Abschied im Kreistag
: „Ein liebenswerter Schwabe“ geht: Sozialdezernent verabschiedet sich

Jürgen Stach hat den sozialen Bereich im Schwarzwald-Baar-Kreis geprägt. Nun wurde er verabschiedet – mit Lob, Dank und einem Appell zur Reform des Sozialstaats.
Von
Daniela Schneider
Oberndorf
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Abschied im Kreistag: Landrat Sven Hinterseh dankt Sozialdezernent Jürgen Stach (links) für seine langjährige Tätigkeit beim Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis und verabschiedet ihn in den Ruhestand.

Daniela Schneider

„Ein liebenswerter Schwabe geht den Badenern hier verloren”, sagte Landrat Sven Hinterseh in der jüngsten Kreistagssitzung in Villingen und meinte damit den scheidenden Sozialdezernenten Jürgen Stach.

Der Tuttlinger verlässt die Landkreisverwaltung in Richtung Ruhestand. Hinterseh bedankte sich bei dem Scheidenden und sagte: „Ich habe viel von Ihnen lernen dürfen.”

Jürgen Stach selbst betonte, dass er immer auf Teamleistung statt auf Einzelleistung gesetzt habe.

Er richtete seinen Dank auch ans Gremium. Bei aller Kritik sei auf persönlicher Ebene „immer eine vertrauensvolle, wertschätzende Arbeit möglich“ gewesen.

Jahrzehnte im Sozialwesen

Er tritt nun zum Jahresende in den Ruhestand und blickt auf vier Jahrzehnte im Sozialwesen und auf fast drei Jahrzehnte beim Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis zurück.

Landrat Hinterseh würdigte seine langjährige Tätigkeit: „Sie haben sehr viel geleistet“, bescheinigte er ihm. Mit Blick auf Stachs Lebenslauf zeigte sich Hinterseh beeindruckt: „Sie sind jemand, der von der Pike auf seinen Beruf erlernt hat, das beeindruckt mich sehr.“

1996 zur Kreisverwaltung gekommen

Seitens der Landkreisverwaltung wurde sein berufliches Wirken hier noch einmal zusammengefasst: Zum Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis kam Stach demnach am 1. August 1996 als Leiter des Sozialamtes. Herausforderungen gab es für ihn in dieser Zeit viele.

Mit zu den größten Aufgaben zählte die Umsetzung von Hartz IV zum Jahreswechsel 2005. Insbesondere die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum Arbeitslosengeld II war eine gewaltige Aufgabe für die Sozialverwaltung. Zum selben Zeitpunkt war die Verwaltungsreform umzusetzen.

Zwölf Jahre war Jürgen Stach in der Funktion des Leiters des Sozialamtes tätig, dann wurde er 2008 der erste kommunale Sozialdezernent des Landratsamtes.

Kaum im Amt wirkte sich die Finanzkrise auf den sozialen Bereich mit hoher Arbeitslosigkeit und hohen Leistungsempfängerzahlen aus. In dieser Zeit wurde das Jobcenter als gemeinsame Einrichtung der Agentur für Arbeit und des Landkreises eingerichtet.

2015 und 2016 einschneidende Jahre

Ein wichtiges Zukunftsprojekt war die Demografiestrategie, die unter Jürgen Stachs Federführung in der Sozialplanung gesteuert wurde. Einschneidend waren die Jahre 2015 und 2016, in denen die Herausforderungen der Flüchtlingsbewegungen zu bewältigen waren. Turbulent wurde es mit der großen Reform des Bundesteilhabegesetzes, der Bewältigung der Corona-Pandemie, der Eingliederung des Jugendamtes der Stadt Villingen-Schwenningen und nun der kommunalen Finanzkrise.

Prozess wird weitergeführt

Jürgen Stach begann den Ansatz der Sozialraumorientierung umzusetzen, womit die Gesellschaft wieder mehr in die Verantwortung für soziale Themen gebracht werden soll. Dieser Prozess wird nun in der Verwaltung weitergeführt. Wie er als erfahrene Führungskraft im sozialen Bereich die aktuellen Entwicklungen, bei denen die Sozialausgaben stetig steigen sieht, erklärt er so: „Ich bin der festen Überzeugung, dass in Deutschland unser soziales Sicherungssystem auf sichere Beine gestellt werden muss und zwar relativ schnell. Dabei liegt es für mich klar auf der Hand, dass das nur dann funktioniert, wenn soziale Leistungen reduziert werden.“

Als Sozialdezernent war er auch außerhalb der Kreisverwaltung aktiv, um die Interessen des Landkreises zu vertreten und sein Fachwissen einzusetzen.

Er war im Sozialausschuss des Landkreistages, im Förderausschuss des KVJS, in der Trägerversammlung des Jobcenters, im Vorstand des Hospizes Am Dreifaltigkeitsberg in Spaichingen und im Aufsichtsrat der Inklusiv gGmbH der Caritas.

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