Eine Brücke fehlt über Nacht
: Diese kuriosen Vorlieben haben Diebe in Trossingen

In Trossingen fehlt plötzlich eine Fußgängerbrücke. Die Polizei rätselt: Wer klaut so etwas – und vor allem: Warum? Zeugen sollen sich melden.
Von
Cornelia Spitz
Oberndorf
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Die Baustelle in der Anton-Bruckner-Straße muss plötzlich ohne Brücke auskommen.

Cornelia Spitz

Ein straßenbreiter Graben tat sich im Zuge der Sanierungsarbeiten an einer Wasserleitung in der Trossinger Anton-Bruckner-Straße auf. Und weil die Schlucht einigermaßen groß war, sollte eine Brücke Fußgängern die Querung erlauben.

Doch jetzt staunten die Bauarbeiter nicht schlecht: Plötzlich war die ganze Brücke verschwunden.

Diebstahl einer Fußgängerbrücke – das Vorkommnis in den Polizeimeldungen des Polizeipräsidiums Konstanz liest sich einigermaßen ungewöhnlich. Polizeihaupkommissar Klaus Pachollek vom Trossinger Revier nickt, als er von unserer Redaktion auf den ungewöhnlichen Fall angesprochen wird – alle Tage kommt so etwas nicht vor.

Das Ganze geschah offenbar bereits im Laufe der vergangenen Woche. Unbekannte haben die Fußgängerbrücke von der Baustelle entwendet. 80 Kilogramm schwer, aus Alu mit ausklappbarem Geländer – zwar „nur“ einen Meter breit, aber etwa drei Meter lang. Für ihn steht fest: Die Diebe müssen mit einem Fahrzeug angerückt sein. Zwar könne, so wurde der Polizei seitens der Baufirma mitgeteilt, die Brücke notfalls sogar ein starker Mann alleine tragen, aber: „das fällt ja auf, wenn einer mit so einem Ding durch die ganze Stadt läuft“, sagt er lachend.

Hoffnung auf Zeugen

Mitarbeiter der Baufirma hätten den Diebstahl eines Morgens bemerkt. Ein Coup, der eigentlich kaum unbemerkt geblieben sein dürfte, es sei denn, der oder die Diebe haben ein besonders günstiges Zeitfenster erwischt. Die Hoffnung der Polizei ist jedenfalls groß, dem oder den Langfingern auf die Spur zu kommen und reichlich Hinweise auf sie zu erhalten.

Fraglich ist natürlich auch, wo das sperrige Diebesgut nun Verwendung findet – gut möglich, so Pallochek, dass es sich bei dem Diebstahl um einen Dummejungenstreich handelt und die Alubrücke über kurz oder lang irgendwo einfach gefunden werde. Wenn nicht, könnte der Täter das sperrige Stück auch zu Geld machen wollen. Der reine Alupreis dürfte allerdings wenig lukrativ sein – laut aktuellem Schrottpreis liegt das Kilogramm Aluminium bei gerade einmal rund 1,90 Euro.

Liste mit Kuriositäten

Kuriose Diebstähle allerdings sind keine Seltenheit für die Polizisten in Trossingen und der Region, so Klaus Pachollek. Erst im Juni 2005 etwa stahl ein Unbekannter einen Kupferkessel aus einem Garten in Schura– sein Pech, er wurde beobachtet und bei seine Flucht auf dem Fahrrad gipfelte nicht nur in der Verfolgung durch zwei Anwohner, sondern auch durch einen Hubschrauber. Nur wenige Kilometer weiter, in Spaichingen, sorgte im August eine weibliche Diebin für Schmunzeln: Die 51-Jährige soll mitten in der Nacht mit zwei Gießkannen bei einem 38-jährigen Nachbarn Regenwasser aus dessen Fass geklaut haben. Im Mai stellte eine Mieterin in Aldingen morgens verblüfft fest, dass drei Regenfallrohre an der Fassade fehlten – auch sie waren geklaut worden.

Kontakt für Zeugen

Im jüngsten Fall des Brückenklaus sollen Zeugen, die im fraglichen Zeitraum Verdächtiges im Bereich der Baustelle auf Höhe der Hausnummer 19 beobachtet haben oder Personen, die Hinweise auf die Identität der Diebe oder den Verbleib der Fußgängerbrücke geben können, sich unter der Telefon 07425/3 38 66 beim Polizeiposten Trossingen melden.

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