Tour durch Hammereisenbach
: Hier wird Geschichte lebendig

Thomas Demattio erweckt bei seiner heimatgeschichtlichen Wanderung längst vergangene Zeiten wieder zum Leben. Den Teilnehmern gefällt’s.
Von
Hartmut Ketterer
Oberndorf
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Thomas Demattio (rechts) demonstrierte eine interessante heimatgeschichtliche Wanderung.

Melanie Schreib

Er hatte den Oberhammer mit den Gemarkungsgrenzen Urach und Schollach unter die geschichtliche Lupe genommen.

Bei der Auffahrt zum Sandwerk Riegger, jetzt Uhl, startete die fast 20-köpfige Gruppe und erfuhr dabei, dass hier Eisenbacher Granit abgebaut wird. Es soll der härteste seiner Art sein. Seit über 50 Jahren wird dieser Granit beim Straßenbau in der Schweiz eingesetzt.

Gleich nebendran gab Demattio Erläuterungen zu fünf Häusern, untern anderem Ernst Demattio, Herbert Fleig und Hermann Demattio, die ursprünglich zu Schollach gehörten. Die elf Erwachsenen dieser Behausungen hatten 1977 einen Antrag auf Eingliederung nach Hammereisenbach gestellt. Durch eine einstimmige Entscheidung erfolgte die Verlegung der Kreisgrenze zur Freude der damals neuen Hammereisenbacher Bürger. Station machten die Geschichtsinteressierten weiter beim Dilgerhof mit der 1716 errichteten Beimühle. Die 1975 abgerissene Kornkammer des Dilgerhofes ist nicht mehr auszumachen. Erhalten geblieben ist in der Nähe des Hofes eine mehrere 100 Jahre alte Rundbogenbrücke, die einst für den Erztransport gebaut wurde.

Zu Urach gehörte früher das Haus von Emma Mai, im Volksmund „Wangeremma“ genannt. In dem 1788 erbauten Haus gab es eine Wagnerei bis in die 1950er-Jahre. Bei den Nachbarhäusern Dilger, Schuh und King kristallisierte sich besonders heraus, dass Hammereisenbach viele Handwerker hatte. Angefangen von einer Wagnerei (Wangeremma), Metzgerei und Schuhmacher beim Haus Dilger, Bäckerei bis 1986 (Schuh) und Schmiede, Haus King. Hier gab es sogar bis 1980 eine Aral Tankstelle.

Erfolgreiche Zeit des Hammerwerks

Die Häuser „Großes Haus“, „Blindenhaus“ und Haus Harald Kromer waren mehr oder weniger mit den Arbeiten des Hammerwerks verbunden. Unter der Führung von Ferdinand von Steinbeis gab es erfolgreiche Jahre des Hammerwerks.

Das Haus von Emma Mai mit Wagnerei am Hammereisenbacher Ortsende gehörte bis 1977 zu Urach. (Archivfoto)

Foto: Hartmut Ketterer

Immer wieder ergänzte Demattio seine Ausführungen mit interessanten alten Bildern und verdeutlichte, wie sich das Ortsbild gewandelt hat. Beim Berghäusle zeigte Demattio ein gemaltes Bild vor 1910. Das Haus der Maie Lina fiel dem Straßenbau zum Opfer. Abgebrannnt sind Rieslishäusle und Güntersche Haus und zwei zum Hammerwerk gehörende Schmelzerhäuser. Das Haus s’Schriebers, heute Günter Nock, gehörte früher zu Urach und hatte den Namen wegen den Bergwerkschreibern.

Erinnerung an alte Begriffe

Viele alte Begriffe und Namen rief Demattio bei seinen Schilderungen detailliert in Erinnerung und die Wandergruppe konnte sich gut in das Leben vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten hineinversetzen. Jedes Haus hatte seine eigene, prägende Geschichte. Die Wanderung bei idealem Wetter endete mit einem gebührenden Applaus für Demattios lebendig erzählte Recherchen.

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