Autor aus dem Schwarzwald
: Waldmössingen beleuchtet Leben von Vinzenz Erath neu

Ein Bauernsohn aus Waldmössingen wurde Schriftsteller mit überregionaler Bedeutung. 2026 wird mit neuen Projekten an Vinzenz Erath erinnert.
Von
Carsten Kohlmann
Oberndorf
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Der Schriftsteller Vinzenz Erath (1906 bis 1976)

Stadtarchiv

Im Lauf des Jahres 1906 trug Bürgermeister und Standesbeamter Matthias Maurer (1840 bis 1920) 23 Geburten in das entsprechende Register der Gemeinde Waldmössingen ein. Die Nummer 6 gab er am 1. April 1906 einer Geburtsanzeige des Bauers Matthäus Erath (1861 bis 1939), der auf dem Rathaus erschien und bekanntgab, dass am 31. März 1906 seine Ehefrau Maria Erath (1867 bis 1942) in seinem Haus um 16.45 Uhr einen Knaben mit dem Namen „Vinzenz“ geboren habe – als zehntes von insgesamt dreizehn Kindern.

Seine 22 Jahrgänger sind heute nur noch – wenn überhaupt – in der Erinnerung ihrer Familien präsent. Vinzenz Erath erreichte dagegen als Schriftsteller in der jungen Bundesrepublik Deutschland eine überörtliche Bedeutung und ist daher auch als einziger Waldmössinger aus diesem Jahrgang bei „Wikipedia“ zu finden.

Zu seinem 120. Geburtstag am 31. März 2026 lebt die Erinnerung an sein Leben und Werk in Waldmössingen neu auf, zumal am 10. November 2026 auch sein 50. Todestag ist.

Sechs Romane

Den Schriftsteller verband mit seinem Geburtsort jedoch eine sehr wechselvolle Beziehung aus intimer Nähe und kritischer Distanz. Auf der einen Seite gibt es bis heute viele Freunde seiner insgesamt sechs Romane „Größer als des Menschen Herz“ (1951), „Das blinde Spiel“ (1954), „So zünden die Väter das Feuer an“ (1956), „So hoch der Himmel“ (1962), „Zwischen Staub und Sternen“ (1966) und „Misteln im Schnee“ (2006, postum), auf der anderen Seite gab es auch immer Kritiker seiner Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus.

Die Beziehung zu seiner Familie und seiner Heimat war zudem schon früh durch seinen Bruch mit der ihm von seiner Familie bestimmten Priesterlaufbahn und der katholischen Kirche belastet. Seine autobiografisch gefärbten Romane eröffneten gleichwohl vielen Menschen im Lauf der Zeit einen interessanten und lebendigen Zugang in die bäuerliche und katholische Lebenswelt der Menschen eines Dorfes wie Waldmössingen zu Beginn der Moderne mit ihren zahlreichen technischen, politischen, kulturellen und sozialen Umbrüchen – in den Romanen „Tundersdorf“ genannt.

Pflege seines Nachlasses

Nach bemerkenswertem Erfolg in den 1950er-Jahren konnte Vinzenz Erath das Publikum seit den 1960er-Jahren immer weniger erreichen und von seinen Erfolgen kaum noch zehren.

Am 10. November 1976 starb er im Alter von 70 Jahren in Vaihingen an der Enz. Dass sein Leben und Werk in Erinnerung blieben, ist zum einen der Pflege seines Nachlasses durch seine Familie und zum anderen engagierten Freunden seiner Romane in Schramberg und Waldmössingen zu verdanken. Seine alte, schwierige Heimat wurde dadurch wieder zu einer neuen, bewussten Heimat.

Grabstein als Denkmal

Die Marksteine waren: eine Ausstellung und Dokumentation des Gymnasiallehrers Roland Löffler mit dem Förderverein zur Heimatpflege (1988), ein Buch der Großen Kreisstadt Schramberg zum 100. Geburtstag und 30. Todestag (2006), eine Gedenkstunde der Ortsverwaltung, des Stadtarchivs und des Fördervereins zur Heimatpflege zum 40. Todestag (2016), die Übergabe des Nachlasses an das Stadtarchiv (2022) und zuletzt die Aufstellung seines Grabsteines als Denkmal auf dem Friedhof (2023).

Zum 120. Geburtstag und 50. Todestag von Vinzenz Erath im Jahr 2026 haben Margit Hess und Ulrich Jaud der Ortsverwaltung Waldmössingen ein Konzept mit zahlreichen Ideen zur Zukunft der Erinnerung an sein Leben und Werk vorgelegt, um es insbesondere jüngeren Generationen zu vermitteln.

Ein erster Schritt wird dazu bald die Eröffnung eines schon länger geplanten „Offenen Bücherschrankes“ am Eingang der Ortsverwaltung sein – als kostenlose und unkomplizierte Einladung, in die Bücher des Schriftstellers auf einer der Bänke in der Ortsmitte hineinzulesen oder sie nach Hause mitnehmen zu können.

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