Sammlung Grässlin in St. Georgen
: Diese Werke sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen

Einen Bogen von den 1980ern bis in die 2000er-Jahre spannt die neue Ausstellung der Sammlung Grässlin unter dem Titel „Im Land der Motive brennt kein Licht mehr“.
Von
Stephan Hübner
Oberndorf
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Ausstellungsleiterin Ellen Martin lädt in die Räume von Grässlin zur Auseinandersetzung mit Kunstwerken ein.

Stephan Hübner

Unter dem Titel „Im Land der Motive brennt kein Licht mehr“ beleuchten die Kunstwerke gesellschaftliche Missstände, die heute ebenso von Bedeutung sind wie damals.

Bereits in den 1980er-Jahren verarbeiteten Künstler in ihren Werken Themen, die hochpolitisch waren, so Ausstellungsleiterin Ellen Martin.

Gedanken des Umbruchs seien damals parallel zum heutigen Diskurs entstanden, Kriege würden heute wieder zum globalen Phänomen, Rassismus und Kolonialismus bedienten sich ähnlicher Rhetorik. Damals wie heute sei das Ansprechen von Problemen aber oft als Tabubruch gesehen worden.

Leichtigkeit wird mit Betroffenheit verbunden

Dabei wirken die ausgestellten Werke oft auf den ersten Blick gar nicht provozierend, stellen sie teilweise doch schwere Themen sehr farbenfroh dar, verbinden aber auf mehr oder weniger subtile Weise Leichtigkeit mit Betroffenheit.

So bieten beispielsweise zehn kleine Tafeln von Martin Kippenberger kunterbunt gestaltete Alltagsszenen, die manchmal auf schnittige Autos und das Leben von Stars der 80er verweisen, teilweise aber auch starken sexuellen Bezug haben. Das alles direkt neben einer von Cosima von Bonin geschaffenen, auf Hochglanz polierten Rakete, auf der ein Stofftier in sich zusammengesackt ist, oder einem von Albert Oehlen geschaffenen Bildnis, das sich in teils sehr düsteren Farben mit der ehemaligen Adolf-Hitler-Brücke in Krefeld auseinandersetzt.

Raumgreifende Kunstinstallationen warten auf die Besucher der Ausstellung.

Foto: Stephan Hübner

Ein anderes Kunstwerk thematisiert mit der Aufschrift „Russische Marmelade“ als Synonym für Kaviar die Flick-Spendenaffäre.

Offensichtlich brutaler und auf manchen verstörend wirken könnten raumgreifende Kunstinstallationen. Beispielsweise eine Hütte von Mike Kelley, mittels derer er sich mit der von Wilhelm Reich propagierten Orgontherapie und Masturbation auseinandersetzt und sich mit „Colema Bank zur Darmentleerung“ einem absolut nicht öffentlich diskutierten Thema widmet.

Komplett in orange gehaltener Raum

Unangenehme Assoziationen an Filme wie Videodrome scheint dagegen ein komplett in orange gehaltener Raum von Kai Althoff zu wecken, in dem Puppen teilnahmslos vor einem flimmernden TV-Gerät auf dem Boden liegen.

Den Kolonialismus wiederum thematisiert dagegen Manuel Ocampos Tortas „Imperiales (Imperial Slap)“, in dem ein kränklich wirkender, alter weißer Mann von einem Esel als Doktor gepflegt wird, während ein Stammeskrieger verwirrt dreinschaut.

Weitere Kunstwerke stammen von Kai Althoff, Werner Büttner, Günther Förg, Georg Herold, Hans-Jörg Mayer, Reinhard Mucha, Markus Oehlen, Tobias Rehberger, Chéri Samba, Jörg Schlick und Christopher Williams.

Ausstellung bis März 2027 zu sehen

Geöffnet ist die Ausstellung ab 13. Juli, die Kunstwerke werden bis 31. März 2027 zu sehen sein. Eine Eröffnungsfeier ist laut Ellen Martin nicht geplant. Stattdessen gibt es am 20. Juli jeweils um 10 und um 14 Uhr kostenfreie Rundgänge mit Erläuterungen. Hierfür sollten sich Besucher zwei Stunden Zeit nehmen. Treffpunkt ist das ehemalige Kippys, das nach Umbauten in den Kunstraum integriert wurde.

Darüber hinaus können Teile der Ausstellung im Rahmen der „Kunst im öffentlichen Raum“ an verschiedenen Stationen jederzeit in Augenschein genommen werden. Weitere Infos bietet im Internet die Seite „sammlung-graesslin.eu“.

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