Konzert an Allerseelen: Musik zu Tod und Vollendung erklingt in Tennenbronn

Das Vokalensemble „Capella Cantorum“ beim Jubiläumsgottesdienst am 29. Juni im Konstanzer Münster
Foto: Felix HannemannDas Vokalensemble „Capella Cantorum“ unter der Leitung von Christa und Wilm Geismann feiert mit dem Konzert zu Allerseelen sein 50-jähriges Bestehen. Die bemerkenswerte Geschichte des Ensembles begann 1975 am Konstanzer Münster und reichte dort mit zahlreichen Konzerten im Münster und Chorfahrten ins Europäische Ausland bis ins Jahr 2000.
Anschließend ging die musikalische Fahrt als „Capella Cantorum Freiburg“ mit Konzerten in der Region, im Dom St. Blasien, in der Klosterkirche Oberried, im Freiburger Münster und in der Johanneskirche Freiburg weiter.
Im neuen Konzertformat in Tennenbronn, der Sonntags-Matinée „zehn nach zehn“, haben sich bereits mehrfach Solisten oder Kleingruppen der Gruppe engagiert. Eine große Nähe zu Tennenbronn ist auch durch die Leitung – Christa und Wilm Geismann gegeben, die seit 1999 sozusagen „Wahl-Tennenbronner“ geworden sind.
Das Programm mit dem Titel „very british“, das dem Anlass der Totenzeit gemäß, um Werden und Vergehen, um Schuld und Vergebung, um Tod und Vollendung kreist, beginnt im ersten Teil mit A-cappella-Motetten englischer Komponisten der Renaissance mit dem „Ave verum“ von William Byrd.
Drei kurze Motetten von Richard Farrant beschwören den Herrn um Gnade und Vergebung. Die Kompositionen sind noch heute Bestandteil des anglikanischen Choral-Evensongs. Bei der Begräbnisfeier von Queen Elizabeth erklangen einige dieser altehrwürdigen Kompositionen in der Westminster-Abbey und Thomas Morley vertont ein mittelalterliches lateinisches Gedicht „Nolo mortem peccatoris“, in dem Jesus im Dialog mit seinem Vater leidenschaftlich und nachdrücklich darauf hinweist, warum er seinen Leidensweg überhaupt gegangen ist: „Ich will den Tod des Sünders nicht“. Wahrlich eine zentrale Botschaft für den Allerseelentag.
Werke für Chor und Orgel
Im zweiten Teil erklingen drei Werke für Chor und Orgel aus dem 19. Jh., die dem repräsentativen Stil der britischen Festmusik zuzurechnen sind. Darunter befindet sich auch die Vertonung „Jerusalem“ von Charles Hubert Parry, die als heimliche britische Nationalhymne jährlich die „Last Night of the Proms“ beschließt und von allen Anwesenden begeistert mitgesungen wird.
Im Mittelpunkt dieser geistlichen Abendmusik für Chor und Orgel in der katholischen Kirche Tennenbronn steht jedoch das „Requiem“ von Colin Mawby. Der zeitgenössische irische Komponist entwickelt mit musikalischer Leidenschaft, großer Intensität der vokalen Klangfarben und in packend-moderner Tonsprache eine Totenmesse des 21. Jahrhunderts, die in ihrer emotionalen Wirkung den Vergleich mit bekannten Vertonungen des Requiem-Textes nicht zu scheuen braucht. Er stellt dabei besonders den versöhnlichen und tröstenden Aspekt der Totenmesse heraus.
Gedenken an Verstorbene
Mit der Wahl dieses Hauptwerks gedenkt die „Capella Cantorum“ in besonderer Weise der Verstorbenen Mitglieder und Angehörigen des Ensembles und der Verstorbenen der Pfarrgemeinde.
Die Sopranistin, Christiane Barthel aus Trossingen übernimmt auch in diesem Konzert wieder den Solisten-Part. Für die anspruchsvollen Begleitaufgaben und zwei solistische Zwischenspiele u.a. von Edward Elgar an der Orgel zeichnet die vielfach ausgezeichnete koreanische Künstlerin Hee-Jung Min aus Freiburg verantwortlich. Der Eintritt ist frei, Spenden willkommen.