Leben im Dorf: Das Pfaffenberger Zimmerplatzfest gründet auf einem Zufall

Das Zimmerplatzfest ist vor 60 Jahren spontan entstanden – Rudolf Philipp war dabei.
Wolfgang GretherEiner der engsten Begleiter des Gesangvereins Pfaffenberg blickte an der Jubiläumsfeier zum 75. Geburtstag auf den Verein. „Eine Laudatio sollte das nicht sein“, so der Anfang eines Gesprächs mit Rudolf Philipp. „Ich wollte die Geschichte des Vereins und persönliche Erlebnisse zusammen bringen. Berichte eines Zeitzeugen, das war meine Idee“.
Ganz ohne Historie geht es aber nicht. Begonnen hat das Singen 1950 mit dem Dirigenten Arthur Eckert. Er war Heimleiter in der Bergklause, damals ein Waisenhaus. Ihre ersten Auftritte gestalteten die Sänger mit durch ihn selbst arrangierte Lieder, um Geld zu sparen. In der Singstunde war Alkohol untersagt. Danach folgten die Dirigenten Samuel Fucik, Hubert Mehlin, Luthold Rümmele und ab dem Jahr 2013 mit Ursula Schliederer erstmals eine Frau. Seit 2022 steht Jakob Frumann am Dirigentenpult.
Rudolf Philipp war von 1971 bis 1987 Vorstand. Vor ihm hatten diese Amt Adolf Philipp, Gustav Strohmeier und Karl Ganter. Nach ihm folgte Christof Philipp, der 37 Jahre lang Chef war und seit 2024 Mathias Räuber. Vieles wurde im Verein geplant, vieles ergab sich einfach so und wurde zur Tradition, wie das Zimmerplatzfest.
Das erste auf dem Zimmerplatz, einem Ort oberhalb von Pfaffenberg auf dem Weg nach Käsern ist für Philipp unvergessen. Zufällig sind sich dort sich zwei Familien begegnet, die in Pfaffenberg zum Urlaub weilten und hatten es sich auf dem Platz zum Vespern gemütlich gemacht.
Zu ihnen gesellten sich Sänger aus dem Dorf, die ungeplant und spontan sangen. Daraus entstand ein Fest, das nun seit mittlerweile 60 Jahren als feste Größe im Vereinsgeschehen des Zeller Berglandes steht. Singen im Verein bedeutet Teilhabe an der Dorfgemeinschaft. Besonders sichtbar wurde dies im Jahr 1990, als Pfaffenberg sein 550-Jahr-Jubiläum gefeiert hat. Singen im Verein wäre ohne den „Schlüssel“, die Gaststätte des Ortes, in dieser Form nicht denkbar gewesen, erklärt Philipp: „Die Wirtschaft ist Garant für das Vereinsleben. Die Wirtsleute im Schlüssel haben uns mitgetragen.“
Vieles hat sich einfach so ergeben
Singen im Verein bedeutet für ihn neben den Festen auch Begleitung durch das Leben. Geburtstage, Hochzeiten und Beerdigungen all das gehöre dazu. Wehmütig denkt er an die Abschiede von ehemaligen Mitsängern. Singen im Verein sei auch mit Ausflügen verbunden. Die Pfaffenberger zog es nach Südtirol, Barcelona, Berlin, Bremen, ins Moseltal und öfter nach Hamburg.
Auf Einladung eines Kurgastes reiste der Verein in die Elbmetropole. Untergebracht in der Peripherie freundeten sich die Schwarzwälder mit einer Bauernfamilie an.
Zufall bringt Freundschaft
Aus zufälligen Begegnungen wurden auch langjährige Freundschaften. Ab der ersten Begegnung wurden Familienfeste der Bauernfamilie in der Nähe Hamburgs vom Verein aus dem Schwarzwald mitgefeiert, ebenso Geburtstage, Hochzeiten und Trauerfeiern. Die Sänger aus Pfaffenberg waren dabei und Rudolf Philipp wird bei der Erinnerung wehmütig: „Das ist Freundschaft.“
Info
Zimmerplatzfest
Am Samstag, 12. Juli, 19.30 Uhr, unter den Bäumen des Festplatzes oberhalb des Dorfes. Veranstalter ist der Gesangverein Pfaffenberg