Ganztagsanspruch bis Freitag: Doch in Bad Dürrheim endet das Angebot für Schüler donnerstags

Es ist kein einfaches Rechenbeispiel: Wie hoch soll der Elternbeitrag für die Freitagsbetreuung der Schüler in Bad Dürrheim künftig sein?
dpaZwischen dem Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung und dem Ist-Zustand in Bad Dürrheim klafft trotz des vorhandenen Ganztagsangebots eine Lücke: Immer wieder freitags wäre dieser nach aktuellem Stand nicht erfüllt.
Mit Inkrafttreten des bundesweiten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung ab dem 1. August 2026 entsteht für Kinder der zukünftigen ersten Klassenstufe nämlich „ein Anspruch auf eine verlässliche ganztägige Betreuung an fünf Werktagen von bis zu acht Zeitstunden in 48 Wochen pro Jahr“ – das schließt freilich auch die Freitage mit ein.
Masse macht’s günstiger
Darauf wird jetzt mit Neuerungen reagiert. Beide Bad Dürrheimer Grundschulen stellen aktuell an vier Tagen ein Ganztagsangebot. Um den Rechtsanspruch trotzdem vollständig zu betreuen, will die Kommune in die Bresche springen und das schulische Angebot um eine Freitagsbetreuung ergänzen.

Das bisherige schulische Angebot endet donnerstags.
Foto: c.breithaupt@this.deKnackpunkt: Das Freitagsangebot wird kostenpflichtig sein, das schulische Ganztagsangebot ist es nicht. 68 Prozent der Kosten werden von Bund und Land getragen, für die restlichen 32 Prozent sind die Kommune und das Elternhaus verantwortlich.
Wie hoch deren Kostenanteil jedoch ist, das steht aktuell noch in den Sternen, denn Basis der Berechnung sollen einerseits die anfallenden Betriebskosten sein, andererseits aber auch der Grad der Inanspruchnahme. Konkret: Je mehr Schüler das Angebot wahrnehmen, desto günstiger kann es pro Kopf werden. Weil die Zahl der tatsächlichen Anmeldungen jedoch im Vorfeld nicht feststeht, die Eltern aber dennoch als Entscheidungsgrundlage eine zumindest grobe Hausnummer benötigen, wie hoch ihr Kostenbeitrag für die Freitagsbetreuung wäre, ist die Angelegenheit einigermaßen kniffelig.
Frage der richtigen Reihenfolge
„Wir müssen uns einer hundertprozentigen Kostendeckung annähern“, betonte Amtsleiter Markus Stein vor dem Gremium. Die Verwaltung schlage einen Betrag von 30 Euro pro Monat für Freitagsbetreuung vor.
Den SPD-Gemeinderat Can Zileli beschäftigte das Thema sehr. Würden extrem viele für Kinder die Freitagsbetreuung angemeldet, könne es am Ende doch sogar zu einem Überschuss in der städtischen Kasse kommen, so sein Gedankenspiel. „Kann man die Gebühren dann nicht einfach erst dann festlegen, wenn man weiß, wie viele Kinder es auch sind?“ Kopfschütteln in den Reihen der Verwaltung, und auch Bürgermeister Jonathan Berggötz hielt es für „das absolut richtige Vorgehen“, den Eltern die Kosten vorab mitzuteilen, das sei schließlich eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die mögliche Inanspruchnahme.
Einer stimmt dagegen
Eine Ansicht, die das Gros des Gremiums offenbar teilte, das dem vorgeschlagenen Vorgehen zustimmte: So sollen zunächst für einen mehrjährigen Zeitraum die Gebühren festgelegt werden – muss nach oben oder unten angepasst werden, will man das über einen ebenfalls mehrjährigen Ausgleichszeitraum tun. Can Zileli konnte sich damit nicht anfreunden und stimmte als einziger dagegen.
