Schramberger Seniorenforum: Was gibt Halt in schweren Zeiten?

Nicht jede Wunde lässt sich medizinisch heilen. Warum Spiritualität dennoch Kraft geben und neue Perspektiven eröffnen kann, erläuterte Corinna Schmohl in einem eindrucksvollen Vortrag beim Seniorenforum.
Seniorenforum- Spiritualität hilft Kranken, indem sie innere Orientierung und Sinn vermittelt.
- Corinna Schmohl sprach beim SeniorenForum in Schramberg über „Wie Spiritualität Kranken hilft“.
- Spiritualität reicht über Religion hinaus – sie knüpft an Werte, Erfahrungen und Beziehungen an.
- Neben Medizin brauche es seelische Begleitung; vorgestellt wurde das Konzept Spiritual Care.
- Ziel ist neue Perspektive trotz Krankheit – nicht jede Frage hat eine Antwort, Sinn kann entstehen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Unter Spiritualität verstehen wir die lebendige Beziehung eines Menschen zu dem, was sein Leben trägt, kräftigt und erfreut. Sie ist vergleichbar mit der lebendigen Bewegung von Ein- und Ausatmen – jener Kraft, die dem Menschen Leben im umfassenden Sinn schenkt.“ Mit dieser Definition eröffnete Corinna Schmohl ihren Vortrag „Wie Spiritualität Kranken hilft“ beim Generationen- und SeniorenForum (SeFo).
Das SeniorenForum hatte die Theologin, Logopädin und Psychotherapeutin aus Ostfildern-Ruit eingeladen, um der Frage nachzugehen: Wie kann Spiritualität kranken Menschen helfen?
Zunächst werde Spiritualität häufig mit Religion gleichgesetzt, erklärte die Referentin. Tatsächlich gehe der Begriff jedoch weiter und führe zu den grundlegenden Fragen des Lebens: Was ist mein „roter Faden“? Welche Erfahrungen haben mich geprägt? Welche Ziele habe ich verwirklicht, welche möchte ich noch erreichen?
Stärken wiederentdecken
Dabei gehe es nicht darum, belastende Erlebnisse aufzuwühlen, sondern vielmehr darum, die eigenen Stärken wiederzuentdecken. Daraus ergebe sich zwangsläufig die Frage nach den persönlichen Werten: Liegen sie im Glauben, in zwischenmenschlichen Beziehungen, in der Philosophie, der Kunst oder in der Natur? Entscheidend sei, ob ein Mensch eine Form der inneren Rückbindung und Orientierung erfahre.
Von dieser persönlichen Achtsamkeit aus spannte Schmohl den Bogen zum eigentlichen Thema des Abends. Gerade Krankheit und Leid könnten das gesamte Leben erschüttern und Menschen aus ihrem gewohnten Alltag herausreißen. Oft werde ihnen dadurch erst die „Landkarte ihres Lebens“ bewusst. Vielen falle es schwer, für ihre Ängste, Hoffnungen und Erfahrungen die richtigen Worte zu finden.
Seelische Begleitung
Deshalb brauche es neben einer guten medizinischen Versorgung, die körperliche und neurologische Ursachen behandle, auch seelische Begleitung. In diesem Zusammenhang stellte Schmohl das von Professor Eckhard Frick entwickelte Konzept des Spiritual Care vor. Der Jesuit, Mediziner und Psychotherapeut habe damit einen Ansatz geschaffen, der Ärzten und Pflegekräften helfe, Menschen in existenziellen Krisen auch spirituell zu begleiten und ihnen neue Orientierung zu geben.
Nicht auf jede Frage gebe es eine Antwort, betonte die Referentin. Spiritualität könne jedoch dabei helfen, dem eigenen Leben trotz Krankheit einen neuen Sinn zu geben und neue Perspektiven zu entwickeln. Dies stelle zugleich hohe Anforderungen an Ärzte und Pflegekräfte und erfordere zusätzliche Aus- und Weiterbildung. Dennoch finde der Ansatz trotz Zeit- und Personalmangels zunehmend Eingang in die medizinische Praxis.
Der Vortrag mündete in einen intensiven Gedankenaustausch über persönliche Erfahrungen und Lebensfragen. Mit einem eindringlichen Satz verabschiedete Schmohl ihre Zuhörer: „Wir sind alle Seelsorgerinnen und Seelsorger im Blick auf unsere eigene Seele.“