Blick auf Historie
: Sulgener Kolpingsöhne kämpften für den Bischof

Die Kolpingsfamilie Sulgen wird 100 Jahre alt. In einer Serie blicken wir zurück. Der Nationalsozialismus sorgte für Bedrängnis.
Von
(red/pm)
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

In Bedrängnis geriet Bischof Joannes Baptista Sproll (1927 bis 1949).

Archiv Hubert Haas

Bischof Joannes Baptista Sproll weigerte sich, an der unfreien Wahl am 10. März 1938 teilzunehmen. Die Nazis organisierten mit eigenen Leuten den „Volkszorn“ so aufwendig und gemein, dass der Bischof aus Rottenburg vertrieben wurde.

Nach verschiedenen Aufenthalten war er im August im Kloster Heiligenbronn bei Exerzitien. Auch dort organisierten die Nazis gegen ihn den „Volkszorn“. Circa 200 SA-Männer in Zivil wurden am 9. August 1938 aus der ganzen Umgebung mit PKWs nach Heiligenbronn gebracht.

Die vielen Fahrzeuge mit SA-Leuten bemerkten auch die Kopingssöhne aus Sulgen und gingen trotz der klaren Übermacht nach Heiligenbronn um den Bischof zu verteidigen.

Sie wussten nicht, dass der Bischof bereits durch eine Hintertür geflohen war.

Per Nachtfahrt ging es unerkannt weg

Ludwig Kimmich aus Waldmössingen war zu der Zeit zum Wurst machen im Kloster. Als schon die ersten Fensterscheiben eingeworfen wurden, erklärte er sich bereit, den Bischof mit dem „Opel-Dixi“ per Nachtfahrt über die Wiesenwege unerkannt wegzufahren.

Im nahen Wald bei der Lichtenau hielten sie sich dann in einem Wassergraben circa zwei Stunden versteckt. Als die größte Gefahr vorüber war, fuhren sie nach Waldmössingen, wo der Bischof im Pfarrhaus übernachtete.

Die Kolpingssöhne, die davon nichts wussten, wurden mit SA-Leuten in eine Schlägerei verwickelt. Sie konnten dann aber fliehen und rannten schnell durch den Seedorfer Wald nach Hause.

Bruno Heim wurde rechtzeitig gewarnt, dass sein Elternhaus bereits von der Gestapo umstellt sei. Er ging mit Karl Haas auf die Hutneck und übernachtete dort zur Sicherheit im Heu.

Zwei weitere Kämpfer Franz Reuter und Leo Müller, beide an der Hardtstraße wohnhaft, kamen kurz vor der Überprüfung der Gestapo nach Hause. Beide Handwerksmeister, die je den elterlichen Betrieb übernehmen sollten, waren später bei den zwölf Soldaten aus Sulgen, die im Kessel von Stalingrad kämpfen mussten und sind seither vermisst gemeldet.

Nazis beschmieren die neu erbaute Marienkapelle

Beim Bau der Marienkapelle waren bei den vielen freiwilligen Helfern und circa 800 Pferdefuhren die Kolpingssöhne stark vertreten, die auch In der Nacht vor der Einweihung der Kapelle am 30. Mai 1937 Wache hielten.

Es gelang jedoch den Nazis in einer kurzen unbewachten Zeit am frühen Morgen, beleidigende Schmierereien gegen die Kirche an der Kapellenwand anzubringen. Diese konnten noch vor der Einweihungsfeier mit circa 7000 Teilnehmern beseitigt werden.

Der Rottweiler mit Biss
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus Rottweil und Umgebung Montag bis Samstag im kompakten Überblick.