Geschichte einer Waldfrucht
: Polizei beschlagnahmte Heidelbeeren

Beim Themensonntag in Tennenbronn spannte Fritz Grießhaber den Bogen von der Heimatdichterin Esther Haas bis zu den Sammeltraditionen vergangener Generationen.
Von
red/pm
Schramberg-Tennenbronn
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Fritz Grießhaber schilderte die große Bedeutung der Heidelbeeren

Fritz Grießhaber schilderte die große Bedeutung der Heidelbeeren.

Heimathaus
  • Im Heimathaus Tennenbronn stand die Heidelbeere als regionale Einnahmequelle im Fokus.
  • Fritz Grießhaber zeigte: Um 1910 sammelten viele im Wald, teils trotz Verbote durch Eigentümer.
  • Kurioses Detail – Polizei beschlagnahmte Heidelbeeren am Bahnhof St. Georgen.
  • NS-Zeit: Früchte gingen in Konserven für die Wehrmacht. Später gab es „Heidelbeer-Tage“ in Schulen.
  • Küche und Gesundheit: Kompott, Wein, Hausmittel gegen Durchfall und Hinweise zu Augengesundheit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was heute vor allem als sommerliches Freizeitvergnügen gilt, war früher für viele Menschen im Schwarzwald eine wichtige Einnahmequelle. Beim Themensonntag im Heimathaus Tennenbronn drehte sich alles um die Heidelbeere – und um ihre besondere Bedeutung für die Region. Heimatforscher Fritz Grießhaber nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise durch mehr als ein Jahrhundert Heidelbeer-Geschichte.

Den Einstieg bildete die Tennenbronner Heimatdichterin Esther Haas. Per Video ließ Grießhaber die verstorbene Ehrenbürgerin selbst zu Wort kommen. In mehreren Gedichten und Erzählungen hatte sie der Heidelbeere ein literarisches Denkmal gesetzt und ihre enge Verbindung zur Heimat beschrieben.

Anschließend zeigte Grießhaber anhand historischer Zeitungsberichte, welche wirtschaftliche Rolle die kleinen blauen Beeren einst spielten. Um 1910 berichtete der Brigachbote, dass täglich ganze Scharen in die Wälder zogen, um Heidelbeeren zu sammeln. Gleichzeitig häuften sich Anzeigen von Bauern und Gemeinden, die das Pflücken auf ihren Grundstücken unter Strafe verboten. Wer dennoch sammeln wollte, musste sich vor den Eigentümern in Acht nehmen.

Kuriose Szenen

Der Aufwand lohnte sich: Der Verkauf der Waldbeeren war ein begehrter Nebenverdienst. Geschickte Heidelbeersammler konnten nach Grießhabers Angaben sogar mehr verdienen als ein einfacher Fabrikarbeiter. Die Nachfrage war entsprechend groß – und führte mitunter zu kuriosen Szenen. So ist überliefert, dass die Polizei am Bahnhof in St. Georgen Heidelbeeren beschlagnahmte, die Schwenninger aus den badischen Wäldern mitgebracht hatten.

Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt das Heidelbeersammeln eine neue Bedeutung. Die Früchte wurden unter anderem für Konserven zur Versorgung der Wehrmacht benötigt. In den 1950er- und 1960er-Jahren wiederum gehörte der sogenannte „Heidelbeer-Tag“ vielerorts zum Schulalltag. Die Kinder sammelten Beeren für den Verkauf, um mit dem Erlös Unterrichtsmaterialien oder Anschaffungen für die Schule zu finanzieren. Da Taschengeld damals keineswegs selbstverständlich war, konnten sich viele Kinder so ihr erstes eigenes Geld verdienen. In Tennenbronn gab es dafür gleich mehrere Ankaufsstellen.

Interessante Hinweise

Doch die Heidelbeere war nicht nur eine Einnahmequelle. Grießhaber erinnerte auch an ihre vielseitige Verwendung in der Küche – als Kompott, Brotaufstrich, Kuchen, Speiseeis, Saft oder Heidelbeerwein.

Aus dem Publikum kamen schließlich weitere interessante Hinweise. Eine Besucherin erinnerte an die Heilwirkung der Heidelbeere als bewährtes Hausmittel gegen Durchfall. Außerdem gelten die enthaltenen Anthocyane als förderlich für die Augengesundheit. Sogar amerikanische Astronauten hätten sich mit Heidelbeeren beschäftigt, weil die Inhaltsstoffe die Anpassung der Augen an Dunkelheit verbessern sollen.

Zum Abschluss blieb die Geschichte nicht nur Theorie: Die zahlreichen Besucher konnten sich bei einem Stück frisch gebackenem Heidelbeerkuchen selbst davon überzeugen, warum die kleine blaue Waldfrucht bis heute einen festen Platz in der Schwarzwälder Heimatkultur hat.

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