Gesichter der Stadt: 614 Porträts – dieses Projekt zeigt VS wie nie zuvor

Matthias Fellhauer (links) und Michael Hoyer haben das anspruchsvolle Fotoprojekt in Angriff genommen und konnten bereits über 200 Menschen in VS porträtieren.
Marc EichDass sie sich auf den Spuren von August Sander befinden, möchten Michael Hoyer und Matthias Fellhauer keineswegs sagen – doch den bekannten deutschen Fotografen, der sich insbesondere mit seinen Porträtbildern einen Namen gemacht hat, sehen sie als große Inspiration.
Denn der Medienprofessor und der ehemalige Chefapotheker des Schwarzwald-Baar-Klinikums gehören zum Fotoverein der Lichtbildhauer und haben sich ein ganz besonderes Kunstprojekt auf die Fahne geschrieben: 614 Bilder aus VS – von Menschen mit unterschiedlichen Berufen und Tätigkeiten.
Angelehnt ist das an eines der bedeutendsten Werke von Sander, der jahrelang Menschen in Deutschland porträtiert hat. Daraus entstand das Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Fellhauer konnte die Gesamtheit dieses Kunstprojekts im November 2024 bei der Fotokunstmesse Paris Photo bewundern – auf einer 36 Meter langen Wand im Grand Palais. „Das war sehr beeindruckend“, erklärt er.
Diese Eindrücke vermittelte er auch seinen Fotofreunden der Lichtbildhauer – und schnell entwickelte sich daraus die Idee, ein daran angelehntes Projekt in der Doppelstadt zu realisieren. Statt der 613 Bilder von Sander sollen es nun (mindestens) 614 Bilder sein, erklären Fellhauer und Hoyer. So entstand der Name des Projekts P61X.
Bereits mehr als 200 Porträts im Kasten
Klar war aber auch: Die Bilder der beiden Fotografen sollen einer einheitlichen Stilistik folgen. Dazu gehört – wie bei Sander –, dass die Porträtierten mit einem neutralen und damit natürlichen Gesichtsausdruck abgebildet werden. Und gezeigt werden Menschen, die ihren Beruf oder eine besondere Tätigkeit in Villingen-Schwenningen ausüben.
Kriegt man das denn hin? Hoyer: „In Deutschland gibt es laut Agentur für Arbeit 17 400 unterschiedliche Tätigkeiten – auch wenn ein Schiffsbauer bei uns beispielsweise natürlich nicht arbeitet.“ Aber schon jetzt haben die beiden Fotografen mehr als 200 Menschen vor der Kamera gehabt.
Zum Foto gibt’s ein Audiostatement
Nach anfänglichen „Ladehemmungen“ bei den Shootings sei man nun „komplett im Doing“, berichtet Fellhauer. Gerade die persönlichen Begegnungen hätten ihn teils nachhaltig beeindruckt und für einen persönlichen Mehrwert gesorgt. Spannend ist auch: Das Duo fotografiert die Menschen nicht nur, sondern bittet ebenso um ein Audiostatement, weswegen der Protagonist den Beruf oder die Tätigkeit gerne ausübt. All das soll in eine spätere Ausstellung mit einfließen.
Wichtig ist dabei Hoyer und Fellhauer, den „Querschnitt der Gesellschaft fotografisch zu visualisieren“, wie sie es betonen. Gleich viele Frauen wie Männer und ein bunter Mix an Nationalitäten. Dabei ginge es nicht um „Hobbyisten“, sondern um Berufstätige und jene ehrenamtlich Engagierten, „die einen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft leisten“, erklärt Fellhauer.
Von der Trauerbegleiterin zum Stadtjäger
Beispiele gefällig? Vor die Linse der beiden Fotografen standen unter anderem eine Trauerbegleiterin, ein Stadtjäger, ein Autosattler, eine Reitpädagogin, der Villinger Zunftmeister bis hin zum Piloten eines Rettungshubschraubers.
Über die vielen Begegnungen hätten sich immer wieder weitere Kontakte ergeben, um noch nicht abgebildete Berufe in den Fundus aufnehmen zu können. Doch natürlich sind die beiden Lichtbildhauer noch lange nicht am Ziel angekommen. Denn nach den Porträts außergewöhnlicher Tätigkeiten richtet sich der Blick nun auf Menschen, die mit ihren Berufen den Alltag prägen – aus der Mitte der Gesellschaft.
Das Ziel: ein zeitgeschichtliches Dokument
„Wir suchen deshalb immer wieder Menschen, um eben diesen Querschnitt darzustellen“, so der Medienprofessor. Wie Fellhauer betont, soll erst so aus dem Fotoprojekt ein zeitgeschichtliches Dokument werden, das alle Beteiligten überlebt. Die Menschen sollen sich in der Zukunft, so formulieren sie ihren Wunsch, ein Bild davon machen können, welche Menschen mit welchen Berufen in der Gegenwart in VS gelebt haben.
Und das ohne jeden kommerziellen Hintergrund. Sollten mit dem Projekt Einnahmen erzielt werden, wird der Erlös dem Verein Palliativzentrum-VS zukommen. Wann sie dieses Werk vollenden, steht noch in den Sternen – mit den nun geschossenen 200 Porträts innerhalb eines Jahres haben sie aber schon einen ersten Meilenstein erreicht.
Teil von P61X werden
Aufruf
Menschen, die Teil dieses einmaligen Projekts werden möchten, sind eingeladen, sich zu melden. Jede berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit wird in der Serie nur einmal dargestellt – so entsteht eine möglichst große Vielfalt der Arbeits- und Lebenswelten.
Liste der Berufe und Tätigkeiten
Um herauszufinden, ob das eigene Schaffen bereits Teil des Projekts ist, findet man unter www.p61x.de eine aktuelle Liste der bereits dokumentierten Berufe und Tätigkeiten. Bedingung für die Teilnahme ist, dass die Tätigkeit in Villingen-Schwenningen ausgeübt wird.
Kontakt
Interessenten können sich direkt an die kreativschaffenden Fotografen wenden: Kontaktaufnahme per E-Mail: info@michael-hoyer.de oder telefonisch unter 0172/ 7505194.