Container-Pläne für neue VS-Grundschule: Warum die empörten Eltern jetzt eine Petition starten

Die Module am Rand des Sportplatzes am Deutenberg sollen zur vorübergehenden, vielleicht sogar auch zur längerfristigen Heimat für die Schüler der Grundschule Hallerhöhe werden.
Mareike Kratt„Nein zur Container-Grundschule am Deutenberg-Campus in VS-Schwenningen“, damit ist die Petition überschrieben, die die „Elterninitiative Hallerhöhe“ auf die Beine gestellt hat und die seit Sonntagabend online ist.
Man blicke mit größter Sorge auf die Pläne der Stadt, die dringend benötigte Grundschule Hallerhöhe mittel- bis langfristig auf dem Deutenberg-Campus in provisorischen Containern unterzubringen.
„Für uns Eltern ist diese Lösung inakzeptabel“, heißt es in der Petition, und folglich: „Wir fordern daher nachdrücklich die versprochene Umsetzung der Sanierung des Schulgebäudes Hallerhöhe!“
Betroffene Schwenninger
Eine derjenigen, die die Petition federführend ins Leben gerufen haben, ist die Schwenningerin Melissa Krause. Ihr Sohn soll ab September auf die Grundschule Hallerhöhe gehen. Als sie ihn angemeldet hat, war sie noch davon ausgegangen, dass ihr Sohn das Schulgebäude auf der Hallerhöhe besuchen wird. Doch seither ist einiges passiert.
Ein Blick zurück
Ihre Pläne für eine Sanierung, sogar für eine Generalsanierung, hatte die Verwaltung in der entsprechenden Vorlage für die aktuelle Sitzungsrunde der städtischen Gremien öffentlich gemacht. Um die Grundschule, die sukzessive zweizügig zu einer Ganztagsschule aufgebaut werden soll, adäquat umzugestalten, sei eine Generalsanierung erforderlich. Gleichzeitig hatte die Verwaltung vorgeschlagen, die Grundschüler bis Fertigstellung der Umbaus im vorhandenen Containerbau am Deutenberg-Sportplatz, der derzeit vom Schulverbund am Deutenberg genutzt wird, unterzubringen.
Kurzerhand wurde der Punkt Hallerhöhe aber am vergangenen Dienstag von der Tagesordnung der Gremien genommen und auf die Sitzungsrunde im Mai verschoben. Der Grund: Aus den Reihen des Gemeinderats war der Vorschlag gekommen, die sogenannten Module am Deutenberg nicht nur vorübergehend, sondern langfristig für die neue Grundschule zu nutzen. Dieser Vorschlag soll nun geprüft werden.
Kein Platz für Bewegung
Dem zuwider die Elternschaft der Hallerhöhe, die die Kritik an der Containerlösung facettenreich darlegt: Da ist der fehlende Platz für Bewegung und Spiel, weil der geplante Pausenbereich nicht die erforderliche Infrastruktur für Grundschüler biete. Da ist zudem der Lärm durch die rund 2000 Schüler der beiden weiterführenden Schulen, durch den das Konzentrieren und Fokussieren auf den eigenen Unterricht für Schulanfänger zur zusätzlichen Herausforderung werde.
Kein Lernort
Die Eltern finden des Weiteren, dass Container keine pädagogischen Lernorte seien, da sie aufgrund ihrer Beschaffenheit an klimatische, akustische und räumliche Grenzen kämen. Durch eine starre Raumaufteilung würden sie außerdem wenig Möglichkeit für zeitgemäße Unterrichtskonzepte bieten.
Kein guter Arbeitsplatz
Alles andere als attraktiv sei ein Provisorium für potenzielle neue Lehrkräfte in Zeiten des Lehrermangels, vor alle für eine neue Schulleitung, „die mit Freude und Engagement die Verantwortung für eine Containerschule übernehmen soll“.
Keine Sicherheit
Der Containerstandort am Deutenberg berge für Grundschüler Gefahren im sozialen Bereich sowie im Straßenverkehr – Schulhof und Schulweg müssten mit großen, teilweise erwachsenen Schülern geteilt werden. Außerdem machten Elterntaxis, Berufsverkehr, Busse und durch Baustellen blockierte Parkplätze die Lage sehr unübersichtlich und „extrem gefährlich“.
Kein Vertrauen in Stadt
„Frust, Wut und Enttäuschung“ über eine grundsätzlich vernachlässigte Familien- und Sozialpolitik in der Doppelstadt äußern die Eltern am Ende der Petition – und sprechen von einem fehlenden Vertrauen in die Stadt. Seit Jahren habe man sich zu wenig um den Bedarf zusätzlicher Bildungseinrichtungen gekümmert, eine Planung und durchdachte Umsetzung seien nicht erkennbar. Vielmehr solle jetzt schnell eine Lösung aus dem Boden gestampft werden, die nichts kosten dürfe.
Container nur als Übergang
Ein ordentliches Schulhaus stelle keinen Luxus dar, sondern eine notwendige Grundvoraussetzung für ein stabiles und gesundes Entwicklungsumfeld, finden die Eltern schließlich. Dabei können Container allenfalls eine kurzfristige Übergangslösung bieten. Das Wichtigste: Dass „die Kinder mit Freude, Sicherheit und Wertschätzung ihre Schullaufbahn beginnen können.“

Das Schulgebäude Hallerhöhe muss umfassend saniert werden.
Foto: Mareike KrattMelissa Krause ist einerseits „sauer und enttäuscht“, gleichzeitig aber froh, innerhalb weniger Tage mit weiteren betroffenen Eltern Mitstreiter gefunden zu haben, um das Anliegen öffentlich zu machen. Inzwischen hat sich eine What’s-App-Gruppe mit rund 40 Teilnehmern gebildet. Darin ist nicht nur die Idee einer Petition gereift, darin sind auch Fragen gestellt worden, auf die die Eltern von der Stadt eine Antwort fordern. Denn bisher ist das Konzept für alle nicht durchdacht. „Wie soll der Unterricht organisiert werden?“ Und: „Wie sollen die Schüler richtig betreut werden?“
Petition im Gemeinderat
Bis zur Mai-Sitzung des Gemeinderats, in der die Petition dann dem OB, der Verwaltung sowie den Stadträten vorgelegt werden soll, wollen die Eltern möglichst viele Unterschriften sammeln und möglicherweise zudem eine Vor-Ort-Aktion durchführen. Unterstützung haben sie dabei auch vom Gesamtelternbeirat sicher.
„Wir haben eigentlich nichts zu verlieren“, sagt Melissa Krause mit Blick auf die Erfolgsaussichten der Petition, die auch in den Kindergärten des Stadtbezirks ausgelegt werden soll. Gleichzeitig betont sie: „Es geht nicht um eine Sache, es geht um kleine Bürger unserer Stadt.“