Erinnerungen an das Kriegsende
: Immer wieder wurde die Bahnlinie in Brigachtal beschossen

Am 8. Mai vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg – ein Krieg, an den sich noch einige Bürger von Brigachtal erinnern. Sie erlebten das damalige Geschehen als Kinder und blicken auf die letzten Monate des Kriegs.
Von
Hella Schimkat
Oberndorf
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Kreuz auf dem Friedhof – hier wurden die getöteten Menschen aus dem Zug beigesetzt.

Hella Schimkat

Josef Vogt sprach mit einigen Zeitzeugen wie Max Hirt, Ehrenbürger von Brigachtal, der sich noch gut an die Zeit um das Kriegsende erinnert und seine Gedanken aufschrieb.

„Ich war bei Kriegsende neun Jahre alt, war Ministrant und hatte am Tag der Ewigen Anbetung, die am Samstag, 30. September 1944, in der Martinskirche während des ganzen Tags stattfand, Dienst“, so Hirt. Er erinnere sich noch gut an diesen Tag, da er bei der Kartoffelernte gewesen sei und fast zu spät zum Ministrantendienst gekommen wäre, schreibt er.

Kaum seien sie zu zweit am Altar gewesen, sei der Lärm durch Flugzeuge in der Kirche immer lauter wahrnehmbar gewesen, und bald darauf habe man deutlich Schusssalven hören können, die sich in den Fliegerlärm mischten, so Hirt. „Kaum lagen wir Ministranten und die Besucher der Kirche auf dem Boden, um uns zu schützen, erschütterte ein großer Knall die Kirche und einige Fenster gingen zu Bruch.“

Bahnlinie in der Nähe der Kirche

Erst nach langer Zeit verließen alle die Kirche, um zu sehen, was die Flieger angerichtet hatten. Auf der Bahnlinie, die nicht weit von der Kirche vorbeiführte und heute noch führt, war offensichtlich ein Militärzug mit Soldaten und einem mit Munition voll beladenen Waggon in Richtung Donaueschingen unterwegs gewesen. Dieser sei durch die Jagdbomber der Alliierten solange unter Beschuss genommen worden, bis der Munitionswagen explodierte.

„Bei diesem Angriff gab es viele Tote und Verletzte, die überlebenden Soldaten wurden für einige Tage in Kirchdorf einquartiert“, erinnert sich Hirt. Einige Soldaten wurden auf dem Kirchdorfer Friedhof beigesetzt, andere auf dem Friedhof Allmendshofen in Donaueschingen, ergänzt Josef Vogt.

Sie flogen die Bahnlinie auf und ab

Friedrich Itta hatte vor Jahren ebenfalls mit Zeitzeugen gesprochen und zu den Bombardements der Bahnlinie in dem Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege 1986 niedergeschrieben, dass die Flieger ab 1944 fast täglich kamen, teilweise mehrmals am Tag. Sie flogen die Bahnlinie auf und ab, zwischen der Buchhalde und dem Friedhof hatten sie meistens angegriffen, so ist da zu lesen.

Wie Zeitzeugen berichten, wurden in den letzten Kriegsmonaten hier unterhalb der Kirche die Züge aus der Luft beschossen.

Foto: Hella Schimkat

Einmal hätten die „Feindflieger“ fünf deutsche Flugzeuge, die von einem Angriffsflug kamen und bei Bad Dürrheim landen wollten, über dem Brigachtal abgeschossen. Ein Flugzeug lag zwischen Kirchdorf und dem Friedhof an der Straße, ein junger Leutnant habe die Maschine geflogen und sei tot gewesen.

Lokomotiven und Waggons beschossen

„Die Flieger, die die Bahnlinie immer auf und ab flogen, wurden Max und Moritz genannt“, erklärt Vogt. Sie hätten immer die Loks und die Waggons beschossen, ergänzt er. Kresenz Seng hatte Itta erzählt, dass man in dieser Zeit tagsüber nicht mit den Pferden einen Verstorbenen zum Friedhof fahren konnte, da sich die Pferde weigerten, den Stall zu verlassen. Man habe den Sarg mit einem Wägele, den Kinder zogen, zum Friedhof bringen müssen. Von da an sei es oft so gewesen, dass man nur am Abend zum Friedhof fahren konnte.

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