223 Personen beraten
: So läuft die Integrationsarbeit in St. Georgen

Im Gemeinderat berichteten Angelina Höge und Sabine Mund vom Integrationsmanagement über die aktuelle Situation geflüchteter Menschen in St. Georgen.
Von
Stephan Hübner
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Wie die Integrationsarbeit in St. Georgen läuft, war Thema im Gemeinderat. (Symbolfoto)

© alphaspirit – stock.adobe.com

Über die Situation Geflüchteter in der Bergstadt berichteten im Gemeinderat Angelina Höge und Sabine Mund, die seit September 2024 für das städtische Integrationsmanagement zuständig sind.

Beraten wurden bisher 223 Personen, davon 113 aus der Ukraine, 72 aus Syrien, 23 aus der Türkei, der Rest aus Ländern wie Sri Lanka, Georgien oder Kamerun. Erste Station für Flüchtlinge sind Landesaufnahmestellen, danach folgen Gemeinschaftsunterkünfte der Landkreise, wie in der Bahnhofstraße. Hier findet Betreuung über den Sozialdienst des DRK statt, Leistungen gibt es per Bezahlkarte. Ausgenommen davon sind Ukrainer, die sofort einen Aufenthaltstitel bekommen.

In der Anschlussunterbringung sind dann Höge und Mund für die Betreuung zuständig, was aber ein freiwilliges Angebot ist. Bei der Arbeit geht es um „Teilhabe in der Kommune durch Hilfe zur Selbsthilfe“, unter anderem durch die Bedarfsermittlung und die Formulierung individueller Ziele, ganzheitliche soziale Beratung zu Fragen des alltäglichen Lebens und Krisen oder das Aufzeigen von und Heranführen an Teilhabemöglichkeiten.

Oft sind Mund und Höge Ansprechpartner für Kindergartenpersonal, helfen bei der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und vermitteln Kontakte zur Schuldnerberatung. Teilhabe findet in Projekten wie der „Aktion Saubere Landschaft“, den Besuch des DRK-Spielemobils, mit Lesepaten oder „Schmecke die Welt“ im Café Vielfalt statt. Auch ein Sprachcafé und Informationsveranstaltungen gibt es.

Viele Herausforderungen

Herausforderungen sind Analphabetismus oder geringe Bildungsgrade, Traumata oder traditionelle Rollenbilder, aber auch knapper Wohnraum und Fachärztemangel.

Ein Großteil der Ukrainer nehme die Betreuung in Anspruch, so Mund und Höge auf eine Frage von Oliver Freischlader. Deren auf drei Jahre ausgelegte Betreuung laufe 2025 aus. Es sei zwar angedacht, die ins reguläre Integrationsmanagement aufzunehmen, die Stelle werde aber wohl nicht groß aufgestockt. Allerdings seien die Zahlen in den letzten Jahren rückläufig.

Freischlader fragte auch nach der Zahl von Abschiebungen gut integrierter Familien. Die betreffen in St. Georgen hauptsächlich Menschen aus der Türkei. Familien seien sehr motiviert, die Sprache zu lernen und eine Arbeit zu finden. Allerdings brauche es auch Ausbildungsstellen. Im Regelfall schaue die Ausländerbehörde darauf, was man tue. Wer nichts mache, sei mehr in Gefahr.

Grad des Analphabetismus

Karola Erchinger fragte nach dem Grad des Analphabetismus. Der liege bei Ukrainern mit vielleicht fünf Prozent sehr niedrig, bei Afghanen aber bei geschätzt 20 Prozent. Die meisten Männer aus der Türkei hätten die Schule besucht, Frauen weniger. Viele seien schon seit zehn Jahren da, lernten aber immer noch das Alphabet. Zudem gebe es nicht genug dafür qualifizierte Lehrer.

Ein ehrenamtliches Patenmodell gibt es nicht, nur Ehrenamtliche, die einzelne Personen betreuen, so Mund und Höge auf Nachfrage von Kirsten Heinzmann. Es habe auch schon Angebote für Jugendliche gegeben, die würden aber nur sehr begrenzt angenommen.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.