Lesung in St. Georgen
: Sie sprechen offen über ihre psychischen Erkrankungen

„Mut für die Seele: Geschichten der Hoffnung“ – unter diesem Titel stellten sich mehrere junge Frauen mit ihren speziellen Geschichten bei einer Veranstaltung in St. Georgen vor.
Von
Hans-Jürgen Kommert
Oberndorf
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Maya und weitere Autorinnen erzählen in Form einer Lesung von ihren schwersten Zeiten – und machen damit Hoffnung und Mut.

Hans-Jürgen Kommert

Geschichten, die nicht unbedingt mit Ausgrenzung von außen zu tun hatten, vielmehr war es die eigene Seele, die sich ihnen in den Weg stellte.

Wenn die Seele leidet, wirkt sich das mittelbar oder unmittelbar auch auf den Körper aus. Maya, Jo und Luna (letztere per Video aus Australien) lasen aus dem Buch „Mutkette“, das neun junge Menschen mit kurzen Geschichten um ihre psychischen Erkrankungen füllten und dabei nach jeder Geschichte der Kette eine neue Perle zufügten.

Insgesamt neun Autorinnen gehen in diesem Büchlein sehr offen mit ihren Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen um. Die Geschichten bewiesen am Ende eines: Niemand ist allein, Hilfe ist möglich, auch Besserung bis hin zur Heilung.

Ihre erste Lesung

Sie seien ein wenig nervös – es sei ihre erste Lesung, erzählten Maya und Jo. Persönliche Erfahrungen, aber auch dunkle Seiten ihres Ich stellten die jungen Frauen vor.

Ein lyrischer Beginn und ein ebensolches Ende hatte Maya ihrer ersten Geschichte gegeben. Eine Geschichte, deren Höhepunkt die Notaufnahme eines Krankenhauses war – ihre Seele schrie durch Selbstverletzungen um Hilfe. Mit elf Jahren war sie Schmerzpatientin – ohne erkennbare Ursachen. Am Ende standen Depressionen, Zwangsstörungen und ein Borderline-Syndrom. Klinikaufenthalte – mit guten wie schlechten Erfahrungen -, Wohngruppen und die Rückkehr nach Hause schlossen sich an.

Hündin leistet Beitrag

Eine junge Hündin, für die sie die Verantwortung bekam, habe einen großen Beitrag zur Genesung geleistet. Sie konnte ihr Abitur nachholen und studiert nun Psychologie – „vor vier Jahren lag der Fokus eher auf der Wohngruppe als der Uni. Sie fügte der Mutkette die Perle „Hoffnung“ hinzu.

In einer zweiten Geschichte spricht sie davon, dass psychische Erkrankungen schwerwiegend und ernst zu nehmen seien. „Ob man in fünf oder 50 Metern Tiefe ertrinkt, spiele am Ende keine Rolle. Doch eine Besserung oder gar Genesung sei möglich – daher füge sie eine Perle „Optimismus“ hinzu.

Streit, Gewalt und Hass kennengelernt

Kollegin Rebecca musste leider fernbleiben – doch Maya las auch für sie: Streit, Gewalt und Hass habe diese kennengelernt, dazu entwickelte auch sie Schmerzen, die erst später als psychosomatisch bedingt diagnostiziert wurden.

Aus einer therapeutischen Wohngruppe sei sie rausgeflogen, erst der Umzug zur Großmutter und die eigene Gründung einer Wohngruppe mit Freunden habe einen Durchbruch geschaffen – mit Bestehen des Führerscheins und einem Schulabschluss. Hier kam die Perle „Kraft“ dazu.

Missbrauch erlitten

Jo schilderte, dass sie in ihrer Kindheit sexuellem, wie psychischem Missbrauch ausgesetzt war und eine Angststörung entwickelte.

Erst später wurde bei ihr Autismus diagnostiziert: „Mein Gehirn funktioniert gut, aber anders“, betonte sie. Auch in Kliniken habe sie Gewalt erlebt, ebenso aber Momente der Freude. Sie habe sich einen Hund angeschafft, um ihn auch als Therapiehund auszubilden – der aber habe ebenfalls ein Defizit. Dennoch fasse sie immer wieder Mut – und diese Perle „Mut“ will sie der Kette schenken. Luna hielt ihre Lesung per Video – sie sei Schönheitsidealen aus den Sozialen Medien hinterhergejagt. Eine Essstörung und Anorexie waren die Folge – viel Sport und zu wenig Energiezufuhr führten in Zeiten des Corona-Lockdowns zum Zusammenbruch. Drei Klinikaufenthalte führten zum „Kampf gegen mich selbst“.

Dankbar für Hilfen

Nun aber genießt sie ihr Leben wieder, ist dankbar für Hilfen, die sie erhielt beim „Kampf gegen die Stimme im Kopf“. Sie füge der Kette „Zuversicht“ in Form eines Schmetterlings hinzu. Es gab nur wenige Fragen aus dem recht großen Publikum.

Andy Feind sprach im Anschluss über seine Tätigkeit als „Genesungsbegleiter“ und ließ seine eigene Geschichte dabei einfließen. Mut sei der erste und vielleicht wichtigste Schritt auf dem Weg zur Genesung.

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