Aussichtsturm in Villingen: Eine Genossenschaft mit Weitblick

Der Aussichtsturm ist 30 Meter hoch und hat eine außergewöhnliche Form.
Marc EichSchon gewusst, dass der Villinger Aussichtsturm auf der Wanne einer der ältesten Stahlfachwerktürme der Welt ist? Das Stadtarchiv der Doppelstadt hat sich auf Spurensuche begeben und erzählt von der bewegtem Geschichte des Aussichtsturms.
Die Genossen, die sich 1888 zusammen taten und jeweils 200-Mark-Anteile für die Aussichtsturm-Genossenschaft zeichneten, wollten auf dem Berg Wanne hoch hinaus.
Ein Aussichtsturm sollte die Stadt Villingen zusätzlich verschönern und Touristen anlocken. 30 Meter hoch und in ungewöhnlicher achteckiger Form mit Wendeltreppe, wurde der Turm am 16. September 1888 feierlich mit Bollerschüssen und mit großem Begleitprogramm eingeweiht.
Die Stadt kauft den Turm 1911
Auch wenn sich der Aussichtsturm in den nächsten Jahren großer Beliebtheit erfreute, ein rentables Projekt wurde er für die Genossenschaft nicht, und daher entschied man sich, den Turm der Stadt zum Kauf anzubieten. Dieses Angebot nahm die Stadt schließlich an und erwarb den Turm 1911.

Eine historische Postkarte aus dem Jahr 1895 zeigt den Aussichtsturm auf der Wanne.
Foto: StadtarchivEin Jahresabo konnte von nun an für eine Mark, eine einmalige Eintrittskarte für 20 Pfennige erworben werden. Bald jedoch erkannte man, dass sich Kosten und Einnahmen aufhoben und daher wurde der Aufstieg für jedermann kostenlos.
Beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt
Über die Jahrzehnte blieb der Aussichtsturm ein beliebter Ausflugsort, und so manches Waldfest wurde an seinem Fuße gefeiert. Mit der Zeit entwickelte sich der Turm auch zum Treffpunkt für Kinder und Jugendliche und wurde dabei häufig als Klettergerüst zweckentfremdet.
Zusammen mit dem Zahn der Zeit, nagte dies jedoch erheblich an der Substanz des Bauwerks, das zunehmend dem Verfall ausgesetzt war und schließlich aus Sicherheitsgründen zur Schließung führte.

Die Einladung zum Eröffnungsfest 2002
Foto: StadtarchivEwald Merkle, Ehrenbürger der Stadt Villingen-Schwenningen, rief die Aktion „Rettet den Aussichtsturm“ ins Leben, und die Bürger folgten dem Ruf und spendeten in zahllosen Veranstaltungen und Aktionen insgesamt 232 000 DM für die Instandsetzung.
Die feierliche Wiedereröffnung wurde zunächst, aufgrund der Terroranschläge vom 11. September 2001, auf den 5. Mai 2002 verschoben und fiel dann aufgrund schlechten Wetters buchstäblich ins Wasser.
Die Aussicht in 30 Metern Höhe, die über den Schwarzwald und die Baar und bei gutem Wetter sogar bis zu den Alpen reicht, kann man seitdem trotzdem wieder ungestört genießen.