Invasiv im Schwarzwald-Baar-Kreis: Die goldene Gefahr – wie die Kanadische Goldrute unsere Natur verdrängt

Durch ihre markanten und leuchtend gelbe Blüten fällt die Kanadische Goldrute auf.
Landschaftserhaltungsverband Schwarzwald-Baar-Kreis e.V. (LEV)Die Kanadische Goldrute ist ein invasiver Neophyt nordamerikanischer Herkunft. Ein Neophyt ist eine Pflanze, die in ein Gebiet eingeführt wurde, in der sie natürlicherweise nicht vorkam. Die Kanadische Goldrute gilt europaweit als invasive Art, da sie heimische Pflanzen verdrängt, und steht auf der schwarzen Liste. Der Landschaftserhaltungsverband Schwarzwald-Baar-Kreis (LEV) informiert über Ausbreitung, Vorkommen und Bekämpfung.
Mittlerweile hat sich die Kanadische Goldrute auch im Schwarzwald-Baar-Kreis verbreitet. Die Pflanze kann bis zu 2,50 Meter groß werden und ist eine ausdauernde Staude mit aufrechten, kurz behaarten Stängeln und lanzettlichen (zugespitzten) Blättern.
Nach Angaben des LEV wächst die Kanadische Goldrute vor allem auf Brachen sowie an naturnahen Standorten. Sie ist eine licht- und wärmebedürftige Pflanze, die besonders gut auf offenen Flächen gedeiht.
Sie gilt als sehr ausbreitungsstark, da sie dichte Bestände bildet und durch starke unterirdische Ausläufer und Samen einheimische Pflanzen verdrängt. Typisch für die Kanadische Goldrute ist ihre späte Blütezeit von Ende Juli bis etwa Oktober. In dieser Zeit bilden sich auffällige gelbe Blütenstände, die oft ganze Flächen dominieren.
Rasante Fortpflanzung und Verbreitung
Die Kanadische Goldrute kann sich auf zwei verschiedene Arten fortpflanzen. Zum einem kann sie sich generativ über Samen verbreiten. Die Pflanze produziert zahlreiche, sehr leichte Samen, die durch den Wind über weite Strecken transportiert werden können. Aber sie kann sich auch vegetativ über Wurzelteile und unterirdische Sprosse ausbreiten. Diese gelangen beispielsweise durch fließendes Wasser oder durch entsorgte Gartenabfälle an neue Standorte, wo sie erneut austreiben.
Was kann gegen die Ausbreitung getan werden?
Der LEV empfiehlt verschiedene Maßnahmen, um die Ausbreitung der Kanadischen Goldrute einzudämmen. Das Ausgraben einzelner Pflanzen ist eine Methode, dabei muss beachtet werden, dass alle Wurzelteile mitentfernt werden. Auch das wiederholte Ausreißen per Hand ist eine Möglichkeit. Effektiv ist dieses Vorgehen bei feuchter Witterung kurz vor der Blüte, da sich die Wurzeln dann leichter aus dem Boden lösen.
Um größere Bestände zu entfernen, bietet sich eine regelmäßige Mahd an. Die erste sollte im Mai erfolgen und eine zweite Mahd im August, noch vor der Blüte. Bei nur einer Mahd pro Jahr bildet die Pflanze neue Stängel, wodurch sich der Bestand schnell wieder erholen kann. Die Mahd sollte möglichst auf die Goldrutenhorste beschränkt werden, um umliegende Vegetation zu schonen. Nach einer Mahd im Mai besteht noch die Möglichkeit, die Fläche mit einer schwarzen UV-undurchlässigen Folie abzudecken, diese sollte mindestens drei Monate liegen bleiben, damit die Pflanzen absterben. Anschließend sollte die Fläche direkt neu begrünt werden.
Eine weitere sinnvolle Maßnahme ist die Kombination aus Mahd und Beweidung, insbesondere durch Schafe oder Ziegen. Die Tiere fressen junge Triebe und schwächen dadurch die Pflanzenbestände langfristig. Auch Mulchen ist eine Option: Dabei bleibt das zerkleinerte Pflanzenmaterial als Mulchschicht auf dem Boden liegen. Diese Schicht behindert das Austreiben der Rhizome (unterirdische Sprosse).
Fachgerechte Entsorgung und heimische Alternativen
Wichtig ist zudem eine fachgerechte Entsorgung: Das Pflanzenmaterial darf nicht auf den Kompost oder die Grünschnittdeponie, sondern gehört in die Hausmüllverbrennung. Was der LEV rät: Keine invasiven Neophyten pflanzen oder weiterverbreiten. Einzelpflanzen und kleine Vorkommen in der Natur sollte man möglichst sofort beseitigen. Im Garten sollten gezielt heimische Pflanzenarten verwendet werden.
Als Alternativen zur invasiven Kanadischen Goldrute eignen sich heimische Stauden, die ebenfalls gelbe Blüten und Struktur bieten. Beste Optionen sind: die Gewöhnliche Königskerze oder der Gewöhnliche Wasserdost. Im Gegensatz zur Kanadischen Goldrute sind diese Pflanzen nicht invasiv und gut für die heimische Artenvielfalt – Bienen, Schmetterlinge und Insekten profitieren.
Mini-Serie: Invasive Pflanzen
Sie verdrängen heimische Arten und verändern Landschaften: Eine neue Serie zeigt, welche invasiven Pflanzen den Schwarzwald-Baar-Kreis bedrohen – und was dagegen getan werden kann. Diesmal geht es um die Kanadische Goldrute.
Meldeportal für Neophyten im Schwarzwald-Baar-Kreis
Meldebogen
Seit 2023 gibt es ein eigenes Meldeportal für Neophyten im Schwarzwald-Baar-Kreis, entwickelt vom Amt für Digitalisierung des Landratsamts und dem Landschaftserhaltungsverband (LEV). Mithilfe des Portals bekommt der LEV einen Überblick über das Vorkommen der Neophyten und kann eine gezielte Eindämmung sowie Bekämpfung, wo es nötig und sinnvoll ist, durchführen. Alle eingehende Meldungen können öffentlich eingesehen werden. Der Link zum Meldebogen: Irasbk.maps.arcgis.com/home/index.html
