Schramberg: Wieder schließt ein Traditionsgeschäft

Renate und Walter Glenz (Mitte) mit ihren Mitarbeiterinnen Gabi Iseler (links) und Katharina Tomczyk schließen aus Altersgründen ihre Buchhandlung mit Schreibwarengeschäft in der Schramberger Berneckstraße. Foto: Wegner
Schwarzwälder-BoteVon Stephan Wegner
Schramberg. Und wieder verliert die Schramberger Südstadt ein traditionsreiches Geschäft. Ende Juli schließt das Schreibwarengeschäft mit Buchhandlung Glenz nach über 100 Jahren.
Im Jahr 2006 hatte die Familie Glenz noch das 100-Jährige des Geschäfts an der Berneckstraße in unmittelbarer Nähe des Gymnasiums und der Berneckschule gefeiert. "Seit damals suchen wir aber schon nach einem Nachfolger", da die beiden Töchter sich beruflich anderweitig in der Verlagsbranche etabliert haben, sagt Walter Glenz (67). Doch aus zahlreichen Kontakten, von denen zwei bis drei zunächst "vielversprechend" gewesen seien, sei leider nichts geworden, bedauert er.
Fast schon perfekt sei die Übernahme durch einen entfernten Verwandten gleichen Namens gewesen, doch zwei Tage später sei dann doch eine Absage gekommen: Die Ehefrau habe nicht aus der Metropole, aus der sie stammt, in den Schwarzwald umsiedeln wollen und können.
Warum niemand Interesse an einer Übernahme des eingeführten Geschäfts hat, kann sich Familie Glenz nicht genau erklären. Die Umsatzzahlen ihres Ladens sind zwar bedingt durch Internet, innerstädtische Konkurrenz und den jüngsten Veränderungen in der Schramberger Südstadt zurückgegangen, aber "man könne immer noch davon leben". Und so sei es auch nicht die Verdienstmöglichkeit, sondern das Alter gewesen, was ihn und seine Frau dazu bewegt habe, diesen Schritt "auch mit einem weinenden Auge" zu gehen.
Bis 31. Juli wollen Renate und Walter Glenz mit einem Ausverkauf, der am 3. Mai beginnt, dann die Schließung des Ladens abgewickelt haben. Für Firmenkunden und Schulen sind sie noch telefonisch und übers Internet bis Jahresende da.
Gegründet worden war das Geschäft vom Großvater von Walter Glenz im Jahr 1906 und in den folgenden über 100 Jahren immer wieder modernisiert, angepasst und vergrößert worden. "Immer wieder bekamen wir auch Lob dafür, vor allem von Kunden aus großen Städten wie Hamburg oder München, die zufällig zu uns kamen", erzählt Renate Glenz. Vor allem sein Großvater und sein Vater seien "quasi immer am Bauen" gewesen, erinnerte sich Walter Glenz beim 100-Jährigen über die Firmengeschichte. Aber auch er selbst hatte, zuletzt 1997, mit einem größeren Umbau das Geschäft mit knapp 300 Quadratmetern Verkaufsfläche auf einen modernen Stand gebracht.
Dass sich mit der Schließung viele Stammkunden eine neue Einkaufsmöglichkeit suchen müssen, bedauert die Familie Glenz, ebenso wie dass sie ihren beiden langjährigen Mitarbeiterinnen Gabi Iseler und Katharina Tomczyk kündigen müssen.
Ziele für den Ruhestand ab dem nächsten Jahr haben Renate und Walter Glenz derzeit noch keine gefasst: "Erst mal durchschnaufen – und etwas mehr Zeit für die Enkelin, alles andere ergibt sich noch", meinen sie unisono.