Professor lässt Zukunft wachsen: Thomas Schlegel macht Hochschule Furtwangen zum Reallabor

Thomas Schlegel, Professor an der Hochschule Furtwangen, leitet das Institut für Intelligente Interaktive Ubiquitäre Systeme (IIIUS). Sein Spezialgebiet: das Zusammenspiel von IT, Systemen und Menschen.
Hochschule Furtwangen- HFU-Professor Thomas Schlegel baut in Furtwangen ein Reallabor für Mensch-Maschine-Interaktion.
- Im Labor stehen ein halber Straßenbahnwaggon, ein DB-Abteilsegment und eine gebogene Bildschirmwand.
- Sein Team entwickelt praxisnahe Projekte – vom Eiszeitportal bis zu Paketrobotern im ÖPNV.
- Schlegel leitet das Institut IIIUS und betreut Promovierende in Furtwangen und Dresden.
- Einblick ins Labor am 9. Juli: Unternehmen können die Möglichkeiten vor Ort erleben.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wäre er nicht Informatiker, hätte er wohl als Gärtner beste Chancen: Wo Thomas Schlegel hinfasst, wachsen Dinge – Institute, Studienrichtungen, Teams und beinahe unzählige Forschungsprojekte. An der Hochschule Furtwangen (HFU) leitet er das Institut für Intelligente Interaktive Ubiquitäre Systeme (IIIUS) und bringt ein Spezialgebiet mit, in dem es nicht viele ausgewiesene Wissenschaftler gibt: das Zusammenspiel von IT, Systemen und Menschen. So formuliert es die HFU in einem Porträt über den Professor.
„Ich habe offenbar ein Talent dafür, Strukturen aufzubauen“, sagt er schmunzelnd. Dass er dabei immer die Perspektive der Nutzer mitdenkt, zieht sich wie ein roter Faden durch seinen Werdegang. Begonnen hat dieser Weg mit einem Studium der Softwaretechnik an der Universität Stuttgart, das er als Diplom-Informatiker abschloss. Es folgte der Einstieg in die angewandte Forschung an einem Fraunhofer-Institut – und parallel dazu die Promotion.
Er führt Unternehmen vom Laufzettel zum Tablet
Schlegel gründete außerdem ein Startup, das Unternehmen – wie er sagt – „hochgeschossen“ hat: von Papierformularen hin zu vollständig digitalen Abläufen, vom Laufzettel zu Tablet und Smartwatch.
Nach der mit Auszeichnung abgeschlossenen Promotion wechselte Thomas Schlegel an die Universität zurück, zum größten Visualisierungsinstitut Deutschlands, wo eine Teamleitung für interaktive Systeme gesucht wurde – genau im Spannungsfeld zwischen Informatik und Mensch, das ihn bis heute prägt. Anschließend wechselte er auf eine Juniorprofessur an die Technische Universität Dresden. Seine Frau zog ihm nach; in Dresden wurden auch die beiden Kinder geboren.
Lehre an Uni und Hochschule
Fachlich konnte er dort die Vertiefungsrichtung Software Engineering Ubiquitärer Systeme in der Medieninformatik aufbauen. Nach vier Jahren hatte er die Habilitationsäquivalenz erreicht – und gehört damit zu den wenigen Personen, die sowohl an einer Universität als auch an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften lehren können.
Aus persönlichen Gründen kehrte die Familie nach Baden-Württemberg zurück. An der Hochschule Karlsruhe übernahm Schlegel eine Professur mit ÖPNV-Schwerpunkt, baute das Institut für ubiquitäre Mobilitätssysteme auf und entwickelte eine Informatikausbildung für Verkehrssystemmanager.
Gerne in kühleren Höhen
Der nächste große Ortswechsel führte ihn in den Schwarzwald. „Eigentlich sind wir Klimaflüchtlinge“, sagt Schlegel lachend – und meint die Zeit in der heißen Rheinebene. Heute lebt die Familie in St. Georgen. Schlegel kannte den Medieninformatik-Studiengang in Furtwangen; auch die wissenschaftliche Ausrichtung der HFU reizte ihn.
In seiner Freizeit trainiert und lehrt er als Träger von drei schwarzen Gurten Karate. In Furtwangen genießt Thomas Schlegel vorwiegend die Unterstützung, die er beim Aufbau seiner Arbeitsumgebung erfahren hat. Die Hochschulleitung setzte sich dafür ein, dass er große Teile seines Karlsruher Labors mitbringen konnte.
Da steht ein halber Straßenbahnwaggon
Heute stehen ihm zwei großzügige Etagen im Gebäude R zur Verfügung, in denen er ein Labor eingerichtet hat, das man so schnell kein zweites Mal findet: Ein halber Straßenbahnwaggon der Karlsruher Verkehrsbetriebe, ein Abteilsegment der Deutschen Bahn, ein ExploraVision-Tisch und eine halbrunde, zimmergroße, gebogene Wand aus Bildschirmen ermöglichen es, Mensch-Maschine-Interaktionen besonders realitätsnah zu untersuchen.
Als „Orchideenzüchter“ setzt er Spektakuläres um
Inzwischen arbeitet ein Team von rund 15 Personen mit ihm in Furtwangen, dazu betreut er drei Promovierende vor Ort und zwei weitere Doktorandinnen in Dresden. Das eigene Promotionsrecht, das mit seiner Dresdner Uni-Professur einhergeht, bezeichnet er als „Orchideenfall“. Als „Orchideenzüchter“ macht Schlegel Projekte möglich, die oft spektakulär sind und nah an der Praxis.
Ein Selfie mit Wollnashorn gefällig?
Etwa ein virtuelles Eiszeitportal auf dem Naturerlebnispfad, in dem man ein Selfie mit einem Wollnashorn machen kann. Eine mobile App, die Jugendlichen altersgerechte Umweltbildung bietet. In St. Georgen setzt er mit einer studentischen Gruppe einen digitalen Tourismuspfad mit QR-Codes um und gestaltet einen ExploraVision-Tisch.
Aktuell testet er im Labor, wie Paketroboter den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Und zusammen mit einer Forschungskollegin plant er, bald einen Postroboter über den Campus Furtwangen fahren zu lassen. „Mir ist wichtig, dass Versuchsplattformen nicht im Labor steckenbleiben“, sagt er. „Wir versuchen immer, sie in einen praktischen Nutzen zu überführen – in Kommunen, in Unternehmen oder direkt am Campus.“
In einem aktuellen Projekt widmet sich Thomas Schlegel dem Thema Leitstände. Bei aller Technik bleibt für Schlegel der Mensch im Zentrum. Und wie bei seinen „Orchideenfällen“ scheint auch hier zu gelten: Wenn er sich um ein Thema kümmert, wächst daraus fast immer ein ganzes Ökosystem.
Einblick ins Labor am 9. Juli
Das Institut IIIUS und sein Labor lassen sich an der HFU am 9. Juli erleben. Gemeinsam mit der IHK lädt Thomas Schlegel Unternehmen ein, die Möglichkeiten des Labors zu erleben. Weitere Informationen und Anmeldung: https://iiius.de/lab2026/

