Kultur im Wiesental: Wiesentäler Kulturwochen spiegeln die Vielfalt von Schönau

Zwischen Figur und Abstraktion bewegt sich Ludger A. Rothkopf in seinen Arbeiten im Bürgersaal Schönau.
Jürgen ScharfDie Eröffnung der zehnten Wiesentäler Kulturwochen war Anlass für Bürgermeister Peter Schelshorn, über die Bedeutung dieser Veranstaltungsreihe zu sprechen. Diese zehnte Auflage der Wiesentäler Kulturwochen mit einem abwechslungsreichen und generationsübergreifenden Programm würde die kulturelle Vielfalt der Stadt widerspiegeln, sagte Schelshorn bei der gut besuchten Vernissage im Bürgersaal. Zehn Jahre Kulturwochen sind nach Worten von Schelshorn zehn Jahre Kreativität, Musik, Literatur, Begegnung und Bereicherung des kulturellen Lebens im oberen Wiesental.
Der Saal, sonst nüchterner Raum für Sitzungen, werde so zu einem Ort der Kunst und Begegnung mitten im Herzen der Stadt, so der Rathauschef. Kultur und Kunst, meinte er weiter, seien keine Randthemen, kein Luxus, sondern würden den Zusammenhalt und die Lebensqualität stärken und Identität stiften. Die neue Schau „Zwei Visionen - eine Ausstellung“ passe mit ihren unterschiedlichen künstlerischen Sichtweisen gut zur Region und bildete eine Brücke zwischen den Menschen. Nach Ansicht von Schelshorn, der die Künstler kurz vorstellte, seien die Werke von Simon Peter Knight und Ludger A. Rothkopf „vielfältig, inspirierend und mit der Gegend verbunden“.
Von Rubens, Turner und Hockney zum Malen inspiriert
Der in der Nähe von Liverpool im Nordwesten Englands aufgewachsene Künstler Simon Peter Knight erzählte, dass er schon als Junge im dortigen Kunstmuseum Werke von Rubens, Rembrandt, Turner und Hockney bewundert habe, was ihn später zum Malen inspirierte. Knight wies auf die Vielfalt seiner ausgestellten Arbeiten hin. Es seien nicht zehn Künstler, wie man vermuten könne, alles sei von ihm. Er überlege, welcher Stil am besten zu seiner Idee passe.
Seit der Künstler mit seiner Ehefrau in Utzenfeld wohnt, beschäftigen ihn Schwarzwälder Motive. Sichtbares Zeichen dafür sind die Hirsche und Rehe, gemalt in einem romantischen Stil, ein Symbol für den Hochschwarzwald, der auch etwas Mystisches hat. Auch der Hausberg Belchen erscheint im Hintergrund dieser Hirschbilder.

Biblische Themen und Schwarzwaldmotive setzt Simon Peter Knight in kräftigen Farben um
Foto: Jürgen ScharfEs sind Arbeiten aus den letzten 15 Jahren, die er zum ersten Mal zeigt. Darunter finden sich auch viele biblische Motive, in denen Knight seinem Glauben Ausdruck verleiht.
Die Poesie der Psalmen bringe ihn zum Meditieren und Nachdenken, sagt der Künstler. So hat er nicht nur Elemente der Psalmen in seinen Bildern interpretiert, sondern auch die biblischen Texte dazu gestellt.
Nicht auf Stile festgelegt
Eine ganze Reihe christlicher Themen wie Himmelfahrt aus einem anderen Blickwinkel: von oben herab, das Gleichnis des verlorenen Sohns, das Thema Lamm Gottes und „Der Herr ist mein Hirte“, sehr farbenfroh, ja kindlich, fast naiv dargestellt, wie er selbst sagt.
Aber der Engländer setzt auch ganz andere Ideen in unterschiedlichen Farben und Stilen um, abstrahiert, manch saftiges Grün, Heidelbeersträucher und Landschaften: farbintensive Arbeiten voller Leben.
Kleinformatiges in Kugelschreibertechnik
Gefühl mit Präzision verbindet Ludger A. Rothkopf in seinen Arbeiten. Er zeigt eine ganze Serie von kleinformatigen Ansichten in selten anzutreffender Kugelschreibertechnik. Dem gebürtigen Bayern, der Architektur studiert hat und seit einem Jahr in Schönau lebt, geht es um innere Seelenvorgänge. Er malt gerne mit kräftigen Farben in einer großen Spannbreite von abstrakt bis realistisch.
Manche Figurenbilder sind von Filmszenen und Schauspielern angeregt, während andere Kleinformate von der Technik her mehr in die grafische Richtung gehen. Gerade in dieser Serie ist viel Experimentelles enthalten, Spielerisches, aber auch Geometrisches in der Formgebung. Aus den konstruktiven Formen spricht auch der Architekt.
Die musikalische Umrahmung übernahm eine Abordnung der Stadtmusik, ein Saxophon-Quartett um den zweiten Vorsitzenden Alexander Schlachta, das mit Stücken von Barock bis Oper die Zuhörer erfreute.
Offene, lebendige Vernissage
Bürgermeister Schelshorn nahm die Vernissage zum Anlass, verschiedenen Personen zu danken. Vor allem Stefanie Föhrenbach, die das vielfältige Kulturprogramm mit großem Engagement und Leidenschaft organisiere. Ohne Hausmeister Uli Wetzel, der seit den ersten Kulturwochen den Bürgersaal mit handwerklichem Geschick, Ideenreichtum und Gespür für Atmosphäre immer wieder neu gestaltet, gebe es nicht die kreativen Einfälle wie das Einziehen der Wände und das stimmungsvolle LED-Licht, die den besonderen Charme des Saals ausmachten.
Zuletzt stellte der Bürgermeister das Gesamtprogramm der zehnten Kulturwochen vor, bevor man beim gemütlichen Beisammensein mit den Künstlern ins Gespräch kommen konnte – ganz im Sinne einer offenen, lebendigen Vernissage. Die Wiesentäler Kulturwochen bieten noch weitere Veranstaltungen bis 2. November.