Königsfeld
: "Ich bin keine Tussi und kein Freak"

Porträt: Tanja Thomé aus Berlin weiß den Schwarzwald zu schätzen / Mit Tattoo-Studio einen Traum erfüllt
Von
Franziska Kimmich
Oberndorf
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Die Hauptstädterin Tanja Thomé hat im Schwarzwald eine neue Heimat gefunden und sich mit ihrem Tattoo-Studio in Königsfeld einen Wunsch erfüllt. Mit ihren Tätowierungen und Piercings fällt die 36-Jährige auf und ist mit verschiedenen Reaktionen konfrontiert.

Königsfeld. Sie ist bunt, sie ist offen und direkt, sie weiß, was sie will. Tanja Thomé kam vor sieben Jahren von Berlin in den Schwarzwald und fühlte sich bald heimisch. Inzwischen ist sie in vieler Munde und genießt einen relativ hohen Bekanntheitsgrad.

Geboren und aufgewachsen in Berlin-Neukölln, lernte die damals 16-Jährige schnell, auf was es im Leben ankommt. "Mein Ziel war es, nicht wie die Mehrheit der Klasse, in Aussicht zu haben, irgendwann mit dem Taschenrechner einkaufen gehen zu müssen. Ich wollte mehr", erzählt sie. Und so beschloss Tanja Thomé als Teenager, nach Mannheim zu ziehen und ihren Schulabschluss nachzuholen. 2007 lernte sie mit 24 Jahren einen jungen Schwarzwälder kennen, was sie dazu bewog, fünf Jahre später nach Schramberg zu ziehen und sich in dessen Tattoostudio zur Piercerin ausbilden zu lassen. Im Studio wurde sie von einem Gast entdeckt, er brachte Tanja Thomé zum nächsten Erfolg: Fotograf Sebastian Wehrle fügte sie in seine Kunstreihe "Facing Tradition" hinzu. Das Porträt mit dem Bollenhut ziert Werbeplakate der Firma Lehmann in der Region, und auch in bekannten Zeitschriften wie der "Vogue" oder "GQ" war das Bild bereits mehrmals zu sehen.

Nachbarin strickt Dekorationsartikel

Seit 2018 lebt Tanja Thomé mit ihrem neuen Partner Gunnar Fichter in Königsfeld. "Die Bewohner des Schwarzwaldes wissen oftmals nicht mehr zu schätzen, was sie hier haben. Die Anbindung an große Städte wie Stuttgart oder Konstanz ist gut, man ist auch schnell in Frankreich. Fleißige Menschen haben hier ein gutes Leben, Kinder haben eine Zukunft, und wir haben Spätzle mit Soß’", gab das Model auf die Frage, was sie im Schwarzwald halte, zurück. Sie genieße die Ruhe und kulinarische Qualität, was ihr nun bei Besuchen in der Großstadt fehle. In Königsfeld hat sich Tanja Thomé einen weiteren Traum erfüllt: Sie hat ihr eigenes Studio, in dem sie pierct und immer wieder verschiedene Gast-Tätowierer begrüßt, im April eröffnet. Aller Anfang ist schwer – zu Beginn seien die Meinungen besonders unter den älteren Mitbürgern geteilt gewesen, erzählt sie. Während das Mailpostfach Briefe anzeigte, in denen die Piercerin um die Schließung des Ladens gebeten wurde, strickte Nachbarin Hanne Hegel diverse Dekorationsartikel für das Studio und backt hin und wieder einen Kuchen für die 36-Jährige.

Eine Besonderheit, die ihr Piercing-Geschäft von anderen hervorhebe, seien Piercing-Abende, die sie ausrichte. Dies sei mit anderen Vertriebs-Abenden wie Küchenmaschinen-, Kosmetik- oder Vorratsdosenabende zu vergleichen, bei denen ein Gastgeber mehrere Interessenten aus dem Umkreis einlädt. "Nur, dass die Gäste mit gepiercten Körperstellen nach Hause gehen, wenn sie das wollen", erzählt sie. Der ­Kreativität seien keine Grenzen gesetzt: "Ich habe mehrere Tausend Piercings von Ohren bis zum Intimbereich gesetzt, für neue Ideen bin ich immer zu haben."

Vor allem ihr äußeres Erscheinungsbild erregt Aufmerksamkeit. Bis zu den ­Fingernägeln tätowiert, Silikonimplantate in Hand, Arm und Brüsten, gedehnte ­Ohrlöcher, gedehnte Nasenscheidewand und zu guter Letzt eine gespaltene Zunge bewirken unterschiedliche Reaktionen. "Neugierige Blicke bemerke ich schon gar nicht mehr, da macht mich mein Partner dann darauf aufmerksam", schildert sie die Situation. Als sie einen Koffer habe kaufen wollen, sei sie von der Verkäuferin des Ladens verwiesen worden. "Ich bin keine Tussi und kein Freak. Ich bin die Hauptstadtgöre, die mit ihrer Berliner Schnauze den Schwarzwald rockt", beschreibt sie sich selbst.

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