Kultur in Schopfheim
: Bei der Orgelnacht erklingen fünf Instrumente in drei Kirchen

Schopfheim ist in der glücklichen Lage, allein vier gute Orgeln in zwei Kirchen zu haben - ideale Voraussetzungen für den „Orgelsommer“, der als Festival zurückkehrt.
Von
Jürgen Scharf
Schopfheim
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Christoph Bogon, Birgit Tittel und Dieter Lämmlin (von links) gestalteten den 18. Schopfheimer Orgelsommer.

Christoph Bogon, Birgit Tittel und Dieter Lämmlin (von links) gestalteten den 18. Schopfheimer Orgelsommer.

Jürgen Scharf
  • Orgelsommer kehrte als reines Orgelfestival zurück – die Orgelnacht war zentrales Element.
  • In drei Schopfheimer Kirchen erklangen fünf Orgeln mit unterschiedlicher Stilistik.
  • Dieter Lämmlin spielte in St. Michael Werke von Krebs auf Stein- und Merklin-Orgel.
  • Birgit Tittel gestaltete in St. Bernhard ein Sommerprogramm mit Petrali, Daquin, Telemann und Rutter.
  • Christoph Bogon wechselte zwischen Schuke- und Voit-Orgel mit Bach, Buxtehude, Bossi und Salomé.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Schopfheimer Orgelsommer ist nach einem „Zwischenspiel“ mit einem anderen Veranstaltungsformat wieder zum reinen Orgelfestival zurückgekehrt. Die Orgelnacht gehört als wichtigstes Element dazu.

Die Markgrafenstadt ist in der einmaligen Situation, dass sie Orgeln von hoher Qualität hat und in drei Kirchen fünf Instrumente mit ganz verschiedener Stilistik vorweisen kann. Darauf lässt sich aufbauen. Zum 18. Mal trafen sich drei Organisten am Samstagabend, um diese Vielfalt der Instrumente darzustellen. Das Programm trug zumindest in Station zwei, der St. Bernhardskirche, den Gestus der Sommerzeit mit.

Wie immer begann es in der Alten Kirche St. Michael, wo zwei historische Orgeln auf die Zuhörer warten. Hier trifft man schon längere Zeit Dieter Lämmlin an den beiden Orgeltischen an. Sein wie immer überlegtes Programm mit einem Komponistenporträt war ganz auf die repräsentative Georg Markus Stein- und die Merklin-Chororgel zugeschnitten.

Orgel mit Tücken – und ausgewogenem Klang

Die Stein-Orgel findet Lämmlin „sehr schön und sehr persönlich“. Sie sei keine 0815-Orgel, sagte er nach dem Konzert, sie habe zwar ihre Tücken,  aber einen ausgewogenen Klang. Das konnte man im Kirchenschiff hören.  Die Merklin sei für sich genommen genauso gut, von der Disposition her barocker, obwohl sie jünger ist als die Stein-Orgel. „Ein Glücksfall, dass beide da sind“, so der Inzlinger Organist.

Die Auswahl, die Lämmlin traf, sprach für sich, für den Komponisten Johann Ludwig Krebs und nicht zuletzt für die Kompetenz des Interpreten Lämmlin. In der Zeit der Entstehung der Stein-Orgel lebte auch der Bach-Zeitgenosse und Lieblingsschüler des Leipzigers. Wenn Krebs in Schopfheim gewesen wäre, hätte er auf diesem Instrument spielen können.

Die Präludien, Choräle, Fantasien und Fugen haben alle Substanz. Lämmlin ließ ihnen gestalterische Nuancen angedeihen. Etwa der „Fantasia à gusto italiano“, die galant daherkam, unter seinen Händen einfühlsam und klanglich fein ausbalanciert. Oder Krebs’ Fuge über B.A.C.H., die dem Meister alle Ehre macht, denn es existieren nicht viele gute B.A.C.H.-Fugen, aus der früheren Zeit schon gar nicht.

Harmonisch reichhaltig

Es gibt die Anekdote, dass Krebs dieses Stück improvisiert hat, als er den großen Bach unten in der Kirche sah. In diesem harmonisch reichhaltigen Stück schöpfte Lämmlin die Möglichkeiten der Orgel voll aus. Das war zwar kein originaler Bach, aber Bach so gut wie.

Dass auch Birgit Tittel mit der Orgel in der katholischen Kirche, an der sie sitzt, seit Jahren vertraut ist (acht Jahre lang versah sie hier den Orgeldienst), konnte man bei ihrem Programm durchweg hören.

Die Winterhalter-Orgel ist eine Kompromissorgel. Ein Instrument mittlerer Größe mit einigem an klanglichen Möglichkeiten: „ein bisschen romantisch, ein bisschen barock“, sagt Tittel. Die annähernd 50 Jahre alte Orgel hat einen runden, warmen Klang, so empfindet es die versierte Organistin. Das wurde besonders zu Beginn ihres Programms mit dem Titel „In dieser lieben Sommerzeit“ (einem Zitat aus dem Paul Gerhardt-Lied „Geh aus mein Herz“) deutlich, wo mit einem Stück von Vincenzo Petrali in typisch romantischer Manier ein bisschen italienische Opernmusik in der Kirche ertönte

Charmanter Rausschmeißer

Spielerisch und lautmalerisch wurde es in der kurzen klanglichen Kostbarkeit „Le Coucou“ von Louis Daquin, eine entzückende Vogelvertonung des berühmten Kuckucksrufs. Der Kuckuck erklang noch einmal in ihrem Programm, in einer hübschen Sommerimpression des Engländers Edwin Henry Lemare aus seiner postimpressionistischen Sammlung „Summer Sketches“.

Ins Zentrum ihres Programms hatte die Organistin eine Telemann-Sonate gestellt und an den Schluss mit John Rutters „Celebration“ das Ende einer Messe, einen charmanten Rausschmeißer.

Alle Stücke spielte Birgit Tittel stilistisch gut getroffen und fantasievoll registriert. Ganz besonders im Ohr blieben die Kuckuckslaute, eingepackt in schöne, ruhige Klangbilder.

Bogon an der Schuke-Orgel

Christoph Bogon interpretierte die meisten Stücke auf der Schuke-Orgel, die sich im Bereich Barock ansiedelt. Wer ihn kennt, wusste, dass er mit Bach und Buxtehude beginnt. Ohne diese beiden geht für ihn nichts, das sagt er auch selbst.

Mit der „Fantasia super“ spielte Bogon ein gewichtiges Bach-Werk und mit dem „Präludium pedaliter“ von Buxtehude ein großartiges Orgelwerk mit einem mächtigen Pedalsolo.  Als Ruheinsel hatte der Bezirkskantor ein „kleines Bonbon“, die von ihm komponierte Arietta, ein hübscher, gut ins Ohr gehender Orgelsong.

Wie erwartet, meistert Bogon den reichen Orgelpart im Kopfsatz der Prima Sonata des Italieners Marco Enrico Bossi beeindruckend und mit romantischen Farben. „Bossi war der erste seriöse Orgelkomponist in Italien“, sagte Bogon dazu, Verdi habe sich anerkennend über ihn geäußert.

Wechsel zwischen musikalischen Welten

Effektvoll schloss der stets souverän agierende Organist nach einem zarten „Prière“ (Gebet) mit einem Plenostück von Théodore Salomé, einem typischen Vertreter der Belle Epoque, sein Recital ab. Er wählte für diesen Teil die Voit-Orgel auf der Empore, die dafür angemessen ist. Bogon genoss es also wieder einmal, zwischen den musikalischen Welten zu wechseln.

Das Abschlussstück mit allen drei Interpreten war dieses Mal Mozart, der Chor der Sklaven aus der „Zauberflöte“ („Das klinget so herrlich“). Dafür gab es einen Grund: Dieses Jahr hätte der Librettist der „Zauberflöte“, Emanuel Schikaneder, seinen 275. Geburtstag feiern können.