Wirtschaft in Schramberg
: Wie der Schwarzwald auf China blickt

Vor dem Themenabend am Mittwoch, 15. Juli, zeigt eine Umfrage, wie unterschiedlich Unternehmen der Region auf die neue Weltmacht blicken.
Von
Mark Finnern
Schramberg
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Die Maurers in China.

Auch die Maurer Unternehmensgruppe ist in China tätig.

Unternehmen
  • Unternehmen in der Region blicken uneinheitlich auf China, viele äußern sich gar nicht.
  • Rohstoffe im Fokus: Seltene Erden und Magnete belasten, technischer Abstand schrumpft.
  • Lieferketten werden gestreut – Schweizer kooperiert mit Ascent Circuits in Indien.
  • China als Markt und Impulsgeber: VEGA baut Werk in Jiaxing, Hansgrohe testet in Shanghai.
  • Themenabend „China – Politik, Wirtschaft, Zukunft“ am Mittwoch, 15. Juli, in Schramberg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am 8. November 2006 stand Clemens Maurer auf einer Bühne in Suzhou, unter Girlanden aus roten und weißen Luftballons, im Konfettiregen. Der Schramberger hatte als Geschäftsführer eines Dresdner Unternehmens ein Zweigwerk in China aufgebaut, gegründet ein Jahr zuvor: Heine Resistors (Suzhou). Bis 2011 war er ständig dort. Diesen Sommer fährt er wieder hin, nach fünfzehn Jahren Pause.

„Am meisten beeindruckt hat mich – und ich denke, das ist bis heute so geblieben – die unheimliche Dynamik und die Veränderungsbereitschaft, mit der sich China und die Chinesen entwickeln", sagt Maurer. „Angst vor Veränderung hat man dort nicht. Was ich mir bei uns auch stärker wünschen würde und was sicher notwendig ist."

Vor dem Themenabend „China – Politik, Wirtschaft, Zukunft" am Mittwoch, 15. Juli, in Schramberg haben wir Unternehmen der Region gefragt, wie sie das Land erleben. Die Antworten fallen so unterschiedlich aus wie die Firmen selbst. Und manchmal ist die ausbleibende Antwort die interessanteste.

Das Schweigen

Auffällig war, wie wenige antworten wollten. Von den angeschriebenen Unternehmen der Region meldete sich nur ein Bruchteil zurück; einige lehnten ausdrücklich ab, andere beteiligten sich nur unter der Bedingung, nicht genannt zu werden. Über China zu sprechen, ist für viele Unternehmen offenbar heikler geworden.

Und Clemens Maurer, bei aller China-Erfahrung, sagt für sein heutiges Unternehmen offen: Er könne dazu nichts Seriöses sagen. Seine Vorprodukte kaufe er bei regionalen, deutschen und europäischen Partnern. Was in deren Produkten wiederum stecke, entziehe sich schlicht seiner Kenntnis.

Dieser Satz ist vielleicht der ehrlichste Befund des ganzen Themas. Die Abhängigkeit beginnt oft dort, wo der eigene Überblick endet.

Die Rohstoffe

Am unmittelbarsten trifft es die Magnethersteller. Chinesische Exportkontrollen für Seltene Erden und Magnete haben Unternehmen in Sulgen, Hardt und Aichhalden zu schaffen gemacht. MS-Schramberg formulierte es zuletzt unmissverständlich: Die Chinesen hätten aufgeholt, man müsse sich anstrengen. Nicht mehr nur der Zugang zum Rohstoff ist das Problem, sondern der schmelzende technologische Abstand.

Ein Zulieferer, der anonym antwortete, nennt die Beschaffung als kritische Stelle: stark abhängig, ausgerechnet bei Magneten und Verbindungselementen. Beim Absatz spielt China für ihn kaum eine Rolle. Zölle treffen ihn spürbar, weniger durch einzelne Sätze als durch den Aufwand ringsum: Mehrkosten im Einkauf, die Frage des Ursprungslands bei einem riesigen Artikelsortiment, Bürokratie. Er sucht Alternativen in Indien und Vietnam.

Die Lieferketten

Schweizer Electronic geht denselben Weg, nur größer. Ende Juni gab das Unternehmen eine Kooperation mit dem indischen Leiterplattenhersteller Ascent Circuits bekannt. Das Ziel: diversifizierte, geopolitisch resiliente Lieferketten. Schweizer ist alles andere als ein China-Skeptiker. Seit 2014 arbeitet man mit dem Partner WUS zusammen, ab 2017 entstand der Standort Jintan, seit 2020 wird dort produziert. Wer China so gut kennt, streut nicht aus Furcht, sondern aus Erfahrung.

Der Markt

Für andere ist China vor allem eine Chance. VEGA Grieshaber aus Schiltach eröffnete Ende Mai ein eigenes Werk in Jiaxing, um den asiatischen Markt zu bedienen.

Wenige Kilometer entfernt, ebenfalls in Schiltach, geht Hansgrohe noch einen Schritt weiter. Seit 2023 betreibt das Unternehmen einen InnovationParc in Shanghai. Sein Gegenstück ist das InnoLab, Hansgrohes Ideenschmiede, die von 2018 bis 2024 in den ehrwürdigen Junghans-Gebäuden an der Schramberger Geißhalde saß und inzwischen im Innovations-Park in Alpirsbach arbeitet. Zwei Mitarbeiter des Innovationsteams verbrachten mehrere Monate in Shanghai; der Austausch läuft in beide Richtungen, das dortige Team ist inzwischen lokal besetzt.

Steffen Erath leitet das InnoLab und war am Aufbau in Shanghai beteiligt. Für ihn ist China längst nicht mehr die verlängerte Werkbank, als die es lange galt, sondern Maßstab und Impulsgeber. Inzwischen richte sich der Blick ohnehin nicht mehr auf China allein, sondern auf Asien insgesamt.

Was das praktisch bedeutet, zeigt ein Produkt: In China erprobt Hansgrohe Ideen, für die der europäische Markt noch nicht bereit ist. Ein intelligentes Dusch-WC, dort entwickelt und erfolgreich, wird nun auch in Europa eingeführt. Die Richtung der Innovation hat sich zum Teil umgedreht.

Der Abend

Rohstoff, Lieferkette, Markt, Wettbewerb, Innovationspartner: fünf Seiten desselben Landes. Wo darin das Risiko endet und die Chance beginnt, darüber ordnet Lukas Eggert von der Universität Tübingen am Mittwoch ein.

Der Themenabend „China – Politik, Wirtschaft, Zukunft" beginnt um 18.30 Uhr im ErfinderZeiten Schramberg. Eintritt frei, Anmeldung unter wirtschaftsfoerderung@schramberg.de. Eine Veranstaltung von Make it in Schramberg.


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