Hagelabwehr in Unterkirnach
: Wie der Pilot die Gewitterwolken impft

Die Gemeinde Unterkirnach tritt dem Verein zur Hagelabwehr Südwest bei. Mit 600 Euro Jahresbeitrag unterstützt das Schwarzwalddorf den Schutz vor schweren Schäden durch große Hagelkörner.
Von
Ulrich Schlenker
Oberndorf
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Die Piloten des Vereins zur Hagelabwehr Südwest impfen die Gewitterwolken.

Hella Schimkat

Mit einem kurzen Film stellte Peter Hellstern, Vorsitzender des Vereins zur Hagelabwehr Südwest, im Gemeinderat dar, wie die Vermeidung von schwerwiegenden Hagelschäden durch den Einsatz von Hagelfliegern erfolgt. Diese steigen vom Flugplatz Donaueschingen immer dann auf, wenn ein schweres Hagelgewitter droht.

Große bis sehr große Hagelkörner können entstehen, wenn durch Aufwinde die Wolken weit in die Höhe getrieben werden und die Regentropfen bei dort herrschenden Temperaturen von circa minus 40 Grad gefrieren.

Silberjodid bringt die Wolken zum Abregnen

Um dies zu vermeiden, steuert der Pilot den Hagelflieger mit modernster Technik in die Gewitterwolken und bringt sie durch das Ausbringen von Silberjodid zum Abregnen.

„Eine Auswertung von Wettervideos für den Zeitraum von 2015 bis 2022 hat bestätigt, dass das in 80 Prozent der Fälle zu einem Zusammenbruch der Wolkenformation geführt hat. Es kommt dann zu keiner Hagelbildung oder die Hagelkörner sind zumindest deutlich kleiner“, untermauerte Peter Hellstern den Erfolg des Vorgehens.

Klaus Wössner (links) und Peter Hellstern vom Verein zur Hagelabwehr Südwest stellen dem Gemeinderat von Unterkirnach das Vorgehen des Hagelfliegers vor.

Foto: Ulrich Schlenker

Er erwähnte auch, dass es seit der Vereinsgründung im Jahr 2009 keine großen Hagelschäden im Raum Villingen-Schwenningen mehr gegeben hat.

„Wie priorisieren Sie, wenn es in Tuttlingen und Unterkirnach gleichzeitig gewittert?“, wollte Patrick Seng wissen. Der Standort Donaueschingen habe den Vorteil, dass das Flugzeug sehr schnell starten könne und dann innerhalb von wenigen Minuten in Unterkirnach und in Tuttlingen sei, antwortete Hellstern.

Vorgang wie ein Verdampfungsprozess

Cornelia Ries erkundigte sich nach der Umweltverträglichkeit des Impfens von Wolken mit Silberjodid. Klaus Wössner, dritter Vorstand des Vereins zur Hagelabwehr Südwest, verwies auf eine gründliche Studie aus Frankreich. „Es konnten keine Rückstände festgestellt werden. Man kann sich den Vorgang wie einen Verdampfungsprozess vorstellen“, betonte er die völlige Unbedenklichkeit für die Umwelt.

„Es ist erfreulich, dass es ein Mittel gegen Hagelschäden gibt. Der Mitgliedsbeitrag ist für Unterkirnach sehr überschaubar. Es spricht nichts gegen einen Beitritt“, sagte Michael Klafki. Auch Bürgermeister Andreas Braun warb darum, die Hagelabwehr zu unterstützen.

Bei einer Gegenstimme von Karin Dold fasste der Gemeinderat mit großer Mehrheit den Beschluss, dass Unterkirnach dem Verein zur Hagelabwehr Südwest mit Sitz in Villingen-Schwenningen beitritt. Aktuell liegt der Mitgliedsbeitrag für das Dorf bei 600 Euro pro Jahr.

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