125 Jahre Schwenninger Musikverein: So entwickelt sich die Harmonie

Zum 60. Geburtstag gab es für den Musikverein Harmonie neue Uniformen. Stolz präsentierte sich die Kapelle vor der katholischen St. Franziskuskirche in Schwenningen mit ihrem damaligen Vorsitzenden Christian Haar (Fünfter von rechts). (Archivfoto)
Jochen SchwilloZu den Gästen zählen die Trachtengruppe des Schwenninger Heimatvereins, die Schwenninger Stadtmusikanten und der Musikverein Schabenhausen. Höhepunkt ist um 17 Uhr ein Blasmusik-Gesamtchor, kündigt die Harmonie-Vorsitzende Monika Rudolph an.
Seit einigen Jahren bereits finden solche Frühjahrsveranstaltungen in Mühlhausen statt, die von der Bevölkerung gerne angenommen werden. Die Schwenninger Harmonie nutzte die Hocks auch immer wieder zur eigenen Werbung, um neue Musikerinnen und Musiker zu begeistern, so auch in diesem Jahr.
„Wir laden herzlich erfahrene Blasmusiker und die, welche es noch werden wollen, dazu ein, sich von der Vereinsatmosphäre der Harmonie begeistern zu lassen und unser Orchester aus derzeit neun hochmotivierten Musikern zu verstärken“, rührt Monika Rudolph die Werbetrommel und hofft, dass der eine oder andere Musiker, der eventuell vor langer Zeit ein Instrument lernte, den Weg zum Schwenninger Musikverein findet, um seinem Hobby wieder nachzugehen.
Dass sich die Gesellschaft in den vergangenen Jahren stark gewandelt hat, spürt nicht nur die Harmonie. „Viele Vereine haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen“, so Monika Rudolph mit Blick auf den Mitgliederschwund. Zunehmend werde es schwieriger, Menschen dauerhaft an einen Verein zu binden und sie für die Gemeinschaft zu begeistern.
Vier Projekte
Hier setzen Monika Rudolph und ihr Vorstandsteam auf vier wiederkehrende Projekte, für die der Verein musikalische Unterstützung und helfende Hände benötigt: die Schwenninger Fasnet, den Frühlingshock, das Jahreskonzert und die Besuche und Auftritte bei befreundeten Vereinen und Sommerfesten. Wer dazu Lust hat, darf die Harmonie gerne am Samstag ansprechen.
Die Gründung
Dass es zur Gründung des Musikvereins gekommen war, lag daran, dass in Schwenningen Ende des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung Fahrt aufnahm. Die Uhrenfabriken wurden größer und dadurch kamen immer mehr Arbeiter, auch katholischen Glaubens, an den Neckarursprung, deren Hunger nach kultureller und sportlicher Freizeitgestaltung groß war. In Schwenningen gab es bereits den 1887 gegründeten Musikverein und die 1896 von der Turngemeinde gegründete Turnerkapelle, welche sich 1905 selbstständig machte und den Musikverein „Concordia“ gründete.
Die Harmonie als dritte Blaskapelle im Ort setzte wohl ihren Fokus auf die katholische Bevölkerung, die eine rasante Entwicklung hinlegte. Als der Verein im Jahr 1900 gegründet wurde, waren von über 10 000 Schwenningern bereits rund 1500 katholischen Glaubens. Die Gründungsversammlung der Harmonie fand am 14. Januar 1900 im Gasthaus „Zum Waldhorn“ am Marktplatz statt. Im März gab es die erste Mitgliederversammlung, die mit einem zünftigen Marsch eröffnet wurde. Zum ersten Vorstand wurde Werkführer Kienzler gewählt, erster Dirigent war Lehrer Enzmann.
Von Frauenregie geführt
Im Jubiläumsjahr führt Monika Rudolph den Verein, die bereits seit 1989 aktiv ist und als 14-jähriges Mädchen in eine Männerriege stieß. „Heute wird die Harmonie von einer Frauenriege geführt, was früher undenkbar war“, so die Vorsitzende. Eine lange Karriere kann auch Harald Leibold vorweisen, der seit 2002 den Musikverein dirigiert, der Harmonie jedoch annähernd seit fast 50 Jahren als aktiver Musiker angehört. Vor Leibold waren es 20 Dirigenten, die den musikalischen Takt vorgaben.
„Katholische Musik“
Da die Harmonie in Schwenningen auch als „katholische Musik“ bekannt war, lag es auf der Hand, dass sie sich neben den anderen katholischen Vereinen im „Badischen Hof“ regelmäßig zu ihren Proben und Vereinsabenden trafen. In späteren Jahren gehörten die Janusz-Korczak-Schule, die Gartenschule sowie die Schlossbühlschule in Mühlhausen zu den Probelokalen. Aktuell probt man immer am Montagabend im Heimatstüble in Mühlhausen.
Verbindung zur Zunft
Eine ganz besondere Verbindung hat der Musikverein zur Narrenzunft Schwenningen. Dirigent Christian Schlenker, genannt „Lumpechristele“, komponierte 1933 den Schwenninger Narrenmarsch. Die Verbindung zwischen Narren und Harmonie reichte sogar so weit, dass mit dem Wiederbeginn der Zunft nach dem Zweiten Weltkrieg die Harmonie die Narrenmusik der Narrenzunft wurde. So begleitete man regelmäßig die Hanselgruppe. Einer der Höhepunkte für den Verein war hierbei 1957 die Teilnahme am Narrenfreundschaftstreffen in der eigenen Stadt.
Da die Harmonie momentan selbst an großen Umzügen nicht mehr mitwirken kann, unterstützt sie die Zunft beim Fasnetauftakt, der Verhaftung des Oberbürgermeisters und der Messe für Narren. Ebenfalls in den 1950er-Jahren war die Harmonie auch als Trachtenkapelle unterwegs und verstärkte musikalisch die Schwenninger Trachtengruppe.
Soziale Komponente
Ein wichtiges Anliegen ist beim Musikverein die soziale Komponente. Seit über 50 Jahren treten die Musikerinnen und Musiker am Heiligen Abend im Bürgerheim und im AWO-Seniorenzentrum auf. „Wenn diese Auftritte fehlen, wäre für die meisten von uns gar nicht richtig Weihnachten“, stellt Monika Rudolph fest.
Und diese Tradition werde man auch im 125. Jahr des Musikvereins Harmonie aufrechterhalten.