Ich geh mit meiner Laterne
: Wie finden Martinsumzüge in Villingen-Schwenningen statt?

Der 11. November als Sankt Martinstag erinnert an das Teilen und das humane Denken. Durch die steigenden Infektionszahlen, müssen die Veranstaltungen auch in diesem Jahr im kleineren Rahmen gefeiert werden.
Von
Sophia Kupferschmidt
Oberndorf
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Kleine Kinder halten Laternen in den Händen.

Pedersen

Villingen-Schwenningen - Kleine Kinder, die mit ihren bunt leuchtenden Laternen durch Villingen-Schwenningen laufen – auch dieser Tradition machte Corona 2020 einen Strich durch die Rechnung. Sieht es in diesem Jahr wieder anders aus?

Eine Ansammlung von über 1000 Menschen, Sankt Martin zu Pferd, der auf dem Landesgartenschaugelände in Schwenningen vorausreitet – angesichts der steigenden Infektionszahlen muss Pfarrer Michael Schuhmacher von der katholischen Seelsorgeeinheit Neckar-Baar die bittere Enttäuschung verkünden. "Diese Veranstaltung zum Martinstag mussten wir ersatzlos streichen." Eine Nachverfolgung der Kontakte sei bei dem Umfang des Geländes einfach nicht zu stemmen, Abstände könnten nicht eingehalten werden und eine derart große Menschenansammlung könne die Gemeinde hygienisch nicht verantworten.

Sankt Martinstag erinnert ans Teilen

Trotzdem: Ganz auf die Tradition muss nicht verzichtet werden, schließlich sei der Gedanke des Heiligen wichtiger den je. Schuhmacher: "Der Sankt Martinstag ist eine wichtige Tradition und für die Gesellschaft ein Zeichen für die Hoffnung und das Teilen." Damals habe, der Überlieferung zufolge, der Heilige Martin einen Teil seines Mantels einem armen, frierenden Bettler gegeben.

Die Kinder, die mit ihren leuchtenden Laternen durch die Straßen gehen, würden zeigen, dass die Welt nicht im Dunkeln liegt. "Humanes Denken hat nicht nur in Anbetracht der Pandemie eine hohe Priorität. Auch angesichts der Klimakrise, Gottesvergessenheit, und Ausgrenzung ist es wichtig, ein Licht in die Welt zu tragen."

Zwei Ersatzveranstaltungen in Schwenningen

Als Ersatz für die Großveranstaltung dienen zwei dezentral organisierte Ereignisse – eher in privater Form abgehalten. Kindergartenkinder würden in kleinen Gruppen mit ihren Laternen laufen, die Organisation dafür liegt bei den Eltern. "Den älteren Menschen, die leiden, schenkt diese Tradition Lichtblicke. Sie sehen, dass ›das Leben weiter geht‹", sagt Schuhmacher.

Die andere Veranstaltung entspricht einer Art Stationenlauf, selbstständig können die Familien bestimmte Punkte ansteuern und sich Geschenke zum Basteln abholen. Der Pfarrer: "Wir freuen uns darauf, wenn der Sankt Martinstag im nächsten Jahr hoffentlich wieder normal gefeiert werden kann!"

Auch die Sankt Fidelis Gemeinde möchte nicht ganz auf Feierlichkeiten am Martinstag verzichten. Pfarrsekretärin Barbara Weiß: "Der Martinstag ist ein wichtiger Tag, auch für die Kinder". Schließlich würden diese im Religionsunterricht und schon im Kindergarten, erfahren, was die Hintergründe dieser Feierlichkeiten sind. "Allgemein sollte die Geschichte des Heiligen Martin bekannt gemacht werden."

Gemeinde leuchtet Weg mit Kerzen aus

Als Ersatzveranstaltung findet am Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr eine Feierlichkeit statt. "Ab der Warenberg Grundschule im Feldbergweg leuchten wir einen Rundweg über einen Kilometer mit Kerzen aus", sagt die Pfarrsekretärin. Über die Schrebergärten würde es dann wieder zurück gehen. Ab diesem Startpunkt könnten kleine Gruppen, wie Familien in dem zwei-stündigen Zeitrahmen den Weg laufen. "Wir bitten darum, in kleinen Gruppen zu gehen, damit der Abstand eingehalten werden kann", sagt Weiß. Einen gewöhnlichen Umzug könne die Gemeinde nicht veranstalten: "Alle 3G-Nachweise zu kontrollieren, würde uns überfordern".

Aber die Fidelis Gemeinde macht das Beste aus der Situation: "Es wird auf jeden Fall Musiker geben – und vielleicht sogar ein Pferd mit Reiter", verrät die Pfarrsekretärin. Alle Teilnehmer sollten ihre Laternen mitbringen – schließlich gebe es auf dem Rundweg keine Straßenbeleuchtung.

Auch wenn die Martinsumzüge in Villingen-Schwenningen noch immer nicht wie gewohnt stattfinden können, gedenken die Kirchengemeinden dem Heiligen Martin am Donnerstag – so gut, wie es unter Pandemiebedingungen möglich ist.

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