Kirchenführung in Schramberg: Kunst für Augen und Ohren

Das Vocalensemble bildete mit seinen Gesängen den würdevollen Rahmen für die erste musikalische Kirchenführung durch St. Maria
AntonFür beide Seiten standen kompetente Ausführende bereit: Arnhold Budick hatte sich durch zahlreiche Führungen durch die Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt intensiv mit der Kirchenkunst von Bildhauer Erich Hauser befasst, und das Vocalensemble Schramberg unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer bildete mit den Rahmen für die erste musikalische Führung durch die 180 Jahre alte Kirche.
Budick ging auf den Widerspruch in der Architektur von barockem Zwiebelturm und spätklassizistischer Hallenbasilika ein und erklärte, weshalb die Stadt heute auf beides, den St. Maria-Turm als Wahrzeichen der Stadt und die berühmte Orgel von Eberhard Friedrich Walcker stolz sein kann.
Mit der Entwicklung des Marktfleckens zur Industriestadt im 19. Jahrhundert war auch ein Kirchenneubau erforderlich, der im spätklassizistischen Stil erfolgte und 1844 eingeweiht wurde. Man verzichtete damals auf den Anbau eines neuen Turms zugunsten einer neuen Orgel, so dass nun beide Kulturgüter erhalten sind.
Die Kunst Erich Hausers
Als profunder Kenner der Vita von Erich Hauser stellte Budick auch die Persönlichkeit des Künstlers vor. Nach Schramberg kam er als freier Bildhauer 1952. Den Kontakt zur katholischen Kirche fand er durch Kaplan Legler, so dass er als 27-Jähriger den Auftrag zur Gestaltung der Kirchenportale erhielt. Er gestaltete die Verkündigung , die Geburt Jesu, die Kreuzigung, Mariä Aufnahme in den Himmel und die Krönung Mariens.
Anekdote regt zum Schmunzeln an
Zum Schmunzeln regte die Anekdote an, dass Hauser vor der Zusage zur Gestaltung sagte: „Ich muss mir erst mal den Pfarrer ansehen“, und er mit Pfarrer Egle offensichtlich zufrieden war, doch die Bedingung stellte, dass der Baldachin weg müsse und die Fenster geöffnet wurden. Die Freude über den Ausbau drückte das Vokalensemble mit dem romantischen Chor „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Carl Stein aus.
Kunst aus Dreieckselementen
Die Zuhörer wurden darauf aufmerksam gemacht, dass bei Hauser alle Kunstwerke aus Dreieckselementen aufgebaut sind. Am Altar zeigte der Referent, dass Hauser durchaus auch Teile aus früherer Zeit der Kirche verwendet hat. Rudi Schäfer hatte für diese Station den Gesang „Du bist das Brot, das den Hunger stillt“ ausgewählt, denn im Zentrum der Eucharistiefeier stehe immer die Wandlung.
Auch Textilien entworfen
Dass Hauser sogar textile Kirchenkunst entworfen hat, bewies eine Rarität: Bei der Wiedereinweihung der Kirche trug der Priester ein von Hauser gestaltetes Messgewand.
Eine Besonderheit stellt nach Ansicht des Kirchenführers die barocke Josefsfigur dar, die das Jesuskind im Arm hält. Vom gleichen barocken Künstler geschaffen, steht auf der linken Seite die Figur Marias mit dem Kind. Nach Aussage von Budick soll Hauser einer Kunsthistorikerin gesagt haben, er selbst hätte nie diesen Ausdruck erreicht.
Rhythmus und Frohsinn
Das Ensemble sang sodann von der Orgelempore aus. Beim Spiritual „Erd und Himmel sollen singen“ waren Rhythmus und Frohsinn gefragt. Mit der Empfehlung des Organisten Baptist Braun, den Organisten von Weltruf Eberhard Friedrich Walcker, der im Ulmer Münster die größte Orgel gebaut hatte, anzufragen, erwies der ehemalige Organist der Stadt Schramberg einen unersetzlichen Dienst. Die Orgel mit 36 Registern und drei Manualen sollte mit ihrer neuen Technik „heiligen Klang“ erzielen.
Aus der Literatur von Johann Baptist Braun sang der Chor „Gott in der Höh sei Ehr“ . Der Titel „Unser Vater, der du bist“ wurde von Christel Knecht solistisch gestaltet. Rudi Schäfer stellte den besonderen Klang der frühromantischen Walcker-Orgel mit einem Andante vor. Mit jubelndem Klang folgte das Lied „Heilig“. Schließlich präsentierte KMD Rudi Schäfer den „großen und heiligen Klang der Orgel“ mit dem Moderato A-Dur für Orgel von Christian Heinrich Rinck.