut sich über die Abordnung der Partnerschule in Uganda, die ein Geschenk überreicht.
Foto: Ingrid Kohler„Wenn die Wände der Friedensschule sprechen könnten, hätten sie viel zu erzählen“, meinte Bürgermeisterin Susanne Irion. Die Schule sei mitten in der Hyperinflation gebaut worden mit hohen Standards wie Turnhalle und WC und mit den Worten an den Portalen habe man den Schülern eine unbeschwerte Kindheit gewünscht, denn „der Zugang zur Bildung darf nicht vom sozialen Stand der Eltern abhängig sein“, betonte die Bürgermeisterin.
Damals neue Maßstäbe
Die Friedensschule habe neue Maßstäbe gesetzt und sei am Ende doppelt so teuer geworden, wie geplant „das kommt mir doch irgendwie bekannt vor“, schmunzelte sie und fügte an „nicht alle Schulden wurden damals abgetragen, der Rest erledigte die Inflation“. Doch jeder Euro, der in die Bildung fließe, lohne sich, betonte sie mit Blick auf die aktuellen Sanierungsarbeiten an der Friedensschule mit dem Aufzug, der Toilettenanlage und des Schulhofes.
Stadtarchivar blickt zurück
In seiner Festrede ging Stadtarchivar Martin Häffner bereits auf die Vorgeschichte der Friedensschule und die Bauphase ein. Die Einweihung am 1. November 1924 sei in die „Goldenen Zwanziger“ gefallen. Ein solch hochmodernes Gebäude konnte nur entstehen aufgrund der blühenden Harmonikaindustrie, der Firma Hohner und „einem cleveren Schultheiß Namens Haller“, dem die von Hohner angebotenen 40 000 US Dollar als Kaufsumme für das ehemalige Schulhaus auf der Löhr, das den Anforderungen nicht mehr entsprach, entschieden zu wenig war.
Die dann erzielten 80 000 Dollar seien die Grundlage für die tatsächlich mehr als 200 000 Dollar hohen Baukosten gewesen. So habe Schultheiß Haller bei der Einweihung einen Appell an die Schüler gerichtet „ihr müsste euch klar sein, dass ihr Bürger einer Stadt seid mit weltweiter Bedeutung“.
Interview mit Ehemaligen
Im Interview entlockte Rektorin Sandra Heizmann den ehemaligen Rektoren Heinz Reichle und Lotte Lehman so manch lebendigen und authentischen Rückblick aus früheren Jahren. Er habe 40 glückliche Jahre an der Friedensschule gehabt, davon von 1988 bis 2004 als Rektor, so Heinz Reichle, der schon in der ersten und zweiten Klasse die heutige Rektorin unterrichtete. Eine Herausforderung für Lotte Lehmann sei die Statistik gewesen „alles musste online gemacht werden“.
Aufregende Erlebnisse
Ihr aufregendstes Erlebnis war im Jahr 2006 der Hagelschlag. Als es bei der Firma Efka einmal gebrannt habe, sei auch in der Friedensschule der Alarm losgegangen, erinnerte sich Heinz Reichle. Ein Zweitklässler habe sich schuldig bekannt. Er habe verhindern wollen, dass seine Mama, die bei Efka gearbeitet habe, verbrenne und habe deshalb die Feuerwehr alarmiert.