Böse Überraschung an Bedientheke: Kontrolleure finden Gammelfleisch in Schwenninger Supermarkt

Fleisch, das sein Haltbarkeitsdatum überschritten und einen „stechenden Geruch“ hatte, wurde in einem Schwenninger Supermarkt gefunden. (Symbolfoto)
dpa/Jan WoitasEin schmieriger Belag auf den Teilstücken hatte sie auf die Spur gebracht, das Lammfleisch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: Regelmäßig sind die Lebensmittelkontrolleure in Gastronomien und Supermärkten im Schwarzwald-Baar-Kreis unterwegs, um die Situation vor Ort zu begutachten – und sind gleichzeitig verpflichtet, „erhebliche oder wiederholte“ Verstöße gegen Hygienevorschriften zu veröffentlichen.
So berichtet das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landratsamts in den öffentlich einsehbaren Ergebnissen, dass bei einer Kontrolle eines Markts in der Alten Herdstraße am 25. April sinnfällig verdorbenes Lammfleisch in der Bedientheke vorgefunden wurde.
Die betroffenen Lammfleischstücke – Lamm-Bauch und Lamm-Kotelette – hätten sich in einer Kunststoffschale, eingewickelt in transparente Kunststofffolie, befunden.
Durch die Folie hindurch sei nicht nur der schmierige Belag, sondern auch die angetrockneten Fleischstücke zum Vorschein getreten.
Neun Tage drüber
Was die Kontrolleure daraus vermutet hatten, wurde durchs Öffnen der Folie abstoßende Gewissheit: Ein stechender Geruch nach verdorbenem Fleisch sei wahrnehmbar gewesen. Und das war gewiss kein Wunder: Der Schlachttierkörper, aus welchem die Lammfleischstücke gewonnen wurde, sei mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum vom 16. April versehen gewesen – spätestens neun Tage früher hätte das Lammfleisch also aus dem Verkauf genommen werden müssen. Um den bei der Kontrolle festgestellten Verdacht zu verifizieren, sei eine amtliche Verdachtsprobe entnommen worden, heißt es in der Mitteilung des Landratsamts weiter. Doch das weitere Prozedere schien nur pro forma: Die Beurteilung vor Ort als sinnfällig verdorben und als für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet sei durch das Gutachten vom 3. Juni vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg bestätigt worden.
Vor Ort im Geschäft: Im vorderen Bereich haltbare Lebensmittel in den Regalen, im hinteren Bereich die Metzgerei, deren – leere – Theken und Fußboden glänzen. Geschlossen, keine Frischwaren da. Der Inhaber verweist auf den beißenden Geruch aus den Mülleimern im Hinterhof. Diese würden mit Babywindeln überquellen und ein notwendiges Öffnen der Fenster der Metzgerei derzeit unmöglich machen. Deshalb sei auch die Metzgerei zu.
Dass er für den kommenden Montag einen Termin mit einem Mitarbeiter des Amts für Abfallwirtschaft vereinbart hat, um die Müllsituation durch größere Abfallbehälter zu klären, bestätigt eine Landratsamts-Mitarbeiterin, mit der er parallel telefoniert.
Konkurrenz und Neid?
Wird der Inhaber mit dem konkreten Gammelfleisch-Vorfall konfrontiert, kann er nichts dazu sagen. Vielmehr verweist er auf die sauberen Zustände im Geschäft und erzählt dann von der Konkurrenzsituation mit anderen kleinen Supermärkten in Schwenningen. Sein Fleisch habe die gleiche Qualität wie in den übrigen Märkten, werde aber günstiger verkauft – das rufe möglicherweise Neid hervor. So sei ihm bereits angedroht worden, Lebensmittelkontrolleure vorbeizuschicken.
Er hoffe, dass die Situation sich bald klären werde, um die Metzgerei wieder öffnen zu können – schließlich stehe auch seine Existenz dabei auf dem Spiel.