Johanneskirche in Bad Dürrheim
: Klettergarten im Zeichen des Glaubens

Bad Dürrheims Johanneskirche verändert für vier Wochen ihr Inneres grundlegend: Auf einem Gerüst können sich alle in die Höhe wagen.
Von
Jörg-Dieter Klatt
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Nathanael Bürk zeigte im Gottesdienst, wie der Klettergarten funktioniert. Elias Rempp und Antonia Jäger sicherten ihn.

Jörg-Dieter Klatt

Während landauf, landab Klettergärten sich großer Beliebtheit erfreuen, können nun Kletterwillige für vier Wochen auch in Bad Dürrheims Johanneskirche diesem Sport nachgehen.

Doch stellt sich die Frage: Was soll der acht mal acht mal acht Meter große Kletterkubus inmitten des Kirchenschiffs bezwecken? Antwort fanden die Kirchenbesucher am vergangenen Sonntag beim Eröffnungsgottesdienst der Kletterkirche.

Der Jugendreferent der Badischen Landeskirche hat das Konzept der Kletterkirche als besondere Verkündigungsform entwickelt, und seit einigen Jahren kann der Indoor-Klettergarten für Kirchengebäude angemietet werden. Bad Dürrheims Pfarrer Bernhard Jaeckel sah für das architektonisch interessante Kirchenschiff der Johanneskirche eine gute Möglichkeit, den 512 Kubikmeter umfassenden Kletterkubus aufbauen zu lassen.

Zusammen mit seinem Oberbaldinger Pfarrerkollegen Jonathan Richter gestaltete Pfarrer Jaeckel den Eröffnungsgottesdienst, den das Musikteam unter der Leitung von Reiner Obermeyer mit zeitgenössischen Lobpreisliedern abwechslungsreich gestalteten. Einstieg war ein Musikvideo der Gruppe Silbermond, das mit zum Teil verstörenden Bildern und dem Song „Irgendwas bleibt“ den Finger auf die Wunden der Gegenwart legt. Zur Sprache kam, wo die von allen so begehrte Sicherheit im Leben bleibt.

Besucher folgen dicht gedrängt dem Gottesdienst in anderer Form

Auf den im Kirchenschiff verbliebenen Bänken verfolgten zahlreiche Kirchenbesucher dicht gedrängt diesen Gottesdienst in anderer Form. Eingangs stellte Pfarrer Jaeckel die themenbezogene Frage: „Ist meine Zeit in diesen unsicheren Zeiten sicher?“

Mit einem im Stile einer Werbeunterbrechung vorgetragenen Sketch brachte Maike Graf den Versicherungswahn der Gesellschaft auf den Punkt. Für zwölf Euro im Jahr kann man sich gegen den Schrecken eines steckengebliebenen Aufzugs versichern lassen. Pro Vorfall werden dann 75 Euro ausbezahlt. Vielsagendes Schmunzeln der Zuhörern war ihr sicher.

Thema veranschaulicht

Um den Fokus auf den Klettergarten zu lenken, verstanden es Pfarrer Jaeckel und sein Sohn Benedikt, das Thema zu veranschaulichen. Dieser hatte sich nämlich unvermittelt an einer Strickleiter auf den Weg in die Höhe gemacht. „Ohne Sicherungsseil gehst Du da nicht hoch!“, rief der besorgte Vater.

In seiner Predigt griff Pfarrer Richter das Thema Sicherheit noch einmal tiefgreifend auf. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir diesen Gottesdienst einigermaßen sicher überstehen, ist relativ groß!“, so der Geistliche in einem ersten Statement. Eine lange Liste von Unsicherheitsfaktoren, welche die Menschen gegenwärtig beschäftigen, seien es Kriege, Umweltfragen oder politische Unwägbarkeiten, mündeten in der Frage „Ist Sicherheit gut?“.

Viele wiegen sich in einer falschen Sicherheit

Das unmissverständliche Ja auf diese Frage sei des Menschen Grundbedürfnis, so Pfarrer Richter. Aber Gott setze dem Menschen Grenzen, die er nicht überschreiten dürfe. Die meisten bewegen sich in der Komfortzone, aus welcher heraus sie sich in Medien Themen der Unsicherheit wie Krimis oder Unfallberichte anschauen. Auch wiegen sich viele in einer falschen Sicherheit, verrennen sich in Wohlstand und egozentrischen Verhaltensweisen.

Doch welche Botschaft vermittelt nun die Kletterkirche? Sie zeigt auf, dass das Verlassen der Komfortzone, den Mut, die Lern- oder Wachstumszone zu erreichen, nicht allein zu schaffen ist. Es bedarf der Hilfe. Genau wie beim Hochseilklettern das Sicherungsseil zur Sicherungsmannschaft führt, so bedarf es den Glauben an Gott als uneingeschränkte Sicherheit. „Sicherheit ist nicht die Abwesenheit von Gefahren, sondern Gottes Anwesenheit in allen Gefahren“, so Pfarrer Richter.

Bad Dürrheims Bürgermeister Jonathan Berggötz zeigte sich ob der Kletterkirche ebenso begeistert wie die zahlreichen Kirchenbesucher, die sich durchweg positiv über diese neue Art der Glaubensvermittlung äußerten: „Diese Idee ist einfach genial!“, so ein Kirchenbesucher gegenüber unserer Redaktion. Wie von den Veranstaltern zu hören war, haben sich schon viele Gruppen und Privatpersonen für das Event in der Kletterkirche angemeldet.

Anmeldungen möglich

Ab sofort stehen täglich drei Zeitfenster zur Verfügung: 8 bis 12 Uhr, 14.30 bis 18 Uhr und 18.30 bis 22 Uhr. Anmeldungen sind über das evangelische Pfarramt bei Andrea Held, Telefon 07726/84 68 oder E-Mail kletterkirche.badduerrheim@kbz.ekiba.de möglich. Pro Person werden fünf Euro Kostenbeitrag erhoben. Anleitung, Ausrüstung sowie Getränke werden gestellt.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.