Metalacker in Tennenbronn: Achtung – Ticket-Betrug auf Facebook

Auch der Metalacker zieht Ticketbetrüger auf Facebook an. (Archivfoto)
BennerSie verkaufen alles. Sogar Tickets für ein Konzert von Taylor Swift in Schramberg, das es natürlich nicht gibt.
Sobald das Wort „ausverkauft“ in einem Beitrag auf Facebook auftaucht, so scheint es, wimmelt es in den Kommentaren nur so von vermeintlichen Ticketverkäufern. So auch auf unserer Facebook-Seite „Schwarzwälder Bote Schramberg“, auf der wir vor einigen Tagen einen Vorbericht zum Metalacker in Tennenbronn geteilt haben. „Obwohl es bis zum Metalacker noch fast drei Monate dauert, ist der Campingplatz bereits ausverkauft“, heißt es darin.
Doch beim Blick in die Kommentarsektion scheint es so, als würden einige Käufer ihre KFZ-Campingplatz-Tickets schon wieder loswerden wollen: „Hallo, ich habe 4 Tickets zum Verkauf, danke“, schreibt Annemarie P. Auch Kerstin G. bietet vier Tickets an. Sie habe ihren Kauf zweimal erhalten, so die Begründung. Weitere Nutzer suchen ebenfalls nach Interessenten für ihre Tickets.
Häufig sind Pärchenfotos zu sehen
Die Profile wirken auf den ersten Blick echt. Häufig sind Pärchenfotos zu sehen. In den Freundeslisten der Profile finden sich teils mehrere hundert Nutzer.
Unsere Redaktion nimmt Kontakt zu zwei der vermeintlichen Ticketverkäufer auf. Die Person, die sich als Annemarie P. ausgibt , antwortet, dass die vier Tickets noch verfügbar seien. Doch mit einer einfachen Nachfrage wird der Betrug bereits offensichtlich: Für welche Veranstaltung sind die Tickets? „Nico und Santos“, antwortet Annemarie P. und verlangt 25 Euro pro Karte.

Die Person will uns zunächst Tickets für „Nico und Santos“ verkaufen.
Foto: Niklas OrtmannVom Metalacker will die Person zunächst nichts wissen. Doch siehe da: Nachdem wir noch einige Male hin- und herschreiben, hat sie plötzlich doch Tickets für das Tennenbronner Festival im Angebot.
Und die Person hat offenbar Nachforschungen betrieben: Nachdem sie zunächst 60 Euro für ein nicht näher beschriebenes „Ticket“ verlangt, bietet sie plötzlich Campingtickets für 10 Euro und Festivaltickets für 77 Euro an – also zu den Preisen, die im Artikel genannt werden.
Bezahlt werden soll so, wie es Betrüger gerne haben
Bezahlt werden soll so, wie es Betrüger gerne haben: per Paypal mit der Option „Freunde und Familie“, bei der der Käuferschutz nicht greift. Annemarie P. versichert, sie werde die Tickets sofort an unsere E-Mail-Adresse schicken, sobald wir die Zahlung leisten.

Per Paypal mit der Option „Freunde und Familie“ soll bezahlt werden, da hier der Käuferschutz nicht greift.
Foto: Niklas OrtmannDie Person wird zunehmend ungeduldiger. Als wir ihr schließlich mitteilen, dass wir es uns mit dem Kauf noch überlegen, wird die Person als inaktiv angezeigt – und das Profil ist nicht mehr abrufbar.
Doch was hat es mit „Nico und Santos“ auf sich, wofür die Person zuerst Tickets verkaufen wollte? Ein solches Duo gibt es nicht, es könnte aber der deutsche Sänger Nico Santos gemeint sein. Eine Facebook-Suche mit den Stichworten „Nico Santos“ und „ausverkauft“, das die Betrüger anzuziehen scheint, liefert einen Hinweis: Angezeigt wird ein Beitrag der Seite „Rosenheim Sommerfestival“, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Konzerte von Alvaro Soler und Nico Santos ausverkauft sind. Und siehe da: In den Kommentaren wimmelte es nur so von Ticketangeboten, die mittlerweile alle entfernt wurden.
Täter in der Regel nicht identifizierbar
Die Polizei kann die Betrüger in der Regel nicht identifizieren. Ein Sprecher erklärt auf Anfrage: „Wie in diesem Beispiel wird eine für jedermann erstellbare Gmail-Adresse genutzt. Meist mit Fake-Daten und nicht verifizierbar.“ Bezahlt werde in der Regel über Paypal-Konten, die entweder auch im Ausland eröffnet wurden, oder es würden gehackte Konten von ‚Finanzagenten‘ genutzt und die Gelder weitergeleitet.
Der Polizeisprecher rät, bei Ticketkäufen nicht die Option „Freunde und Familie“ auf Paypal zu nutzen. „Am besten die Tickets persönlich abholen und bezahlen. Im Chat übermittelte Ausweise sind auch nur von anderen Geschädigten, deren Daten missbraucht werden.“
Oft reicht eine gezielte Nachfrage
Oftmals reicht aber schon eine gezielte Nachfrage, um den Betrug zu erkennen. Als wir die Person, die sich als Kerstin G. ausgibt, fragen, für welche Veranstaltung die Tickets sind, schreibt sie nur: „Samstag“. Auf die Frage, ob es sich um Tickets für das Taylor-Swift-Konzert in Schramberg handelt, antwortet sie schließlich mit „Ja“ – und verlangt 50 Euro pro Stück.