Weniger Mitarbeiter in St. Georgen: EBM-Papst „hat Delle überwunden“

Mit der Ausglieder der Sparte Industrielle Antriebstechnik hat EBM-Papst die Zahl seiner Mitarbeiter am Standort St. Georgen von 700 auf rund 620 Personen reduziert.
Helen MoserAm Standort St. Georgen beschäftigte EBM-Papst bislang rund 700 Mitarbeiter. Durch den Wegfall des Bereichs Industrielle Antriebstechnik reduziere sich die Zahl um 84 Personen, ist von Pressesprecher Hauke Hannig zu erfahren.
Diese Personen seien vom Käufer, der Siemens AG, übernommen worden und würden nun in deren Firmengebäude in der Industriestraße 29 in St. Georgen beschäftigt.
Weltweit arbeiten in der Unternehmensgruppe 13 500 Personen, hieß es bei der Pressekonferenz. Klaus Geißdörfer, Vorsitzender der Gruppengeschäftsführung, betonte, dass bei den Mitarbeiterzahlen die Auslastung und die Abhängigkeit von geopolitischen Veränderungen eine Rolle spiele.
„Wir müssen auf Sicht fahren“
Als Beispiel nannte Harald Klaiber, Gruppengeschäftsführer Finanzen und Controlling, die „Tagesform“ des amerikanischen Präsidenten, dessen Zollpolitik für Verunsicherung sorge. „Wir müssen immer auf Sicht fahren.“ Langfristige Prognosen seien „extrem schwierig“. Aber: „Im Moment sind wir gut unterwegs.“
Ein Schutz vor Krisen und Zollstreitigkeiten bietet die Unternehmensstrategie, weltweit mit Produktionsstandorten vor Ort zu sein. Diese Strategie werde weiter verfolgt. Dabei verwies Klaiber auf einen Werksneubau im rumänischen Oradea für 30 Millionen Euro mit Baubeginn im April, eine Erweiterung am chinesischen Standort XI’an ebenfalls für 30 Millionen Euro mit Eröffnung im Oktober und ein Werksneubau im indischen Chennai für 36 Millionen Euro mit Spatenstich im April. Auch in Deutschland werde kräftig investiert. So konnte das E-Drive Solution Labs mit einer Investitionssumme von 30 Millionen Euro im März eröffnen. 15 Millionen Euro ließ sich das Unternehmen ihr Highspeed Technikum kosten, das im Dezember vergangenen Jahres am Stammsitz in Mulfingen eröffnet wurde.
Investitionen wieder bei 140 Millionen Euro
Die Investitionssumme des Unternehmens liege im laufenden Geschäftsjahr (1. April 2025 bis 31. März 2026) wieder bei den üblichen 140 Millionen Euro. Nach Umsatzrückgängen im vergangenen Geschäftsjahr sank es auf 121 Millionen Euro. Auch die Mitarbeiterzahl sank in den vergangenen beiden Geschäftsjahren (von 14 938 im Jahr 22/23 auf 13 488 Personen des im März zu Ende gegangenen Geschäftsjahres). Abbau von Personal erfolgt laut Klaiber vor allem auf Kosten von Leiharbeitern und befristet Angestellten. Die Stammbelegschaft werde geschont.

Die Geschäftsführung von EBM-Papst zieht bei der Jahrespressekonferenz Bilanz (von links): Tomas Smetana, Klaus Geißdörfer sowie Harald Klaiber.
Foto: Alina Veth/EBM-Papst„Der Umsatz im Geschäftsjahr 2024/25 lag bei 2,1 Milliarden Euro und verzeichnete damit einen Rückgang von 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum“, erläuterte Klaiber bei der Jahrespressekonferenz. Betrachte man die Entwicklung nach Geschäftsbereichen, zeige sich auch hier der klare Fokus auf das Kerngeschäft, betonte er und führt weiter aus: „Die industrielle Lufttechnik als der Bereich, mit dem EBM-Papst groß geworden ist, steht inzwischen wieder für über 75 Prozent des Gesamtumsatzes.“ Der Umsatzrückgang hier lag konjunkturbedingt bei 8,2 Prozent. Der Bereich Heiztechnik verzeichnete einen deutlichen Rückgang um 27 Prozent, unter anderem bedingt durch marktseitige Verunsicherung im Zusammenhang mit dem Gebäudeenergiegesetz.
Auslaufende Geschäftsfelder reduzieren den Erlös
Geißdörfer ergänzte: Das strategische Auslaufen der Geschäftsfelder Automobiltechnik (Pkw) und Hausgeräten im Standard-Segment – einschließlich der bewussten Entscheidung, kein Neugeschäft mehr in diesen Bereichen zu generieren – habe sich deutlich auf den Gesamtumsatz ausgewirkt. Gemeinsam mit der inzwischen an Siemens übergegangenen industriellen Antriebstechnik sanken die Erlöse in diesen Segmenten um knapp 19 Prozent auf rund 275 Millionen Euro.
Regional betrachtet sei der deutsche Markt infolge des Auslaufens der oben genannten Geschäftsfelder besonders stark betroffen und verzeichnete einen Rückgang von 24 Prozent auf 376,4 Millionen Euro.
Außerhalb Deutschlands habe sich der Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr auf 10,3 Prozent belaufen, der Umsatz lag bei 1,7 Milliarden Euro.
Unternehmen konzentriert sich auf das Kerngeschäft
Mit der strategischen Ausrichtung auf das Kerngeschäft, der Luft- und Heiztechnik, und der globalen Präsenz in Schlüsselmärkten, verfolge EBM-Papst ambitionierte Wachstumspläne. „Bis 2030 wollen wir den Umsatz unseres Kerngeschäfts auf 3,4 Milliarden Euro nahezu verdoppeln“, kündigte Geißdörfer an.
Ein zentraler Wachstumsmarkt für EBM-Papst ist die Kühlung von Rechenzentren. „Der rasante Fortschritt künstlicher Intelligenz bringt einen erheblichen Energiebedarf mit sich. Rechenzentren weltweit verbrauchen bereits heute rund zwei Prozent der globalen Stromproduktion – mit stark wachsender Tendenz“, erklärte Tomas Smetana, Gruppengeschäftsführer Forschung und Entwicklung. Sollte sich der Stromverbrauch bis 2030, wie von der Internationalen Energieagentur (IEA) prognostiziert, verdoppeln, eröffne dies zugleich ein großes Einsparpotenzial. „Bis zu 30 Prozent der Energie werden für die Kühlung aufgewendet – und hier können wir den Verbrauch um bis zu 50 Prozent reduzieren.“ Der Technologiegeschäftsführer betonte: „Ohne effiziente Kühlung gerät die Weiterentwicklung der KI ins Stocken.“
Wirtschaft schaut auf Posts des US-Präsidenten
Bei der Frage nach der Entwicklung der Mitarbeiterzahlen wollte sich Geißdörfer nicht auf längere Zeiträume festlegen. „Auch wir müssen reagieren und Kapazitäten gegebenenfalls anpassen“, verwies er auch auf den US-Präsidenten mit seinen Posts auf sozialen Medien. Man müsse flexibel aufgestellt sein angesichts der Schnelligkeit, mit denen wirtschaftsrelevante Entscheidungen auf diesen Plattformen verkündet würden.