Ideenwettbewerb in VS
: Bürger können VHS-Programm mitgestalten

Die Volkshochschule Villingen-Schwenningen startet erstmals einen Ideenwettbewerb und ruft die Bürgerschaft dazu auf, Vorschläge für Kurse einzureichen.
Von
Jochen Schwillo
Oberndorf
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Den Ideenwettbewerb „VHS geht nicht alleine“ stellten jetzt Andrea Breinlinger-Müller (links) und Martin Propp von der Volkshochschule Villingen-Schwenningen vor.

Jochen Schwillo

Die Volkshochschule (VHS) Villingen‑Schwenningen öffnet ihr Programm in diesem Sommer so weit wie selten zuvor. Mit dem erstmals ausgerufenen Ideenwettbewerb „VHS geht nicht alleine“ lädt sie die Bürgerschaft ein, selbst Impulse zu setzen und Themen einzubringen, die den Alltag, aktuelle Entwicklungen oder persönliche Interessen widerspiegeln.

Menschen ab zwölf Jahren können vom 15. Juni bis 15. Juli Vorschläge einreichen – klassisch, experimentell, digital oder ganz anders gedacht. Die Verantwortlichen wollen damit herausfinden, was die Leute wirklich bewegt und wie vielfältig die Stadtgesellschaft denkt. Der Wettbewerb soll zeigen, dass Programmgestaltung längst kein rein administrativer Prozess mehr ist, sondern ein gemeinsamer.

Unter dem ausgeschriebenen Motto sollen Ideen sichtbar werden, die sonst vielleicht nie den Weg ins Programm gefunden hätten. „Warum sollten gute Ideen immer nur im Haus entstehen?“, sagt Martin Propp, stellvertretender Abteilungsleiter. Viele Menschen trügen längst spannende Gedanken mit sich herum, die aber nie öffentlich geworden seien. „Jetzt wollen wir sie hören.“

VHS Karlsruhe hat inspiriert

Gemeinsam mit seiner Kollegin Andrea Breinlinger‑Müller aus der Programmentwicklung und den Kollegen in der VHS wurde das Konzept in den vergangenen Monaten ausgearbeitet. Die Inspiration kam von der VHS Karlsruhe, wo ein ähnlicher Wettbewerb 2024 mehr als 200 Einsendungen hervorbrachte – darunter zahlreiche Kurse, die ohne die Bürgerschaft nie entstanden wären. „Dort gab es Ideen, auf die man intern schlicht nicht gekommen wäre“, sagt Breinlinger‑Müller.

Genau solche Impulse erhofft sie sich nun auch für Villingen‑Schwenningen. Zwar sammelt das VHS‑Team regelmäßig Feedback und führt Workshops durch, doch manches Bedürfnis bleibe unsichtbar. „Wir haben unsere Klassiker – Sprachkurse, PC‑Grundlagen, Gesundheitsangebote“, so Propp. „Aber was beschäftigt die Menschen gerade wirklich? Welche Trends, welche Alltagsfragen, welche kreativen Themen?“

Junge Menschen sollen stärker erreicht werden

Besonders junge Menschen möchte die VHS stärker erreichen. Viele eigneten sich Wissen online an, etwa über Tik-Tok‑Tutorials, hätten aber gleichzeitig das Bedürfnis, Dinge praktisch und gemeinsam zu lernen. „Warum nicht ein Kurs, der zeigt, wie man richtig kocht, bügelt oder Möbel aufbereitet?“, sagt Breinlinger‑Müller. „Solche Themen können Generationen verbinden.“ Die Bandbreite möglicher Vorschläge ist groß: Sprachen, Gesellschaft und Politik, Gesundheit, Ernährung, Kreatives, digitale Themen oder Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte. Auch rein digitale oder hybride Formate sind ausdrücklich erwünscht.

Bewertet werden die Einsendungen nach einem Katalog von zehn Kriterien, die sich am Leitbild der VHS und des Landesverbands Baden‑Württemberg orientieren. Eine Jury aus VHS‑Mitarbeitenden, Vertretern des JubiS sowie externen Fachpersonen entscheidet im Juli über die besten Ideen. Zu den Kriterien zählen Innovation, Umsetzbarkeit, Kursinhalte und Bildungsziele, Nachhaltigkeit, Teilhabe und Chancengleichheit, Öffentlichkeitswirksamkeit, Demokratie und Ethik, Aspekte der Digitalisierung sowie der Zeitpunkt der Einreichung. Wichtig sei dabei der Blick von außen, betont Propp: „Wir wollen bewusst Menschen einbeziehen, die nicht täglich im VHS‑Kosmos unterwegs sind. Nur so erkennen wir blinde Flecken.“

Neue Kursleitende für die VHS gewinnen

Ein weiteres Ziel des Wettbewerbs ist es, neue Kursleitende zu gewinnen. Wie viele Bildungseinrichtungen steht auch die VHS vor demografischen Veränderungen: Manche Dozierende hören altersbedingt auf, andere ziehen weg oder wechseln beruflich. „Wir sind immer auf der Suche nach Menschen, die ihr Wissen teilen möchten“, sagt Propp. „Manchmal kommt jemand mit einer Idee und möchte selbst unterrichten – manchmal suchen wir dann passende Expertinnen und Experten.“

Die Hoffnung ist groß, dass erste Ideen bereits im dritten Trimester ab September umgesetzt werden können. Nicht alles werde sofort realisierbar sein, räumen Propp und Breinlinger‑Müller ein. Manche Themen seien saisonabhängig, andere erforderten längere Vorbereitungen oder die Suche nach geeigneten Kursleitungen. „Aber wir möchten zeigen, dass wir die Vorschläge ernst nehmen und dass etwas passiert“, so Propp. „Der Wettbewerb soll lebendig bleiben.“

Bürgerbeteiligung soll bestehen bleiben

Gleichzeitig versteht die VHS den Ideenaufruf als langfristiges Signal. Bürgerbeteiligung soll nicht auf diesen Aktionszeitraum beschränkt bleiben. Auch nach dem 15. Juli können jederzeit Vorschläge eingereicht werden. „Viele wissen gar nicht, dass sie uns jederzeit Ideen geben dürfen“, sagt Propp. „Wir möchten dieses Bewusstsein stärken.“ Dass die VHS sich weiterentwickeln will, zeigt sich auch inhaltlich. Themen wie künstliche Intelligenz, digitale Kompetenzen oder gesellschaftlicher Wandel sollen künftig stärker berücksichtigt werden. „Die Volkshochschule hat den Auftrag, Menschen durch Veränderungen zu begleiten“, so Breinlinger‑Müller. „Ob Smartphone‑Kurse für Ältere, politische Bildung oder kreative DIY‑Angebote – wir wollen nah an den Lebensrealitäten bleiben.“

Der Ideenwettbewerb

Teilnahme
Vorschläge können online über die Website der VHS, per E‑Mail an vhs@villingen‑schwenningen.de (Betreff „Ideenwettbewerb“) oder postalisch an das Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport, Abteilung Volkshochschule, Metzgergasse 8, 78054 Villingen-Schwenningen eingereicht werden. Erforderlich sind Name, Anschrift und Geburtsdatum. Die Ideen müssen eigenständig sein und dürfen keine Rechte Dritter verletzen. Unter den besten Einsendungen werden fünf Hiddelis-Gutscheine im Gesamtwert von 275 Euro verlost. Die Gewinner werden nach Abschluss persönlich benachrichtigt.

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