Während der Schließung
: Furtwanger Uhrenmuseum macht mobil

Das Haus wird saniert, die Türen sind geschlossen. Deshalb geht das Furtwanger Museum raus zu den Besuchern. Funktioniert das?
Von
Siegfried Kouba
Oberndorf
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Die komplette Sanierung des Deutschen Uhrenmuseums in Furtwangen ist im Gange, aber die Mitarbeiter wie Johannes Graf und Eva Renz sind voll beschäftigt. Dieses Foto zeigt beide vor einem eingeblendeten Abbild der historischen Noll-Uhr, einem Kuckucks-Foto und der „Kuckucks-Mühle“.

Siegfried Kouba

Das Uhrenmuseum ist seit fast einem Jahr geschlossen. 2027 soll es wiedereröffnet werden. Notwendig wurde die Schließung wegen umfassender energetischer Baumaßnahmen. Aber die Museumsmitarbeiter bleiben präsent: „Wir gehen in die Offensive und wollen für die Bevölkerung da sein.“

Im Gespräch mit den seit mehr als 20 Jahren Verantwortlichen, Eva Renz (Öffentlichkeitsarbeit) und Johannes Graf (stellvertretender Museumsleiter), wird klar, dass alle Beteiligten aktiv sind. Mit „Das Deutsche Uhrenmuseum unterwegs“ zeigen sie Flagge. Damit ist mobile Arbeit gemeint. Nicht die Interessenten kommen, sondern das Museum geht zu den Besuchern und dies in einem Radius von rund 50 Kilometern.

Das Projekt beinhaltet einen Workshop Kuckucksuhr für Feiern und Events, die Arbeit mit Kindergärten – „Wie kommt der Kuckuck in die Uhr?“- sowie weitere Themen für Kinder und Jugendliche. Dabei geht es etwa um Zeitmessung mit der Sonnenuhr, „Philosophieren über Zeit“ oder den Bau einer Lackschilduhr.

Ein Riesenerfolg war bereits das Zusammenwirken mit Kindergärten der Region, so die Verantwortlichen. Als Effekt will man ein „neues Publikum“ ansprechen und hofft mit den Kindern und deren Eltern auf eine künftige Generation an Besuchern. Eine Besonderheit ist der Kinderclub „Finns Freunde“, und mit „Zeitgeschichten“ wurde ein Angebot für Menschen mit leichter oder mittlerer Demenz in Seniorenheimen und Tagespflegeeinrichtungen gestartet.

Workshop zum Kuckuck

Seit Februar 2025 haben sich 40 Kindergärten, sechs Schulen und drei Einrichtungen zum Workshop Kuckuck angemeldet, und ein Riesenerfolg war bereits das Interesse von rund 1000 Kindergartenkindern. Dafür beweist Museumsleiterin Nicole Deisenberger vollen Einsatz mit dem gesamten Team – von den Uhrenrestauratoren, über Empfangsmitarbeiterinnen bis hin zum Museumspädagogen, den Museumsführern oder dem Leitungsgremium.

8000 Einzelstücke

Seit Jahren laufen die Planungen für bauliche Veränderungen der HFU und des Museums, für das es bedeutete, die 8000 Einzelstücke in Sicherheit zu bringen. Dafür sorgten Michael Beck und Michael Hüttlin, die den sicheren Transport der rund 240 Paletten garantierten.

Alles ist leergeräumt

Ab 1. August vergangenen Jahres musste geschlossen werden, um das Depot binnen drei Monaten auszuräumen. Auf einwandfreies Verpackungsmaterial musste geachtet werden – und das gelang, da man gewisse Erfahrungen von Ausleihen für Sonderausstellungen hatte. Alle Ausstellungsräume sind leergeräumt.

„Jetzt liegt alles in Händen der bauausführenden Firmen“, sagt Johannes Graf. Alles muss auf museumstechnisch neuesten Stand gebracht werden.

Berücksichtigt werden dabei die Besucheransprüche. Elektro- und Klimaanlagen, Alarmsysteme, Bodenbeläge (rund zwei Millionen Besucher seit dem Jahr 1992 sorgten für Abnutzung), bis hin zu Deckenverkleidung und Toiletten – das Aufgabenpensum ist groß.

Besucherreaktionen

Potenzielle Besucher meldeten sich, die von der Schließung enttäuscht waren, aber die Notwendigkeit akzeptierten. Um Reisende nicht zu irritieren, hat man entsprechende Hinweise im Stadtgebiet geschaffen und natürlich zeigt die Website: „Museum geschlossen, Museum closed, Musée fermé“.

Täglich gibt es Anfragen

Zur weiteren Arbeit des Personals gehört die Beantwortung teils kniffliger täglicher Anfragen von Uhrensammlern, Erben, die Zeitmesser einordnen wollen, Kollegen anderer Museen, „Bares für Rares“ oder „Kunst und Krempel“.

Wunschvorstellungen

Das Leitungsteam hätte gern ein kleines Café als zusätzliches Angebot für die Gäste und wünscht sich Richtung Gerwigstraße eine größere Glaswand, um einen attraktiven Einblick mit anziehender Wirkung zu erhalten.

Hoffnung gibt es außerdem, dass der Personalstand erhalten werden kann, denn man kann auf zuverlässige Frauen und Männer bauen, die bis zum Limit ausgelastet sind.

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