Investitionen in Bad Dürrheim: Zwei Millionen Euro für das Abwasser

Tiefbauingenieur Joachim Petelka ist beim Stadtbauamt für die Baumaßnahme verantwortlich. Der Wall, auf dem er steht, trennt den Reisemobilhafen von dem Retentionsbodenfilterbecken, das an der Einfahrt Süd derzeit entsteht.
Stadt Bad DürrheimEineinhalb Meter tief gräbt die Planierraupe derzeit auf einem Wiesengrundstück, was später kaum auffallen wird. Nach Worten von Tiefbauingenieur Joachim Petelka ist es dennoch „ein Herzstück der Bad Dürrheimer Abwasserbeseitigung“.
Für das neue Retentionsbodenfilterbecken stehen im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung rund zwei Millionen Euro bereit, inklusive Nebenkosten und Ingenieurhonoraren. Zum Projekt gehören auch mehrere unterirdische Bauwerke.
Das Versickerungsbecken wird zudem die Abwassersituation in der Innenstadt entlasten. Das Retentionsbodenfilterbecken erstreckt sich vom Gelände der Busfirma Luschin bis zur Noteinfahrt in den Kurpark Süd. Über eine eigens angelegte Baustraße wird derzeit der teils torfige Untergrund ausgehoben. Anschließend folgt eine dichte Folie, darauf Drainagerohre sowie eine rund eineinhalb Meter starke Sand- und Kiesschicht, die mit Schilf, Binsen und anderen Feuchtpflanzen bepflanzt wird.
Die Bepflanzung stabilisiert die Funktionsfähigkeit des Filterkörpers und bietet oberflächennahen Bakterien einen Lebensraum, welche das eingeleitete Abwasser reinigen können. Ein ähnlicher Schilfgürtel befindet sich bereits an der Stillen Musel oberhalb des Feuerwehrgerätehauses. Gespeist wird das Filterbecken vom Regenüberlaufbecken (RÜB) Luschin auf dem Gelände des Reisemobilhafens. Lediglich die Gitterschächte weisen auf dessen Größe hin.
Volumen eines Einfamilienhauses
„Das Volumen des RÜB entspricht dem eines Einfamilienhauses“, so Petelka. Neben dem RÜB Luschin verläuft der Hauptabwasserkanal, der die häuslichen und gewerblichen Abwässer Bad Dürrheims zur Verbandskläranlage nach Donaueschingen führt.
Bei Starkregen steigt die Abwassermenge deutlich an, da auch Niederschlagswasser in das System gelangt. Der Durchmesser dieses Mischwasserkanals beträgt im Mittel zwischen 60 und 70 Zentimeter. Da die Kapazität des Hauptabwasserkanals begrenzt ist, wird bei Starkregen ein Teil des Abwassers im RÜB Luschin zwischengespeichert.
Empfehlung des Landratsamts
Das Regenüberlaufbecken kann allerdings nur eine begrenzte Menge aufnehmen, maximal 850 Kubikmeter. Steigt der Wasserspiegel auf rund fünf Meter an, läuft das verdünnte Abwasser über eine Schwelle in die Stille Musel ab. Ein technisch üblicher, aber ökologisch nicht optimaler Vorgang.
Im Zuge der 2020 beantragten neuen Betriebserlaubnis für die Kanalisation des städtischen Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung Bad Dürrheim empfahl das Landratsamt eine weitergehende Behandlung dieses entlasteten Abwassers, so die Mitteilung der Stadt Bad Dürrheim. Daher wird nach den Plänen des Fachbüros BIT Ingenieure AG das entlastete Abwasser des RÜB Luschin zukünftig über einen neuen Entlastungsschacht in das Retentionsbodenfilterbecken umgeleitet. Dort kann es versickern und durch den Sandkörper gereinigt werden, bevor es über ein Drainagesystem und einen Drosselschacht kontrolliert in die Stille Musel gelangt.

Das neue Retentionsbodenfilterbecken soll einige Mal im Jahr mit Regenwasser stark verdünntes Abwasser aufnehmen, wie in einer Schilfkläranlage reinigen und in die Stille Musel abführen.
Foto: Stadt Bad DürrheimIm Zuge des Neubaus des Retentionsbodenfilterbeckens wird in den bestehenden Überlaufschacht des RÜB Luschin ergänzend ein Feinrechen eingebaut, sowie ein kleines Technikgebäude errichtet.
Vier bis fünf Mal pro Jahr
Derzeit treten am RÜB Luschin vier bis fünf Abschläge pro Jahr auf, künftig wird sich das Filterbecken entsprechend häufiger füllen. Auch das kleinere RÜB unter dem Adlerplatz entlastet bislang acht bis zehn Mal jährlich direkt in die Stille Musel. Mit Inbetriebnahme des neuen Filterbeckens kann dort die Durchflussmenge erhöht und mehr Abwasser in Richtung RÜB Luschin abgeführt werden. Dadurch werden Abschläge vom Adlerplatz deutlich seltener nötig und die Wasserqualität der Stillen Musel nachhaltig verbessert. Die Abwasseranlagen können zentral von der Kläranlage in Unterbaldingen aus überwacht und gesteuert werden.
Bereits im Januar und Februar hatten Mitarbeiter der Firma Wildigarten die Bäume am Fuß des Walls zwischen Reisemobilhafen und Salinenstraße ausgehoben und auf der Dammkrone neu eingepflanzt.
Die Tiefbauarbeiten werden von der Firma Behringer aus Hüfingen ausgeführt. Die Verfahrens- und Prozesstechnik liefert und montiert die Firma Stetter aus Nagold und für die elektrotechnische Ausrüstung sorgt die Firma Andreas Rapp aus Albstadt. Derzeit werden für die drei Bauwerke Bodengutachten ausgewertet, da der Untergrund teilweise instabil und moorig ist und gegebenenfalls eine zusätzliche Gründung erforderlich macht.