Aus der Stadtkapelle Trossingen wird das „Smart-Kick-Team“: Wie die neue Formation ihren ersten Auftritt meisterte

Stefanie Jansen, hier auch mal als Sängerin am Mikrofon, feiert ihr Dienstjubiläum an der Musikschule. Die Stadtkapelle Trossingen agiert dabei unter ihrer Leitung erstmals als „Smart-Kick-Team“ im Bigband-Stil.
Ingrid KohlerNein, es war nicht Samstagabend, sondern ein Freitag, und es waren auch nicht neuesten Sportnachrichten, die das Publikum erwartete.
Der schmissige musikalische Auftakt war dennoch allseits bekannt, handelte es sich doch um den „Opener“ für das Aktuelle Sportstudio, der seit 1963 nicht nur in den Ohren absoluter Sportfans bekannt und ein Arrangement von Max Greger ist.
Mit diesem Einstieg kündigte Stefanie Jansen „einen kleinen Streifzug durch die Bigband-Klassiker“ an.
Seit 30 Jahren Unterricht
Zum Feiern hatten Stefanie Jansen und eine große Schar von Gästen allen Grund, denn seit genau 30 Jahren unterrichtet sie an der Musikschule Trossingen Schüler im Alter von fünf bis 78 Jahren an der Klarinette und dem Saxophon.
Sie hat aber auch bereits im dritten Jahr den Vorsitz der Stadtkapelle Trossingen übernommen, bei der sie seit 35 Jahren spielt und geht mit dieser aktuell neue Wege. „Die Stadtkapelle ist geschrumpft“, denn „ früher haben wir sinfonische Blasmusik gespielt, hatten als Ersatz für die Geigen unsere Klarinetten“, betonte Jansen, doch es fehle der Klarinettennachwuchs. Deshalb habe sie überlegt, aus der Stadtkapelle eine Bigband zu machen. Entstanden ist das „Smart-Kick-Team“, das sich nun zu ihrem Dienstjubiläum an der Musikschule Trossingen erstmals in der Öffentlichkeit präsentierte.
„Ich selbst habe seit meiner Jugend in Bigbands gespielt“, sagt sie und ihre Leidenschaft hierfür ist nicht zu überhören. „Und jetzt macht es allen riesen Spaß“, erzählt Stefanie Jansen. „Ich freue mich über die Entwicklung und vor allem, dass alle mit viel Freude in die Proben, die jeden Mittwochabend stattfinden, kommen.“ Die Proben seien früher nicht gut besucht gewesen.
Eigene Schüler und Vollblutmusiker
Aktuell besteht das „Smart-Kick-Team“ aus neun Saxophonisten, fast alles Schüler von Stefanie Jansen. „Auch mein erster Saxophonschüler im Jahr 1980, Horst Musotter, der auch viele Jahre in der Stadtkapelle spielte, ist mit dabei, ebenso Chris Feger“, freut sie sich. Auch Stadtkapellen-Gründungsmitglied Klaus Dietrich ließ es sich nicht nehmen und spielt in der Bigband mit.
Die einzige Klarinettistin ist Judith Kaspar. Da die Kooperation der Stadtkapelle mit der Hochschule für Musik nach wie fortbesteht, kann Stefanie Jansen auch auf zwei junge Trompeter der Hochschule zählen.
Weitere in Trossingen keineswegs unbekannte „Vollblutmusiker“ zeichnen die neue Formation aus: Bassist Michael Vliex, der über viele Jahre die Bigband des Gymnasiums zu großen Erfolgen führte, der Schlagzeuger Wolfgang Schmitz, Michael te Kaeth am Piano und Rares Popsa an der Gitarre. Das „Smart-Kick-Team“ begeisterte das mit Zwischenapplaus nicht geizende Publikum mit so bekannten Stücken wie „A String of Pearls“ im Arrangement von 1941 von Glenn Miller oder Count Basies „Hay Burner“ im Arrangement von Sammy Nestico, ebenso „Satin Doll“, dessen Original von Duke Ellington war.
Hommage an Birdland
In den meisten Stücken hatten Solisten die Gelegenheit, ihre Leidenschaft zum Bigband-Style unter Beweis zu stellen. So bei „Satin Doll“, Michael te Kaeth am Piano, Michael Vliex am Bass und Rares Popsa an der Gitarre.
Bei Count Basies „Cute“ war es Drummer Wolfgang Schmitz. Mit dem Klassiker „Birdland“ gab es eine Hommage an den Club Birdland in New York, „wo jeder von Rang und Namen aufgetreten ist“, erläuterte Stefanie Jansen, die auch eine „Special Guest“ mitgebracht hatte, nämlich Michael Lauenstein, mit dem sie bereits Mitte der 1990er-Jahre in einer Bigband gespielt hatte. Michael Lauenstein ist Akkordeonlehrer an der Musikschule Trossingen und präsentierte als Akkordeon-Virtuose gemeinsam mit der Bigband das Stück „St. Thomas“.
Dass sie auch eine gute Stimme hat, zeigte Stefanie Jansen bei „All of me“. Nachdem der „Sportstudio-Ohrwurm“ eigentlich das rund 70-minütige Konzert beendete, griff sie bei der vom Publikum geforderten Zugabe beim „Nice and Easy Blues“ von Bob Minzer zu ihrem geliebten Saxophon und begeisterte mit einem Solo.
Auftritt in Spaichingen
„Jedes Ende ist ein neuer Anfang“, freute sich Stefanie Jansen über den so überaus gelungenen Neustart der Stadtkapelle.
Noch vor den Sommerferien hat die Formation einen weiteren Auftritt beim Primtalsommer in Spaichingen, außerdem sei ein Auftritt in Königsfeld in der Planung. „Wir freuen uns schon jetzt, dass wir eingeladen sind, den Neujahrsempfang der Stadt Trossingen im Januar 2026 musikalisch zu umrahmen.“