Gesundheitskongress in Furtwangen
: Wie personalisierte Medizin Versorgung neu denkt

Wie individuell kann Medizin sein? Der Gesundheitskongress in Furtwangen zeigte, warum personalisierte Therapien und Mikrobiologie die Zukunft der Versorgung prägen.
Von
Raphael Sickinger
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Christoph Reich, stellvertretender Rektor der HFU, eröffnet den 15. Gesundheitskongress in Furtwangen. In dessen Mittelpunkt stand das Thema Gesundheit für alle und die Frage, wie personalisierte Medizin die Zukunft der Versorgung prägt.

HFU

Beim 15. Gesundheitskongress an der Hochschule Furtwangen drehte sich alles um das Thema Gesundheit für alle. Dabei wurde schnell deutlich, dass dieses Ziel vor allem über einen Weg erreichbar ist – eine konsequent personalisierte Medizin, die den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Christoph Reich, stellvertretender Rektor sowie Prorektor für Forschung und Nachhaltigkeit, betonte in seinem Beitrag, dass sich die Medizin künftig stärker an individuellen Bedürfnissen ausrichten müsse. Es gehe darum, Therapien gezielt auf einzelne Patienten zuzuschneiden.

Als Beispiel nannte Reich die Behandlung von Menschen mit Autismus. Hier zeige sich besonders eindrücklich, wie wichtig personalisierte Ansätze seien: Therapien müssten die jeweiligen Stärken und Herausforderungen berücksichtigen, anstatt standardisierte Programme anzuwenden.

Individueller denken

Auch Markus Egert, wissenschaftlicher Leiter des Kongresses, unterstrich die Bedeutung der Individualität in der Medizin. Fortschritte in der Diagnostik ermöglichten es zunehmend, Patienten genauer zu charakterisieren und darauf basierend passgenaue Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Einen besonderen Fokus legte Egert auf die mikrobiologische Therapie. Am Beispiel der bislang nicht heilbaren Parkinson-Erkrankung erläuterte er, wie das Darmmikrobiom eine Rolle spielen kann. Neue Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass mikrobiologische Ansätze Symptome lindern und möglicherweise sogar den Krankheitsverlauf beeinflussen könnten.

Das Programm des Kongresses war inhaltlich sehr vielfältig, es griff aktuelle Entwicklungen ebenso wie gesellschaftliche Fragestellungen auf. Neben den Fachvorträgen bot der Kongress auch praxisnahe Einblicke und Mitmachangebote.

Moderne Weiterbildung

Große Resonanz fand etwa eine Yoga-Atemschulung, bei der die bewusste Steuerung des Atems im Mittelpunkt stand. Oder auch die Führungen durch das ehemalige Furtwanger Krankenhaus. Dort konnten Besucher moderne und realitätsnahe Trainingsräume besichtigen, die Pflegesituationen simulieren sollen. Der Einsatz von Übungspuppen lässt Alltagsszenarien möglichst echt nachstellen – etwa das Waschen von Patienten oder das Umlagern im Bett.

Auch Themen jenseits der klassischen Medizin fanden ihren Platz im Programm. So wurde beispielsweise die sogenannte Akkommodation des Auges beleuchtet – die Fähigkeit, durch Veränderung der Linsenform Objekte in unterschiedlichen Entfernungen scharf zu sehen. Ein praktischer Tipp aus dem Vortrag: Kinder sollten möglichst viel Zeit im Freien verbringen, um der Entwicklung von Kurzsichtigkeit vorzubeugen.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.