Bestände im Kreisarchiv: Für Forscher steht Kreisarchiv in VS offen

Ein Herbarium, eine Sammlung getrockneter Kräuter, das für wissenschaftliche Zwecke angelegt wurde, ist nun im Eigentum des Kreisarchivs.
dpa/Waltraud Grubitzsch/dpaDas Kreisarchiv Schwarzwald-Baar trägt entscheidend dazu bei, das kulturelle Gedächtnis der Region zu bewahren. In seinem aktuellen Jahresbericht dokumentiert Kreisarchivar Clemens Joos die Bandbreite an Aktivitäten, Neuerwerbungen und Vermittlungsarbeit. Der Bericht wurde nun dem Kreistagsausschuss für Bildung und Soziales vorgestellt.
Besonders erwähnte der Archivar dabei die Rettung historischer Bauakten des einstigen Bezirksamts Donaueschingen. Möglich wurde dies durch eine Vereinbarung mit der dortigen Bauverwaltung.
Zwei Themen, die jüngst noch den Alltag prägten, wurden ebenfalls Teil der Archivbestände: Unterlagen zur Corona-Pandemie im Kreis und zur Aufnahme ukrainischer Geflüchteter vor dem Rechtskreiswechsel. Damit rücken nun auch aktuelle Krisen in den Fokus der historischen Aufarbeitung.
Bedeutende Stücke aus Privatbesitz
Neben amtlichen Dokumenten konnte das Archiv zahlreiche bedeutende Stücke aus Privatbesitz sichern. So wurden unter anderem Teile des Nachlasses des bekannten Ornithologen und Umweltschützers Felix Zinke aus Villingen-Schwenningen übernommen. Er verstarb 2017. Auch kulturhistorisch wertvolle Objekte wie historische Landkarten, Geschäftsbücher der Schwarzwälder Uhrenindustrie oder ein 15-bändiges Herbarium, also eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen aus den 1920er-Jahren, bereichern nun die Sammlung.
Ein besonderer Neuzugang ist der Nachlass des St. Georgener Heimatforschers Heinrich Kieninger, der in diesem Jahr verstorben ist. Ergänzt wird dies durch weitere Dokumente des St. Georgener Schriftstellers und Heimatforschers Bartholomäus Heinemann, der von 1885 bis 1949 lebte. Beta-Cam-Videoaufnahmen wurden erstmals digitalisiert.
Von außen kamen 55 schriftliche Anfragen nach Archivgut und 241 Anfragen zu Bauakten, die überwiegend vor Ort eingesehen wurden.
Mehr Platz für Bilder und Bücher
In zwei neuen Sammlungsschränken kommt die analoge Fotosammlung unter. Die Bibliothek des Kreisarchivs wuchs um 474 neue Bände, darunter eine Sammlung von 241 regionalgeschichtlichen Werken. Eine wertvolle Schenkung kam vom Haus Fürstenberg mit den zweibändigen „Mitteilungen aus dem F. F. Archiv“.
Auch außerhalb des Lesesaals war der Kreisarchivar gefragt: Bei den „Königsfelder Begegnungen“ hielt Clemens Joos einen Vortrag über jüdisches Leben in der Region. Im Dezember sprach er bei Veranstaltungen in Bräunlingen und Wolterdingen über vorderösterreichische Geschichte und den Bauernkrieg vor 500 Jahren. Ein Besuch von Freiburger Studierenden unterstrich das Interesse der jungen Generation an Archivarbeit.
Über den Tellerrand
Im Kulturbereich war der Kreisarchivar in zahlreichen Gremien aktiv. Im Stadtmuseum Hüfingen wurde aus der Ausstellung „Hausfriedensbruch“ das Kunstwerk „Alexandria“ von Tom Grimm für das Archiv erworben – ein Zeichen dafür, dass Archivarbeit heute längst nicht mehr nur in Aktenordnern stattfindet. Ob historische Notgeldscheine, Theaterjournale zu Stücken von Thomas Strittmatter oder Patenbriefe aus der Raumschaft St. Georgen: Es zeigt sich im Jahresbericht, dass sie lebendig, vielfältig und oft spannender als gedacht ist.
Blick nach vorn: Tag der Regionalgeschichte
Termin im September
Ein besonderes Ereignis steht noch bevor: Am 21. September wird der „Tag der Regionalgeschichte“ in der Stadthalle St. Georgen ausgerichtet – ein Forum für Forschende und Heimatinteressierte der Region.
